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Brandenburg/Havel Wer die Hells Angels beleidigt, soll zahlen
Lokales Brandenburg/Havel Wer die Hells Angels beleidigt, soll zahlen
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19:00 30.03.2016
Im laufenden Prozess geht es auch um die Rockerehre der Hells Angels. Quelle: MAZ
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Brandenburg/H

Christian M. hatte eine „Klubschuld“. Denn der ehemalige Strafgefangene der JVA Brandenburg hatte sich im Knast abfällig über den Rockerclub Hells Angels geäußert. Das sollte er wiedergutmachen, indem er 5000 Euro zahlt und nach einem Freigang Drogen ins Gefängnis einschmuggelt. Sonst könnte es ihm dreckig gehen. Versuchte Erpressung lautet der Vorwurf im aktuellen Strafverfahren gegen Marvin S. vor dem Schöffengericht Brandenburg.

Das Rockermilieu und die Subkulturen in der JVA Brandenburg bilden den Hintergrund des am Dienstag begonnenen Gerichtsprozesses gegen Marvin S. Der junge Mann, der den Hells Angels nahesteht, soll versucht haben, im Sommer 2013 seinen damaligen Mitgefangenen Christian M. erpresst zu haben. Der Angeklagte bestreitet diesen Vorwurf, äußert sich aber ansonsten bisher nicht zur Sache.

Im Prozess geht es um Subkulturen und das Rockermilieu

Christian M. war im Sommer 2013 bereits Freigänger, stand also relativ kurz vor der Haftentlassung. Dennoch kehrte er am 22. August nicht wie gefordert von seinem Freigang ins Gefängnis zurück. Erst sechs Wochen später klopfte er an der Gefängnistür.

Gegenüber der Polizei und dem JVA-Personal begründete er sein Untertauchen mit seiner Angst vor Marvin S. Der habe ihm übel genommen, dass er sich abfällig über die Hells Angels äußerte, die nichts könnten außer mit Waffen und Drogen zu tun zu haben. Für diese Äußerungen wollte Marvin S. ihn der Anklage zufolge büßen lassen.

Der mehrfach vorbestrafte Mann ist offenbar eng mit Rayk F. (46) befreundet, einem führenden Rocker der Berliner Hells Angels, mit dem Marvin S. sogar eine Zeit lang die Gefängniszelle teilte.

Die Angst vor Marvin S.

Marvin S. soll Christian M. aufgefordert haben, 5000 Euro Genugtuung zu beschaffen und 50 Gramm Cannabis bei seiner Rückkehr in den Knast einzuschmuggeln. Um den Forderung Nachdruck zu verleihen, versetzte der Rockerfreund seinem Mitgefangenen angeblich ein paar Schläge ins Gesicht.

Christian M. soll es dadurch mit der Angst um sich, seine Freundin und seine Familie bekommen haben, so dass er sich nicht traute, aus seinem Knasturlaub zurückzukehren. Als er es doch tat, vertraute er sich aber nicht nur der Justiz an, sondern zwei Großkaliber-Gefangenen der JVA: den berüchtigten „Störchen“, über deren Begünstigung Ex-Justizminister Volkmar Schöneburg (Linke) vor gut zwei Jahren gestürzt ist.

M. bekam es mit der Angst zu tun

Christian M. stellte sich unter den Schutz der beiden in der Knasthierarchie weit oben stehenden Schwerverbrecher Detlef W. und René N. Die Hilfe der Justiz war ihm fortan offenbar zweitrangig. Wie leitende JVA-Beamte am Dienstag im Gerichtsprozess sagten, gab es zwei führende subkulturelle Lager im Brandenburger Gefängnis. Der angeklagte Marvin S. und seine Leute standen auf der einen Seite und die inzwischen miteinander verheirateten „Störche“, die nun beide den Familiennamen von René N. tragen, auf der anderen.

Das Schöffengericht versucht mit weiteren Zeugen in einem zweiten Prozesstermin am 12. April zu klären, ob Marvin S. seinen Mitgefangenen tatsächlich unter Druck gesetzt hat.

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Von Jürgen Lauterbach

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