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Gefängnis verbannt Ketchup-Flaschen aus Glas

Nach Übergriff auf Beamten Gefängnis verbannt Ketchup-Flaschen aus Glas

Brandenburgs Justizminister Helmuth Markov (Linke) hat Konsequenzen aus dem Angriff eines Gefangenen gegen einen Beamten der JVA Brandenburg an der Havel gezogen. Künftig wird es in der Anstalt keine gläsernen Ketchupflaschen mehr zu kaufen geben. Weitere Sicherheitsvorkehrungen werden zudem geprüft.

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Ketchupflaschen gibt es im Gefängnis nicht mehr zu kaufen.

Quelle: Michael Hübner

Brandenburg/H. Brandenburgs Justizminister Helmuth Markov (Linke) hat Konsequenzen aus dem Angriff eines Gefangenen gegen einen Beamten der JVA Brandenburg an der Havel gezogen. „Künftig wird es in der Anstalt keine gläsernen Ketchupflaschen mehr zu kaufen geben“, teilt dessen Referent Alexander Kitterer mit. Weitere Sicherheitsvorkehrungen würden geprüft.

Wie berichtet, hatte bei der abendlichen Zählung der Gefangenen vor dem sich anschließenden Nachteinschluss am 16. März ein 36 Jahre alter Untersuchungsgefangener nach dem Öffnen der Haftraumtür eine gefüllte Glasflasche nach einem 58 Jahre alten Bediensteten geworfen, ihn damit am Kopf getroffen und derart verletzt, dass er krankgeschrieben wurde.

Flasche wurde im eigenen Kiosk verkauft

Soweit bekannt stammt der Angreifer aus Somalia, war jahrelang als Pirat auf den Meeren unterwegs und wurde im Landgericht Potsdam wegen Totschlags zu mehr als elf Jahren Haft verurteilt, weil er einen Mitbewohner im Flüchtlingsheim in Teltow erstochen hatte. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, daher ist er nach wie vor Untersuchungsgefangener.

Der Somalier durfte die gläserne Ketchupflasche besitzen, denn solche Glasflaschen führte der in der JVA Brandenburg zugelassene Caterer in seinem Verkaufssortiment. Dabei soll es aber nicht bleiben, diese Flaschen soll es iim Gefängnis nicht mehr zu kaufen geben. „Das Angebot wird zur Zeit dementsprechend angepasst“, teilt der Justizsprecher mit.

Angreifer sofort wieder eingeschlossen

Den Angriff des Somaliers während des Zählens erlebte eine zweite Beamtin unmittelbar mit. Sie konnte den Gefangenen sofort wieder in seiner Zelle einschließen.

Der verletzte JVA-Bedienstete erlitt unter anderem eine Platzwunde, die im Krankenhaus genäht werden musste, sowie eine Unterblutung in einem Auge. Eine Sehbehinderung trug er nicht davon. Von Folgeschäden ist dem Ministerium nichts bekannt.

Die JVA-Bediensteten sind mit Personensicherungsgeräten ausgestattet, so dass sie sofort Hilfe herbeirufen können.

Der Untersuchungsgefangene wurde nach dem Angriff in die Justizvollzugsanstalt Cottbus verlegt.

Darüber hinaus prüfen das Ministerium und die Anstaltsleitung, inwieweit sonstige Produkte in anderen Verpackungen als Glas angeboten werden können. Dabei gehe es auch um die Abwägung von Sicherheitsinteressen und Bedürfnissen der Insassen. Weitere Verbote oder Veränderungen sind bisher laut Kitterer noch nicht erfolgt.

Der Justizvollzug bewegt sich in einem Spannungsfeld, nicht nur im Land Brandenburg, sondern in ganz Deutschland. Der Spagat: Einerseits sind Sicherheitsbelange zu beachten, andererseits soll sich der Alltag im Gefängnis am normalen Alltag orientieren.

Weitere Verbote sind noch nicht erfolgt

„Fast jeder Gegenstand kann gefährlich werden, selbst eine Kaffeetasse“, berichtet ein Beamter, der Brandenburgs Gefängnisse von innen kennt. Gefährlich für das Aufsichtspersonal, für Mitgefangene und wegen der Selbstmordgefahr für die Betreffenden selbst.

Untersuchungs- und Strafgefangene dürfen in ihren Hafträumen und während des Freigangs in aller Regel rauchen. Folglich dürfen sie auch Feuerzeuge besitzen. Sie dürfen in aller Regel Kaffee kochen, dürfen also Wasserkocher benutzen, damit steht ihnen kochend heißes Wasser zur Verfügung.

Rauchen in der Regel erlaubt

Solange keine besonderen Sicherungsvorkehrungen herrschen, essen sie mit Messer und Gabel, die bei missbräuchlicher Verwendung als Waffe dienen können. Die MAZ hat allerdings keine Erkenntnisse, dass Gefangene in Brandenburg diese Möglichkeiten für Angriffe gegen sich oder andere ausgenutzt hätten.

Auf offene Zellen wie etwa in US-amerikanischen Gefängnissen verzichtet die deutsche Justiz, weil sie die Privatsphäre der Gefangenen so weit möglich respektiert.

Von Jürgen Lauterbach

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