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Absurdes Leitsystem führt ins Nirgendwo

Schmähpreis für Brandenburg an der Havel Absurdes Leitsystem führt ins Nirgendwo

Es fährt ein Zug nach Nirgendwo. Das zumindest ist ein Gedanke, der manchem Blinden oder Sehschwachen in den Kopf kommen könnte, der sich auf dem Brandenburger Hauptbahnhof zurechtfinden möchte. Das Blindenleitsystem auf dem Bahnhofsvorplatz ist schlicht absurd. Dafür hat die Stadt nun sogar einen Preis verliehen bekommen, den niemand haben will.

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Irrsinn am Hauptbahnhof: Das Leitsystem endet am Schaltschrank.

Quelle: Rüdiger Böhme

Brandenburg an der Havel. Es fährt ein Zug nach Nirgendwo. Das zumindest ist ein Gedanke, der manchem Blinden oder Sehschwachen in den Kopf kommen könnte, der sich auf dem Brandenburger Hauptbahnhof zurechtfinden möchte. Das Blindenleitsystem auf dem Bahnhofsvorplatz ist schlichtweg absurd, schätzt der Allgemeine Behindertenverband (ABB) des Landes Brandenburg ein.

Als besonders schlechtes Beispiel unter einer Hand voll nominierter Situationen im Alltag von Behinderten hat der Verband am Dienstag der Stadtverwaltung den „Betonkopf 2016“ verliehen. Das ist ein Schmähpreis, wie ihn nun wirklich niemand haben will!

Diesen Preis will niemand haben

Im Dezember 2014 wurde der neue Hauptbahnhof eröffnet. Ein Bestandteil dieses großen Buga-Bauvorhabens war auch die Neugestaltung des Vorplatzes. Der Bahnhof und der Platz sind für die Anbindung der Stadt von besonderer Bedeutung. Im Bereich der drei Bahnsteige, einschließlich des Tunnels und der Zugänge zu ihnen, existierte seit der Rekonstruktion der Verkehrsanlagen durch die Deutsche Bahn AG seit einigen Jahren ein geschlossenes Blindenleitsystem.

Eine fragwürdige Auszeichnung

Der Betonkopf ist ein Negativpreis, der vom Allgemeinen Behindertenverband Land Brandenburg e.V. (ABB) jährlich „für die drastischste Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen“ durch nicht barrierefrei ausgeführte Baumaßnahmen vergeben wird.

Seit 2004 macht der ABB durch die jährliche Verleihung des Betonkopfs „besonders krasse Verstöße gegen das Baurecht und die damit verbundene Diskriminierung behinderter Menschen öffentlich“.

Preisträger der zurückliegenden Jahren sind beispielsweise: die Verwaltung des Landtages des Landes Brandenburg und das Ministerium der Finanzen; das Ministerium für Wirtschaft und Europaangelegenheiten; der Schlossturm Lübben; die Landmarke Lausitz; das Großsteinpflaster und das Supermarktdrehkreuz sowie der Bahnhof Luckenwalde und das Ministerium für Infrastruktur.

Ein solches Leitsystem ist beim Umbau des Bahnhofsvorplatzes auch vor dem Bahnhofsgebäude realisiert worden. Das neue System umfasst den Vorplatz und verbindet den zentralen Busbahnhof mit den Haltestellen der Stadtlinienbusse und dem Taxistand. Es gibt sogar einen Blindenleitstreifen, der in Richtung der Bahnsteige führt. Der aber endet exakt an der Grundstücksgrenze zum Gelände der Deutschen Bahn AG, beklagt der Behindertenverband. Die Bahn wiederum hatte das von ihr errichtete Blindenleitsystem ein paar Jahre zuvor nur einige Meter weiter östlich enden lassen.

Zwei lose Enden, nur einige wenige Meter voneinander entfernt. Nun gibt es an einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt zwei gut ausgebaute Blindenleitsysteme, die nur eben keiner miteinander verbunden hat. Doch damit nicht genug: Ein Schaltschrank steht mitten auf dem Blindenpfad. „Was aber vielleicht ein schlichter Planungsfehler ist, wird dann zum Skandal, wenn die Verantwortlichen in Kenntnis der Tatsachen nichts unternehmen, um diesen Missstand zu beheben“, sagt Nicole Stäbler, die Leiterin der ABB-Geschäftsstelle.

Zwei lose Enden, nur wenige Meter voneinander entfernt

Der ABB habe bereits 2015 auf diese Missstände hingewiesen, die Stadt habe schnelle und unkomplizierte Lösungen zugesagt. Passiert sei nichts. Anlässlich des Europäischen Aktionstages für die Gleichstellung und Teilhabe und gegen die Diskriminierung von Menschen mit Behinderung habe deshalb der ABB den Negativpreis nun an die Stadt vergeben.

Katrin Tietz, Behindertenbeauftragte der Stadt, kann auch nur mit dem Kopf schütteln. Dinge wie der Schaltschrank seien die Folgen „von fehlendem Denken und Ignoranz“. Den „Betonkopf“ habe die Stadt aber zu Unrecht bekommen. Denn anders, als der Verband sagt, sei schon viel passiert und der Wille zur Veränderung bei Bahn und Stadt vorhanden. Doch insbesondere bei der DB würden die Mühlen langsam mahlen. Tiefbauamtschef Peter Reck stehe Gewehr bei Fuß, um die Blindensysteme miteinander zu verbinden. Tietz ist überzeugt: „Es wäre schön, wenn es schneller gegangen wäre. Aber dieses Jahr schaffen wir das noch.“

Von Benno Rougk

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