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Brandenburg/Havel Drei Stunden Kampf ums Rathaus
Lokales Brandenburg/Havel Drei Stunden Kampf ums Rathaus
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13:34 21.02.2018
Bis auf den letzten Platz gefüllt war der große Hörsaal der Technischen Hochschule zum MAZ-Wahlforum, einige der 550 Zuschauer mussten sogar stehen. Quelle: Rüdiger Böhme
Brandenburg/H

Eine lautere Aufforderung, unbedingt am 25. Februar zur Oberbürgermeisterwahl zu gehen, kann es kaum geben. Nur hauchzart entschied der CDU-Bewerber Steffen Scheller mit 161:158 Stimmen in der nichtrepräsentativen Saalumfrage das Rennen gegen den parteilosen Konkurrenten Jan van Lessen für sich. Letzterer ist gemeinsamer Kandidat von SPD, Linken und Grünen.

Mehr als 500 Gäste drängen ins Audimax

Zum MAZ-Wahlforum am Donnerstagabend im mit 550 Gästen übervollen Audimax der Technischen Hochschule Brandenburg hatten die beiden gut vorbereiteten Bewerber in dem knapp dreistündigen Schlagabtausch ihre Höhen und Tiefen, ihre starken und peinlichen Momente.

Die Moderatoren Benno Rougk und Jürgen Lauterbach vom MAZ-Regionalverlag versuchten, nicht nur die kühlen Wahlkämpfer zu befragen, sondern auch die Menschen hinter den Wahlplakaten vorzustellen. Beim Musikgeschmack waren beide Kandidaten weit voneinander entfernt: „Haus am See“ von Peter Fox ist nach van Lessens Geschmack, Scheller steht auf „In my Place“ von Coldplay.

Zu Beginn geht es fast schon handzahm zu

Beim Essen und bei der Liebeserklärung an die Stadt antworteten sie unabhängig voneinander deckungsgleich: Beide gehen gern ins „Ristorante Toto“, beide nennen als die liebenswürdigsten Merkmale Brandenburgs „Menschen, Wasser und Natur“. Und beide sind schlecht im Witze-Erzählen.

Van Lessen punktet mit der Frage, warum Scheller es vermieden habe, auf seinen Wahlplakaten die CDU zu erwähnen, ob er denn ausgetreten sei. Noch mehr punktet er mit der unbeholfenen Antwort des Widersachers, er wolle die Wähler nicht mit zu viel Text überfordern.

Hätten Sie’s gewusst?

Beide Kandidaten mussten sich zu Beginn des Wahlforums einem kleinen Quiz stellen. Hier die Fragen und Antworten.

Wie groß ist die Fläche von Brandenburg an der Havel? 230 Quadratkilometer.

Wie groß war sie vor 15 Jahren? 208 Quadratkilometer, ohne Wust und Gollwitz.

Welche Staatsbürgerschaft hat der aktuelle Fußballtrainer des BSC Süd 05? Özkan Gümüs ist deutscher und türkischer Staatsbürger.

Wo liegt die Durchschnittstemperatur in der Stadt übers Jahr betrachtet? 9,2 Grad Celsius.

In welchem Jahr wurden die Gemeinde Kirchmöser und die Stadt Plaue Ortsteile von Brandenburg? 1952.

Wer hat’s gesagt?

„Mit Kopf und Herz für Brandenburg Helmut Schmidt, 2002, Wahlflyer.

„Es ist nie richtig, Gräben zu schaufeln, wo Brücken nötig wären.“ Dietlind Tiemann, CDU-Parteitag, August 2003.

„Die Zahl der Arbeitslosen sinkt, aber die Zahl der auf Hilfe angewiesenen Menschen steigt.“ Homepage Jan van Lessen.

„Diese Stadt hat eine gute Zukunft vor sich, ich glaube das nicht nur, ich bin mir sicher.“ Werner Jumpertz, Bewerber als SPD-interner OB-Kandidat 2001.

„Gemeinsam werden wir die Identität der Stadt- und Ortsteile stärken. Neue Formen der Bürgerbeteiligung stellen sicher, dass die Bürger bekommen, wofür sie ihre Steuern und Abgaben bezahlen.“ Steffen Scheller, aktuelles Wahlprogramm.

„Der Stadtteil Hohenstücken ist leider zum Stiefkind unserer Stadt geworden. Das werden wir ändern.“ René Kohl, CDU-Spitzenkandidat Wahlkreis 4 im Jahr 2003.

„Ich möchte mit ihnen gemeinsam das Bild unserer Stadt verändern. Mit einem generationenübergreifenden Projekt am Packhof: Kita, Jugendhotel, altengerechtes Wohnen.“ Petra Faderl, Januar 2002.

Gewohnt souverän reagiert Scheller allerdings vor allem auf die Fragen aus dem Publikum, er zeigt mit jeder Antwort, wie tief er in der Materie steckt. Werner Jumpertz beispielsweise will wissen, was den potentiellen Oberbürgermeistern zur Entwicklung des Stadtteils Hohenstücken einfällt, außer der dritten Welle mit der Abrissbirne. „Stadtumbau kann doch nicht nur aus Rückbau bestehen.“

Viele Fragen aus dem Publikum gab es während des MAZ-Wahlforums im Audimax der THB. Quelle: Rüdiger Böhme

Van Lessen will ein Konzept für die Freiflächen erstellen und die ohnehin gute Verkehrsanbindung erhalten, Scheller antwortet konkreter: „Wir müssen die übliche Wohnstruktur aufbrechen, allein mit Plattenbauten und Einfamilienhäusern ist es nicht getan. Wir brauchen beispielsweise auch mehr Reihenhäuser, in denen wir altersgerechtes Wohnen anbieten.“ Ohne den Rückbau der Überkapazitäten, hätten die großen Vermieter auch wenig Chancen, die zu erhaltenden Bestände modern zu sanieren.

Theresa Braatz will wissen, wie der digitale Stillstand an den Schulen aufgelöst werden kann, „wenn wir teilweise noch an Computern aus dem Jahr 1996 sitzen“. Scheller kennt das Problem, schließlich gebe es in der Schule seiner älteren Tochter nur eine Lehrerin, die ein „Whiteboard“ (Digitale Tafel) bedienen könne.

Schulen sollen technisch aufgerüstet werden

„Wir werden jetzt schnell die Schulen modern ausrüsten und den Kindern freien W-Lan-Zugang ermöglichen, damit sie auch ihre eigenen Geräte zum Lernen nutzen können“, sagt Scheller. Van Lessen ergänzt: „Wir müssen die Lehrer in die Lage versetzen, die moderne Technik auch zu nutzen.“ Er wolle dafür Geld aus den Mitteln verwenden, welche vom Land kommen soll als Ausgleich für die ausgefallene Kreisgebietsreform.

Andreas Bergner spricht ein Problem an, dass vielen auf den Nägeln brennt, schließlich hat jeder siebte Brandenburger eine körperliche Einschränkung, zudem ist der Altersdurchschnitt sehr hoch: „Warum ist es nicht möglich, wenigstens nur eine richtige Niederflurstraßenbahn zu einer festgelegten Zeit auf unseren nur drei Straßenbahnlinien einzusetzen? Immerhin verfügen die Verkehrsbetriebe über sechs dieser Bahnen. Mit deren jetzigen unberechenbaren Einsatz können besonders Rollstuhlfahrer nie mit fahrplanmäßiger Beförderung rechnen. Somit werden behinderte Menschen sogar diskriminiert.“

Viele Fragen aus dem Publikum gab es während des MAZ-Wahlforums im Audimax der THB. Quelle: Rüdiger Böhme

Scheller sieht derzeit keine Chance, die unregelmäßigen Umläufe in ein einheitliches Raster zu bringen. Doch sei schrittweise Besserung in Sicht – die großen Städte Cottbus, Frankfurt (Oder) und Brandenburg an der Havel hätten sich darauf verständigt, ein gemeinsames Beschaffen von modernen Bahnen auszuschreiben, davon soll die Havelstadt vier barrierefreie Bahnen bekommen.

Ausweichend antwortet Scheller auf die Auskunftsfreudigkeit seiner Verwaltung und die Bemerkung, in der hiesigen Stadtverwaltung sei „alles ein bisschen kompliziert“. Jeder Bürger habe das Recht, eine klare und verständliche Auskunft zu bekommen, sagt er nur. Er verschweigt aber, dass teilweise in den Vorjahren ein Klima der Angst im Rathaus entstanden ist, weil missliebige Mitarbeiter einfach kaltgestellt wurden – bestes Beispiel dürfte der Beigeordnete Michael Brandt (CDU) sein, dem massiv Kompetenzen entzogen wurden.

Ein paar Sticheleien gibt es dann doch noch

Dazu passt auch van Lessens gleichzeitig hilflose wie wütende Bemerkung, Scheller habe zwar für alles ein Konzept, behalte diese Pläne aber für sich. Der Parteilose hingegen wolle lieber mit den Menschen reden.

Die Themenpalette in der Diskussion reichte von den Packhof-Planungen über den Umgang mit der AfD bis zum Abschaffen der Atomwaffen auf der Welt – nachzulesen unter MAZ-online.de/MAZ-TalkTHB.

Offensichtlich haben sich die Zuschauer gut unterhalten gefühlt, sonst hätten sie nicht ausgeharrt. Für die Wahlentscheidung gilt die Empfehlung von Lauterbach: „Machen sie das Beste draus!“

Von André Wirsing

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