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Vom Wurm mit Hörnern und alten Kaugummis

Ferien im Landesmuseum Vom Wurm mit Hörnern und alten Kaugummis

Ferien im Museum – an insgesamt vier Nachmittagen geht es in dieser Woche im Archäologischen Landesmuseum in Brandenburg quer durch die großen Epochen der Menschheitsgeschichte. Den Auftakt der Reihe machte am Dienstag – na klar – die Steinzeit. Die MAZ war bei der Zeitreise, die Anfassen und Mitmachen ausdrücklich erlaubte, dabei.

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Staunen und erleben: Die Kinder hatten am Dienstag im Landesmuseum nicht nur Spaß, sie lernten auch einiges.

Quelle: Volkmar Maloszyk

Brandenburg/H. Natürlich wissen sie, was ein Archäologe den ganzen lieben langen Tag so treibt. Er gräbt nach Knochen, Alltagsgegenständen und Werkzeugen. Und ja, die Steinzeit heißt Steinzeit, weil damals eben jene Werkzeuge aus Stein gefertigt wurden und Menschen noch in Höhlen wohnten, ist doch sonnenklar.

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Ferien im Museum – an insgesamt vier Nachmittagen geht es in dieser Woche im Archäologischen Landesmuseum in Brandenburg quer durch die großen Epochen der Menschheitsgeschichte. Den Auftakt der Reihe machte am Dienstag – na klar – die Steinzeit. Die MAZ war bei der Zeitreise, die Anfassen und Mitmachen ausdrücklich erlaubte, dabei.

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Es sind Schulferien in Brandenburg, und ein paar der kleinen Racker sind am Dienstag ins Archäologische Landesmuseum gekommen, um an einer speziell auf sie zugeschnittenen Führung teilzunehmen. Zwischen sieben und elf Jahren sind sie alt, begleitet von Mama, Papa oder Opa und vor allem: wissbegierig. Dass die Kids allesamt nicht auf den Kopf gefallen sind, spürt Michael Schneider schnell. Er führt durch den Ausstellungsteil im Museum, der die Steinzeit erklärt. „Wer von euch weiß denn, wozu die Menschen damals das Feuer für sich entdeckt haben?“, fragt er in die Runde. „Na weil ihnen kalt war, ist doch klar“, raunt es ihm entgegen. Logisch, war halt echt frisch damals – und die Eiszeit sollte ja erst noch kommen!

Warum brauchte der Mensch das Feuer?

Es folgt ein Abstecher in die Frühzeit der Erdgeschichte und die Welt der Dinosaurier, die Kinder aller Generationen fasziniert und der etwas fixe Sprung hin zum Mammut, das spätestens seit den Ice-Age-Filmen jedem Kind ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Dass das mit dem heutigen Elefanten verwandte Tier vor rund 4 000 Jahren ausgestorben ist? Geschenkt. Vielmehr interessiert die kleine Gruppe dann doch, wie sich unsere Ahnen einst vor Kälte und Witterung zu schützen wussten. Anschaulich wird das, als Schneider plötzlich ein nachempfundenes Fell und diverses Werkzeug hervorzaubert. „Ja, schön warm“, bilanziert Frieda nach der ersten Ankleide. Dieses irgendwie doch kratzige Ding gegen die eigenen Klamotten tauschen will die Neunjährige dann aber eher nicht.

Kettenhemd und Tongefäße

Das Archäologische Landesmuseum bietet noch bis zum Freitag, 5. Februar, für Kinder im Alter von 9 bis 13 Jahren Ferien-Workshops und Führungen zur Steinzeit, Eisenzeit, Slawenzeit und zum Mittelalter an.

Die vierstündigen Workshops mit Pause beginnen jeweils um 10 Uhr, dabei werden die Schüler von Experten betreut. Am morgigen Dienstag werden Perlen, Anhänger und Tongefäße gefertigt.

An diesem Mittwoch dreht es sich um Kettenhemd, Waffenschau und Bogenschießen. Am Donnerstag stehen Lederarbeiten wie in der Slawenzeit auf dem Programm, am Freitag gibt es ein Steinzeit-Quiz. Die etwa einstündigen Führungen beginnen jeweils um 14.30 Uhr.

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Weiter geht’s vielmehr im Takt, immerhin wollen die Fortschritte des menschlichen Daseins erkundet werden. Im Themenraum „Mittelsteinzeit“ treffen die staunenden Entdecker sodann auf das Skelett eines Auerochsen. Dieser ist, auch bekannt als so genannter „Ur“, leider ausgestorben und mit unseren heutigen Rindern verwandt. Jetzt beweisen die Kids, wie viel Fantasie in ihnen steckt: Wie ein „Wurm mit Hörnern“ liege das Skelett da in der Vitrine und auch die Erwachsenen erwischen sich dabei, wie sie diese Beschreibung als durchaus treffend abnicken. Nur drei Meter weiter wartet indes das nächste Highlight auf die kleinen Museumsbesucher: das laut Schneider „älteste Kaugummi der Welt“, der letztlich nicht viel mehr ist als ein schwarzer Klumpen Birkenpech, immerhin aber mit ein paar lustigen Zahnabdrücken versehen.

Das älteste Kaugummi der Welt

Michael Schneider berichtet den nach einer Stunde erstaunlicherweise noch immer aufmerksamen Kindern nun von Glücksbringern, die die Menschen auch zur damaligen Zeit schon trugen und von Grabbeigaben, die von einer gewissen Kultur schon zu dieser Zeit zeugen. „Ist das da etwa ein echter Schädel?“, fragt plötzlich Rebekka und deutet mit dem Finger auf eine andere Vitrine. Ja, ist es. „Oh“, antwortet die Zehnjährige mit einer interessanten Mischung aus Erstaunen und Schulterzucken.

Sie ist mit ihrer gleichaltrigen Freundin und Nachbarin Emilia gekommen, die wiederum Frieda und eine weitere Schwester im Schlepptau hat. Rebekka und Emilia zeigen sich in der Gruppe am wissbegierigsten, stellen viele Fragen, haben aber auch schon einiges Wissen mitgebracht. Es macht ihnen sichtlich Spaß, einen Nachmittag im Museum zu verbringen. „Auch, wenn das vielleicht nicht die Ferien sind, die sich andere Kinder wünschen“, sagen sie fast beiläufig.

„Ist das etwa ein echter Schädel?“

Und da der Mann vom Museum zu Beginn betont hat, dass alle Kinder auch selbst aktiv werden können, gibt es kurz vor dem Ende noch eine etwas verkorkste, aber gerade deshalb für alle noch lustigere Nachahmung eines steinzeitlichen Lastenzuges mithilfe lebendiger Rollvorrichtungen.

Zum Abschied behält Michael Schneider noch einen Schocker für seine kleinen Gäste bereit: einen echten eingeschlagener Schädel. Da sind sie sich einig: Dann doch lieber Manni, das Mammut und ein warmes Fell um den Hals.

Von Philip Rißling

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