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Industriemuseum droht der Kollaps

Geldnot in Brandenburg an der Havel Industriemuseum droht der Kollaps

Das renommierte Industriemuseum in Brandenburg an der Havel ist in existenzieller Finanznot. Durch den nichtgenehmigten Haushalt der Stadt können Zuschüsse nicht fließen. Gibt es nicht bald eine Lösung, drohen ab Februar Entlassungen.

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Vor historischer Kulisse: Museumsleiter Marius Krohn in der früheren Gießhalle.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Brandenburg/H. Die finanzielle Lage des Brandenburger Industriemuseums wird immer prekärer. Ohne zusätzliche Finanzspritze müsse er im Februar mit Entlassungen beginnen, sagte Museumsleiter Marius Krohn. Betroffen sein werden zwei Mitarbeiter. Andernfalls drohe er sich wegen Konkursverschleppung strafbar zu machen, so Krohn. Stephan Breiding, Sprecher des brandenburgischen Kulturministeriums, zeigte sich überrascht: „Von dieser Entwicklung hören wir jetzt das erste Mal. Wir werden im neuen Jahr Gespräche dazu führen“, kündigte Breiding an.

Haushaltslage der Stadt ist Schuld

Hintergrund der massiven Geldnot des weit über die Stadt- und Landesgrenzen hinaus bekannten und renommierten Kulturortes ist die Haushaltslage der Stadt Brandenburg. Die hatte zwar auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vor, das Industriemuseum mit je 140 000 Euro in diesem und nächsten Jahr zu bezuschussen. Das wären 27 500 Euro mehr als bisher. Doch weil das Innenministerium in Potsdam den Haushalt 2015 nicht bewilligt hat, kann der städtische Zuschuss nur in der Höhe fließen wie in den Jahren zuvor. Das sind 112 500 Euro. Auch das Land fördert das Industriemuseum mit jährlich derzeit 80 000 Euro.

Bundesstiftung fördert Museum

Das Brandenburger Industriemuseum zählt rund 15 000 Besucher im Jahr. Von 1992 bis 2015 leitete es Sieglinde von Treskow. Dann trat die promovierte Historikerin ins zweite Glied als stellvertretende Leiterin zurück. Leiter ist jetzt Marius Krohn. Er war Volontär im Brandenburger Stadtmuseum.

Frisch bewilligt hat die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Berlin dem Industriemuseum 25 000 Euro für die Überarbeitung und Modernisierung der Ausstellung. „Diese Geld dürfen wir nicht für Personalkosten verwenden“, sagte Krohn. Es beweise aber das Renommee des Hauses, das ständig auf der Suche nach weiteren Förderquellen sei.

Dass diese Summen nicht mehr ausreichen, ist indes ein hausgemachtes Problem des Museumsträgers. Der Trägerverein hat die Position der Leitung doppelt besetzt. Neben der langjährigen Leiterin Sieglinde von Treskow ist das seit Anfang 2015 Marius Krohn. „Damit haben sich aber auf dieser Position die Personalkosten nicht verdoppelt“, betont Krohn. Er sei zu einem niedrigeren Gehalt eingestellt worden als das vorherige von Treskows und diese habe ihre Stunden reduziert, so dass auch sie nicht mehr ihr volles früheres Gehalt bezieht. Von Treskow wird Krohn zufolge in zwei Jahren in den Ruhestand gehen.

Mitarbeiter arbeiten zu geringeren Bezügen

Bürgermeister und Kämmerer Steffen Scheller (CDU) bestätigt, das die Stadtverwaltung in diese Personalentscheidung eingebunden war. „Sie ist nachvollziehbar.“ Dennoch ist genau diese abgespeckte Doppelbesetzung der Grund für die Geldnot im Industriemuseum. Nötig war die Doppelbesetzung offenbar auch, um Krohn zu halten. Das bestätigte Krohn der MAZ.

Um noch dieses Jahr über die Runden zu kommen, hat der Trägerverein nun aus seiner Haverie-Rücklage 15 000 Euro zugeschossen. Die von der Stadt bereits in diesem Jahr bewilligten zusätzlichen 27 500 Euro aber sind für das Industriemuseum verloren. Sie können Scheller zufolge nicht rückwirkend fließen.

Von Marion von Imhoff

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