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Brandenburg/Havel Krumme Geschäfte mit Max Liebermann
Lokales Brandenburg/Havel Krumme Geschäfte mit Max Liebermann
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17:54 17.07.2015
Die Unterschrift täuscht. Diese Zeichnung stammt nämlich gar nicht von Max Liebermann Quelle: Jürgen Lauterbach
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Brandenburg an der Havel

Ausgerechnet aus Bad Belzig grüßte im Jahr 2011 Max Liebermann (1847-1935). Der sogenannte „Antikhandel 24“ lockte Kunstliebhaber beim Internethändler Ebay mit Digitalfotos von sechs angeblichen Originalen des berühmten Berliner Malers. Der Haken: Die meisten der sechs Bilder waren zwar mit dem Namen Max Liebermann signiert. Doch diese Signaturen waren gefälscht. Das Amtsgericht Brandenburg erließ am Mittwoch zwei Strafbefehle gegen die geschäftstüchtigen Kunsthändler aus Bad Belzig.

Markus Schmidt (Name geändert) ärgert sich und die Sache ist ihm auch ein bisschen peinlich.Der Kunstfreund hatte auf Ebay eine mutmaßlich tolle Entdeckung gemacht. Ein Antikhandel versteigerte dort mutmaßliche Bleistiftzeichnungen von Max Liebermann.

500 Euro für zwei Fälschungen

Markus Schmidt steigerte mit und bekam den Zuschlag für die „betenden Nonnen“, signiert von dem großen Berliner Künstler. Inzwischen ist der Liebermann-Freund ernüchtert. Denn wo Liebermann draufsteht, ist kein Liebermann drin. 500 Euro hat Schmidt für zwei Zeichnungen mit gefälschter Signatur hingeblättert. Um klassische Fälschungen handelt es sich nicht. Irgendjemand hat die betenden Nonnen ja tatsächlich gezeichnet, nur eben nicht Liebermann.

Die Unterschrift täuscht. Diese Zeichnung stammt nicht von Max Liebermann. Quelle: J. Lauterbach

„Die Bilder sind ganz nett, aber vermutlich nicht mehr wert als maximal 50 Euro“, schätzt der zerknirschte Kunstliebhaber. In dieser Woche war er gut 200 Kilometer weit angereist, um als Zeuge im Amtsgericht Brandenburg gegen zwei angeklagte Kunstfälscher auszusagen.

Gehört wurde er nicht, denn die beiden Angeklagten Oleg B. (25) und sein Stiefvater Walter H. (69) waren nicht zu ihrem Prozess erschienen. Amtsrichterin Ingrid Pelzer und die Staatsanwältin verständigten sich daher darauf, Strafbefehle in Höhe von 3000 und 1200 Euro gegen die Angeklagten zu erlassen. Die werden rechtswirksam, wenn beide Männer nicht binnen einer bestimmten Frist widersprechen.

300 bis 2100 Euro pro Fälschung

Der Ältere der beiden soll 3000 Euro Strafe zahlen, sein Stiefsohn 1200 Euro. Die unterschiedliche Bestrafung ist mit der unterschiedlichen kriminellen Vorgeschichte zu erklären.

Der 25-Jährige ist bisher nicht vorbestraft. Dagegen reicht die Liste der 33 Straftaten, mit denen der 69-Jährige hingegen aufgefallen ist, zurück bis ins Jahr 1967. „Ein bunter Strauß an Vorstrafen“, wie die Staatsanwältin sagte: Diebstahl, Betrug, Körperverletzung, Unterschlagung, Unterhaltspflichtverletzung und Fahren ohne Führerschein.

Die Strafbefehle werden erlassen, weil sie in sechs Fällen Betrug und zugleich Urkundenfälschung begangen haben. Laut Staatsanwaltschaft Potsdam hatten die Täter über Ebay sechs Bilder versteigert und dabei den Eindruck erweckt, es handele sich um Originalwerke von Max Liebermann.

Pro Bild erlösten die Internet-Händler zwischen 334 und 2137 Euro.

Bei dem einzigen Gemälde hatten sich die Internet-Händler nicht einmal die Mühe gemacht, an der Signatur etwas zu ändern. Das Bild ging aber auch ohne weitere Manipulation als Liebermann weg. Auf den fünf in Frage stehenden Zeichnungen steht der Name Liebermann und ähnelt sogar der Originalsignatur. Doch eine Kunstsachverständige hatte wenig Mühe, den Schwindel zu erkennen.

Markus Schmidt hatte übrigens noch Glück im Unglück. Im Gegensatz zu den anderen Getäuschten, die Vorkasse geleistet hatten, erhielt er seine Ware, auch wenn es nicht um die angepriesenen Originale handelte. Die Betrüger hatten sich aber immerhin mit dem Werk Liebermanns beschäftigt.

Die angebotenen Zeichnungen verhökerten sie mit Namen wie „Die Lesende“ und „Schreitender Bauer“. So oder ähnlich lautende Werke hat Liebermann tatsächlich gemalt oder gezeichnet.

Von Jürgen Lauterbach

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