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Brandenburg/Havel Hilfsmission auf hoher See geht für Brandenburger Arzt weiter
Lokales Brandenburg/Havel Hilfsmission auf hoher See geht für Brandenburger Arzt weiter
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18:17 20.03.2018
Die Seefuchs auf großer Fahrt: der Brandenburger Gregor Rom beteiligt sich als Schiffsarzt bei der Suche nach verunglückten Flüchtlingen auf dem Mittelmeer.   Quelle: privat
Valetta

Am Freitagabend kehrte die Seefuchs von ihrer ersten Mission des Jahres in den Hafen von Valletta auf Malta zurück. In den vergangenen Tagen wurde das Schiff klar gemacht für seinen zweiten Einsatz, der nach Plan am Mittwoch, 21. März, beginnen soll.

Ich selbst wechsele von der Mannschaft der Seefuchs in die Crew der Sea-Eye, welche demnächst auch zur ersten Mission des Jahres aufbrechen soll.

Gregor Rom aus Brandenburg an der Havel hilft auf Seenotrettern, die zwischen der maltesischen Hauptstadt Valletta und der libyschen Küste auf dem Mittelmeer kreuzen. Zwei Wochen seines Urlaubs opfert der Mediziner, um in Seenot geratenen Menschen zu helfen.

Die mehrtägige Rettungsfahrt der Seefuchs verlief im Grunde relativ ruhig. Während das Schiff „Open Arms“ einer spanischen Hilfsorganisation – außer unserem das einzige, das dieser Tage auf See operierte – nordöstlich von der libyschen Hauptstadt Tripolis mehrere Gummi-Schlauchboote mit Hunderten Flüchtlingen bergen musste, trafen wir nordwestlich von Libyen keines auf dem Meer an.

Mehrere Übungen auf hoher See

Nach unserer Abfahrt aus dem Hafen von Valletta auf dem Weg zur SAR-Zone („Search and Rescue“, zu deutsch: suchen und retten) wurde ich zunächst etwas seekrank. Wir unternahmen mehrere Übungen, die das Aussetzen unserer Schlauchboote, das Ausbringen von Rettungswesten und die Kommunikation mit in Seenot geratenen Flüchtlingen betrafen.

Heutige Ausfahrt der Seefuchs.

Gepostet von Gregor Rom am Montag, 12. März 2018

In der SAR-Zone angekommen, patrouillierten wir an deren Grenze von Ost nach West und West nach Ost über eine Länge von etwa 45 Seemeilen. Einziges nennenswertes Vorkommnis dabei war das Zusammentreffen mit der libyschen Küstenwache, die uns, ohne ersichtlichen Grund und ohne sich über Funk zu melden, in internationalen Gewässern über mehre Seemeilen verfolgte und einmal sogar das Schiff umkreiste.

Das Wetter war für Schleuser ideal – trotzdem keine Boote

Die Wetterprognose an der libyschen Küste ließ für unseren Einsatz auf hoher See viel Arbeit und ein hohes Aufkommen von Flüchtlingsbooten erwarten. Dazu muss man wissen, dass die Boote – vor allem die großen Schlauchboote, die von den Schleppern teilweise mit über 100 dicht gedrängten Menschen besetzt werden – nur bei bestimmten Witterungsbedingen überhaupt ablegen können.

Sie brauchen zunächst eine ruhige See und weiterhin ablandigen Südwind, um nicht gleich wieder von Wellen und Wind an die Küste zurückgedrückt zu werden. Solche Bedingen herrschten während unserer Ausfahrt vor.

Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen

Dennoch verzeichneten wir während unserer Fahrt in unserem Suchbereich keine Sichtungen und Meldungen von Booten in Seenot.

Trotzdem: Wenn man einmal dort draußen unterwegs war, wird einem sehr schnell klar, dass man die sprichwörtlichen Stecknadeln im Heuhaufen sucht – und dass mit großer Sicherheit ein beträchtlicher Teil der auf dem Mittelmeer fahrenden Flüchtlings-Boote nicht entdeckt wird. Für die Insassen bedeutet dies häufig den sicheren Tod.

So arbeitet der Seenothilfe-Verein

Sea-Eye sucht nach Schiffbrüchigen und Ertrinkenden vor der libyschen Küste.

Der Verein versorgt Verletzte an Bord in der Krankenstation.

Die Seenotleitzentrale der italienischen Küstenwache in Rom (MRCC) schickt Schiffe, welche die Flüchtenden übernehmen.

Sea-Eye handelt ausschließlich aufgrund internationaler Gesetze und Vereinbarungen und hält sich an die weltweit gültigen Regeln der Seenotrettung.

Der Verein betreibt sein Lebensrettungsprojekt ausschließlich mit freiwilligen Helfern, die allesamt ohne Bezahlung mithelfen. Sie opfern Freizeit und Urlaub, fliegen auf eigene Kosten zu den Einsätzen nach Malta.

Sea-Eye finanziert sich vorwiegend mit Hilfe von Spenden. Der Verein ist gemeinnützig und rechenschaftspflichtig.

Auch transportiert Sea-Eye keine Flüchtenden und leistet keine Fluchthilfe.

Sea-Eye operiert nicht innerhalb der libyschen Hoheitszone, sondern nur in internationalen Gewässern.

Sea-Eye arbeitet nicht (weder direkt noch indirekt) mit Schleusern oder ihren Organisationen zusammen.

Die Boote, vor allem die Gummiboote, aber auch die aus Holz, sind nicht dazu ausgelegt, Europa tatsächlich erreichen zu können. Die Gummiboote selbst sind von sehr schlechter Qualität.

Schlepper setzen die Menschen in notdürftig gezimmerte Boote

Die Schlepper legen in diese selbst gezimmerte, grobe und scharfkantige Holzböden ein. Durch die Wellenbewegungen kommt es zwischen den Schläuchen und den Holzböden zu Reibungen, die das Gummi schnell verschleißen, so dass die Luftkammern der Boote spätestens nach zwei Tagen ihre Luft verlieren.

Die Bootsinsassen ertrinken, an Bord gibt es keinerlei Rettungswesten oder andere Hilfsmittel. Die Holzboote wiederum sind derartig instabil, dass sie sehr schnell bei Wellenbewegungen oder Gewichtsverlagerungen kentern.

Die Menschen glauben an eine kurze Fahrt über das Meer nach Europa

Die Schlepper setzen die Flüchtlinge bei für sie günstigen Bedingungen in der Nacht an der libyschen Küste in die Boote, instruieren sie in aller Kürze im Umgang mit dem untermotorisierten Außenborder und erzählen ihnen, dass hinter dem hellen Schein der Bohrinseln am Horizont Europa liege.

Sie erwecken also den Anschein, als liege eine unproblematische Reise vor den Menschen. Dass zwischen den Bohrinseln und Europa tatsächlich noch Hunderte Seemeilen liegen, ist den meisten der Flüchtlinge gar nicht bewusst, da sie meist keinerlei Kenntnis der Geografie des Mittelmeeres haben.

Weit und breit ist kein anderes Rettungsboot zu sehen

Bereits am Tag vor unserer Ankunft in der SAR-Zone herrschten derartig gute Bedingungen, dass von einem so genannten „Retterwetter“ gesprochen wurde.

An diesem Tag befand sich jedoch keines der Rettungsschiffe einer Nichtregierungsorganisation (NGO) in dem Gebiet. Das spanische Retterboot „Open Arms“ traf einen halben Tag nach uns im Operationsgebiet ein. Man kann sich ausmalen, was mit Booten passierte, die an diesem Tag ablegten und die SAR-Zone vor uns erreichten.

Kein regulärer Schiffsverkehr auf offener See

Regulärer Schiffsverkehr findet in diesen Gewässern ansonsten kaum statt. Wir selbst hatten in den drei Tagen im Suchgebiet Sichtkontakt mit insgesamt zwei anderen Schiffen. Das ist das große Drama: Die Boote der Flüchtlinge sinken und die Leute ertrinken, ohne dass es jemand mitbekommt. Sie tauchen in keiner Statistik auf.

An Bord unterhielt ich mich natürlich mit meinen Crew-Kameraden. Dabei schilderte ich einen Fall, den ich im Herbst 2017 im französischsprachigen Westafrika erlebt hatte. Auf der Fahrt vom Senegal nach Mauretanien befand sich in meinem Bus ein junger, ausschließlich Englisch sprechender Gambier.

Viele sterben schon, lange bevor sie die Küste erreichen

Dieser hatte die wenig glorreiche Idee, zu Fuß von Mauretanien nach Algerien zu wandern, um dort in einem Fußballcamp eine große Karriere zu starten. Er hatte keine Möglichkeit, sich mit den Leuten zu verständigen, hatte keine Idee davon, was eine Wüste ist und keine Vorstellung von der vor ihm liegenden Entfernung. Ich klärte ihn nach Kräften auf und legte ihm nahe, seinen kühnen Plan ad acta zu legen.

Es sind also beileibe nicht nur die Menschen, die auf dem Mittelmeer ertrinken. Viele, die von einem besseren Leben in Europa träumen, erreichen die nordafrikanische Küste gar nicht erst. Es gibt keine Zahlen, aber die sich in der Wüste abspielenden menschlichen Dramen dürften zahllos sein.

Das Wetter wird schlechter, die Seefuchs kehrt zurück

Aufgrund eines angekündigten Sturms und sich absehbar verschlechternden Wetterbedingungen verließen wir unser Suchgebiet schließlich nach mehreren Tagen und fuhren nach Malta zurück.

Einige in der Mannschaft waren unglücklich darüber, niemanden auf der Mission gerettet zu haben. Ich persönlich sehe das anders. Es ist gut, dass wir niemanden retten mussten. Es bleibt nur zu hoffen, dass tatsächlich niemand während unserer Ausfahrt draußen war, der schlicht durch das Suchraster fiel.

Kennenlernen der neuen Crew, bevor es wieder aufs Meer geht

Auf Malta gilt es nun, mich von der Mannschaft der Seefuchs zu verabschieden, mich auszuruhen, die neue Crew der Sea-Eye kennenzulernen und mich mit voller Konzentration auf die neue Mission vorzubereiten.

Ob diese stattfinden kann, wird auch davon abhängen, ob oder wann das zweite Schiff soweit hergerichtet ist , dass es in See stechen kann, ohne die Crew zu gefährden.

Der Autor wird in der MAZ von den weiteren Etappen seines Abenteuers berichten.

Von Gregor Rom

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