Volltextsuche über das Angebot:

25 ° / 17 ° Gewitter

Navigation:
Polizei ermittelt nach Tod bei Hausgeburt

Klinikum stößt Ermittlungen an Polizei ermittelt nach Tod bei Hausgeburt

Der Tod des Jungen, der am Sonntag bei einer Hausgeburt in der Nähe von Brandenburg an der Havel zur Welt kam, beschäftigt seit Dienstag die Polizei. Das Klinikum Brandenburg wies die Ermittler auf den Verdacht eines nicht natürlichen Todes hin. Die Juristen des Hebammenverbandes unterstützen die beiden an der Hausgeburt beteiligten Hebammen aus Potsdam.

Voriger Artikel
Zur Traumhochzeit ins Schloss Rogäsen
Nächster Artikel
AfD-Mann gegen freiwillige Flüchtlingshelfer

Das Neugeborene offenbar keine Chance mehr, als die Mutter im Kreißsaal ankam.

Quelle: dpa

Brandenburg/H. Der Tod des Jungen, der am Sonntag bei einer Hausgeburt in der Nähe von Brandenburg/Havel zur Welt kam, beschäftigt seit Dienstag auch die Brandenburger Polizei. Das Klinikum Brandenburg habe die Polizei auf den Verdacht eines nicht natürlichen Todes hingewiesen, berichtet Direktionssprecher Oliver Bergholz. Das Todesermittlungsverfahren läuft. Die Juristen des Hebammenverbandes beraten die beiden an der Hausgeburt beteiligten Hebammen aus Potsdam.

Das Schicksal des Jungen, der nach der Einschätzung von Klinikärzten lebensfähig gewesen wäre, beschäftigt die Leser der MAZ (s. Infokasten). Er beschäftigt aber auch die Ermittler bei Polizei und Staatsanwaltschaft, das Klinikum in der Hochstraße und andere Einrichtungen der Gesundheitsversorgung.

MAZ-Leser beschäftigt das Thema

Die MAZ hatte am Montag berichtet, dass in einem etwa 15 Kilometer von Brandenburg/Havel entfernten Dorf am Sonntag eine Hausgeburt stattfinden sollten. Einzelheiten dazu sind nicht bekannt, außer dass zwei Hebammen anwesend waren und die Geburt sich vermutlich aufgrund der Wehenschwäche der Mutter über Stunden hingezogen haben muss.

Facebook-Reaktionen der MAZ-Leser

Im Internet, vor allem im sozialen Netzwerk Facebook, zog die MAZ-Berichterstattung viele Reaktionen nach sich. Im Folgenden drucken wir einige Statements unserer Leser.

Stephie Schmeier: „Ich kenne einige Mamis, die sich für eine Hausgeburt entschieden haben und alles lief wunderbar. [...] Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen, es ist unvorstellbar schlimm, was da passiert ist. Aber gleich gegen die Hebammen zu schießen und wer weiß was zu vermuten, wäre fatal.“

Andreas Schulz: „Ich habe drei Kinder und war immer im Krankenhaus dabei. Warum dieses Risiko für eine Hausgeburt? Unfassbar und sehr traurig.“

Kerstin Schmitz: „Ich habe beide Kinder zuhause zur Welt gebracht und würde das immer wieder so machen!“

Emily Erdbeer: „Furchtbar. Nie im Leben würde ich mich für eine Hausgeburt entscheiden. Den Eltern wünsche ich ganz viel Kraft!“

Marcel Pilger-Sommer: „Ich kann nicht nachvollziehen, wie man sich für eine Hausgeburt entscheiden kann. Entweder ist man einfach verdammt naiv oder null informiert! Mir tut es sehr Leid um das Baby, habe aber keinerlei Verständnis für die Eltern! Solche Entscheidungen sind nichts anderes als grob fahrlässig! Schrecklich!“

Matthias Lack: „Wir waren zur ersten Geburt im Krankenhaus, das war schlecht. Die anderen beiden waren Hausgeburten, die liefen super. Alle drei Kinder sind gesund und munter. Mein Beileid den Eltern, ihr habt nichts falsch gemacht.“

Claudia Z.: „Da kann man keinem die Schuld geben, denke ich. Nun werden diese Hebammen wieder zerfleischt, und sie haben sicher lange ihr Bestes gegeben. Wenn die Mutter eine Hausgeburt wollte kannte sie die Risiken. So hart das klingt. Trotzdem fühle ich mit den Eltern.“

Nach einer nicht bekannten Zeitdauer wurde die Hausgeburt abgebrochen und die gebärende Frau mit einem Privatauto ins Brandenburger Klinikum gefahren wurde. Kinderchefarzt Hans Kössel zufolge war der kleine Junge bereits chancenlos, als die Mutter den Kreißsaal erreichte. Tatsächliche starb das Neugeborene sehr schnell. Nach Einschätzung des Kinderspezialisten wäre dieser Todesfall vermeidbar gewesen, wenn die Geburt in einem Krankenhaus stattgefunden hätte.

Die Polizei wird also zu ermitteln haben, ob die beteiligten Hebammen an dem Tod des Jungen eine Schuld tragen und ob sie dafür strafrechtlich zu belangen sind. Der Deutsche Hebammenverband unterstützt seine beiden Mitglieder seit Montag bei der juristischen Abklärung ihres Falles.

Polizei ist dran und ermittelt

Peter Ledwon, Chefarzt der Brandenburger Frauenklinik und Geburtshilfe, nahm am Dienstag keine Bewertung vor. Er kündigte nur an, die Landesärztekammer einzuschalten, damit ein unabhängiger Gutachter das Geschehen untersucht und bewertet. Ledwons Ziel: Ein solch tragischer Fall soll sich nicht wiederholen.

Ledwon steht Hausgeburten kritisch gegenüber. Er bedauert die Zunahme an Hausgeburten an seinem Heimatort Bad Belzig. Nach Erkenntnissen des dortigen Kinderarztes Burkhard Kroll lag der Anteil der Hausgeburten rund um die Kreisstadt zwischen April und Dezember 2015 fünfmal höher als im Bundesdurchschnitt, nämlich bei 12 Prozent.

Das Ernst-von-Bergmann-Klinikum hatte die Geburtshilfe in seinem Bad Belziger Krankenhaus im vergangenen Jahr geschlossen. Womöglich besteht ein Zusammenhang zur auffällig hohen Hausgeburtsquote rund um Bad Belzig.

Von Jürgen Lauterbach

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Brandenburg/Havel

Hundesteuer: Halten Sie 300 bis 500 Euro pro Jahr für als gefährlich eingestufte Hunderassen für angemessen?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg