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Gaunerpaar nach Zalando-Coup vor Gericht

Einkauf mit Fantasienamen Gaunerpaar nach Zalando-Coup vor Gericht

Mit falschen Namenschildern an der Tür solle sich ein Brandenburger Paar Kleider und Schuhe von den Firmen Zalando und Bonprix ergaunert haben. Diesen Vorwurf erhebt die Staatsanwaltschaft gegen Janine K. (26) und Ricky S. (31) vor dem Amtsgericht Brandenburg. Die Angeklagten schweigen, nun soll ein Schriftgutachter bei der Wahrheitssuche helfen.

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Lauter Schuhkartons im Zalando-Vertriebszentrum in Brieselang.

Quelle: Konrad Radon

Brandenburg/H. Mit Hilfe falscher Namenschilder an der Haustür sollen sich zwei junge Brandenburger wiederholt Kleidung und Schuhe von den Online-Warenhändlern Zalando und Bonprix ergaunert haben. Diesen Vorwurf erhebt jedenfalls die Staatsanwaltschaft Potsdam am Dienstag gegen Janine K. (26) und Ricky S. (31) vor dem Amtsgericht Brandenburg. Die Angeklagten schweigen zu den Vorwürfen. Ein Schriftgutachter soll die Wahrheit ans Licht bringen.

Zehn Anklagepunkte liest der junge Staatsanwalt vor Amtsrichterin Karin Eichmann-Hoormann vor. Im Juli 2014 sollen die beiden Angeklagten Kleider und Schuhe bei den genannten Firmen im Internet bestellt, aber nicht bezahlt haben. Nach Erkenntnissen der Ermittler wandte das Paar einen Trick an. Sie bestellten unter einem Fantasienamen, um die Ware an eine bestimmte Adresse liefern zu lassen, in der Venise-Gosnat-Straße, der Karl-Liebknecht-Straße und der Karl-Marx-Straße zum Beispiel.

Auf falsche Namen bestellt

Als der Bote die Bestellung brachte, fand er tatsächlich an der jeweiligen Adresse entsprechende Schilder mit den männlichen oder weiblichen Fantasienamen vor. Diese Schilder mit den Namen vorgetäuschter Bewohner sollen die angeblichen Betrüger rechtzeitig zur Lieferung angebracht haben. Der Bote konnte seine Pakete jedoch nicht zustellen und hinterließ daher Abholscheine im Briefkasten mit der Namensaufschrift.

Mit diesen Abholzetteln, die sie aus dem Kasten gefischt haben müssten, und einer selbst ausgestellten Vollmacht ließen sich die beiden Angeklagten das Paket angeblich bei der Post aushändigen. Sie sollen in zehn Betrugsfällen Kleider und Schuhe für zwischen rund 180 und 530 Euro pro Sendung bei Zalando und Bonprix bestellt und erhalten haben. Den Online-Händlern soll zusammengerechnet ein Schaden von rund 3000 Euro entstanden sein.

Die arbeitslose Hotelkauffrau machte von ihrem Recht Gebrauch und äußerte sich im Prozess ebenso wenig zu dem Vorwurf wie ihr mutmaßlicher Komplize. In ihren Wohnungen fand die Polizei weder die in Frage stehenden Kleidungsstücke noch die Schuhe. Von der Beute fehlt also jede Spur.

Angeklagte äußern sich nicht

Der Staatsanwalt stützt sich in seiner Anklage auf einen Kalender mit handschriftlichen Notizen, die in der Wohnung von Janine K. sichergestellt wurden. Allerdings stießen die Beamten nicht im Laufe dieser Ermittlungen auf das Beweisstück. Vielmehr machten sie diesen Zufallsfund, weil sie die Wohnung der Frau aus anderen Gründen durchsuchten.

Welchen Wert der Kalender und andere Zettel als Beweisstücke haben, ist noch offen. Die Notizen aus der Wohnung begründen allein noch keinen Tatverdacht, macht die Richterin deutlich. Die beauftragte einen Sachverständigen mit einem Schriftgutachten. Solange dieses Gutachten nicht vorliegt, kann der Prozess nicht weitergehen.

Schriftstücke machen die Frau verdächtig

Die beschriebene Masche mit den falschen Namen wäre nicht neu. Eine Schweizerin hatte dem Züricher Tagesanzeiger zufolge vor einigen Jahren Kleider im Wert von hunderten von Euro bestellt und ebenfalls keinen Cent dafür gezahlt. Sie hatte sich in der Stadt unbenutzte Briefkästen gesucht und sie mit Pseudonymen beklebt, Sebastian Suter zum Beispiel.

Unter diesem Fantasienamen soll sie dann ein Kunden-Konto bei Zalando eröffnet haben und dabei die IP-Adresse ihres Computers mit einer Software verschlüsselt haben. Die Eidgenossin bestellte auf Rechnung. Der Postbote legte wenige Tage später den Paket-Abholschein in den Briefkasten, weil bei Sebastian Suter niemand öffnete.

Kundenkonto unter Fantasienamen eröffnet

Darauf hatte die Züricherin nur gewartet, sie fischte den Schein aus dem Briefkasten und marschierte zur Poststelle, um das Päckli von Zalando in Empfang zu nehmen. Das ging, zumindest damals, in der Schweiz auch ohne Ausweis.

Nach Angaben von Zalando-Sprecherin Sandra Petersen hat das Unternehmen 2014/15 nach mehreren Betrugsfällen das eigene System überarbeitet. Inzwischen gebe es keine gesteigerten Problemfälle, Betrug sei bei allen Onlinehändlern möglich, aber derzeit kein großes Thema. Die allermeisten Kunden zeigten eine gute Zahlungsmoral.

Von Jürgen Lauterbach

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