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Charlottes Vergiftung bleibt weiter ungeklärt

Fünf Jahre nach der Katastrophe Charlottes Vergiftung bleibt weiter ungeklärt

Die Aufarbeitung der Katastrophe von Gollwitz (Brandenburg an der Havel) findet kein Ende. Vor genau fünf Jahren erstickte die kleine Charlotte im Haus ihres Vaters, weil Kohlenmonoxid ausströmte. Der Prozess gegen zwei Monteure stockt. Die letzte Gutachterin gab ihren Auftrag zurück, ein neuer Sachverständiger beginnt von vorn. Die Eltern verzweifeln.

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Charlotte Jankwitz wurde nur drei Jahre alt. Sie erstickte an dem unsichtbaren Gas.

Quelle: Privat

Brandenburg/H. Die juristische Aufarbeitung der Katastrophe von Gollwitz findet kein Ende. Auf den Tag genau vor fünf Jahren erstickte die kleine Charlotte im Haus ihres Vaters, weil Kohlenmonoxid ausströmte. Der Gerichtsprozess gegen zwei Monteure stockt. Die zuletzt beauftragte Gutachterin hat ihren Auftrag zurückgegeben. ein neuer Sachverständiger beginnt von vorn. Die Eltern verzweifeln, weil sich alles so lange hinzieht.

Am 19. Februar 2011 schwebten fünf Menschen in höchster Lebensgefahr, die im neu gebauten Haus in der Schlossallee 115 in Gollwitz die Nacht verbrachten. Kohlenmonoxid strömte aus und verbreitete sich im Obergeschoss, dort wo die Schlafräume liegen.

Fünf Menschen schweben in Lebensgefahr

Das farb-, geruchs- und geschmackslose Gas machte die Bewohner bewusstlos. Nur Torsten Jankwitz kam kurz zu sich, sah die leblosen Angehörigen um sich herum und alarmierte den Notruf. Vier Menschen kamen in die Spezialklinik nach Berlin und überlebten. Doch für die Kleinste, die dreijährige Charlotte, kam jede Hilfe zu spät, sie starb an dem Gift.

Bald darauf begann die Suche nach der Ursache dieser Katastrophe. Die Justiz ist auch fünf Jahre danach noch nicht entscheidend weiter gekommen. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft Potsdam sind zwei Heizungsmonteure einer Magdeburger Firma schuldig. Sie sind angeklagt wegen fahrlässiger Tötung der kleinen Charlotte und fahrlässiger Körperverletzung in vier Fällen.

Prozess hat im Sommer 2014 begonnen

Am 1. März 2011 lässt die Polizei einen Teil des Daches vom Unglückshaus abnehmen. Der erste Gutachter erscheint sucht die Unglücksursache.

Im September 2013 klagt die Staatsanwaltschaft Potsdam vor dem Amtsgericht Brandenburg zwei Heizungsmonteure aus Magdeburg an. Die Ermittlungen gegen den Schornsteinfeger stellt die Behörde ein.

Am 10. Juli 2014 beginnt der Strafprozess vor dem Amtsgericht. Nach drei Stunden endet er ohne Urteil, weil noch Ermittlungsbedarf besteht.

Die beiden Männer sollen im Spätsommer 2009 in dem neu errichteten Wohnhaus in Gollwitz das unterm Dach befindliche Abgassystem der Gasheizung fehlerhaft und vorschriftswidrig eingebaut haben. Dadurch hätten sie die Kohlenmonoxidvergiftung verursacht.

Das sieht auch Torsten Jankwitz so. Doch ist er überzeugt, dass es weitere Schuldige gibt, nämlich vom Schornsteinfeger bis zur Bauaufsicht alle diejenigen, die das Haus mit der fatalen Abgasanlage ohne ausreichende Prüfung abgenommen und mit Stempel freigegeben haben. Seine Wut auf diese Leute ist unermesslich, so wie der Schmerz, den Vater und Mutter über den vermeidbaren Verlust ihres Kindes empfinden.

„Kein Mensch kümmert sich mehr um diese kleine verlorene Seele, das macht mich wütend“, sagt Lottis Mutter Jeanett Gusche. Sie wird am fünften Todestag des Kindes arbeiten gehen, etwas früher Feierabend machen und anschließend mit ihrer Mutter am Grab in Wilhelmsdorf trauern.

Vater überzeugt, dass es mehr Schuldige gibt

Auch Torsten Jankwitz wird versuchen, sich so gut es geht mit Arbeit abzulenken und dann zum Friedhof gehen. Seine Empörung ist seit Mittwoch noch einmal gewachsen. Denn die Bauaufsicht fordert ihn aktuell auf, aus Sicherheitsgründen Veränderungen an seiner Abgasleitung vornehmen zu lassen. Sonst dürfe er sie nicht nutzen.

Den Motorradunternehmer bringt das auf die Palme: „Jetzt auf einmal will die Stadt genau die Anlage sperren, die sie damals selbst abgenommen hat.“ Jankwitz will die Beweise in seinem Haus aber nicht beseitigen, er traut da niemandem mehr. In der nächsten Woche kommt der neue Gutachter aus Darmstadt und schaut sich das alte Elend an.

„Spätestens in sechs Monaten sollte klar sein, wie es weitergeht“, teilt die Brandenburger Amtsgerichtssprecherin Katrin Ryl mit.

Von Jürgen Lauterbach

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