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Trauer in Brandenburg: Wolf Kahl (66) ist tot

Langjähriger OLG-Präsident gestorben Trauer in Brandenburg: Wolf Kahl (66) ist tot

Wolf Kahl, der 2015 aus dem Amt geschiedene Präsident des Brandenburger Oberlandesgerichts (OLG), ist am Sonnabend nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 66 Jahren verstorben. Der Richter hinterlässt eine Frau und drei erwachsene Kinder. Der geachtete und hochdekorierte Jurist aus Köln half seit 1991 beim Aufbau der Brandenburger Justiz.

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Das Bild von Wolf Kahl entstand 2015, kurz vor seinem Abschied als OLG-Präsident.

Quelle: JAST

Brandenburg/H. Eben ist das Datum auf den 8. Februar 2016 umgesprungen und aus der Bassbox schmettert laut der Udo-Jürgens-Hit: „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an!“ In der Mitte von Freunden sitzt Wolf Kahl und lacht. Dieses tiefe, ansteckende Lachen! Jetzt ist er 66 Jahre alt. Lust am Leben hat die Kölner Frohnatur schon immer. Ein Mensch, der das Leben, die Kultur, die Geselligkeit, das Feiern liebt. Doch um das Leben aus vollen Zügen zu genießen, hat er bisher zu viel gearbeitet. Das wird sich jetzt ändern, verspricht er an diesem Abend einmal mehr. Das Wohnmobil steht für lange Reisen bereit, die Urlaube sind gebucht, die Einladungen für verschiedene Treffen in geselligem Kreis ausgesprochen, Freunde und Familie im Rheinland warten.

Vor 25 Jahren, gleich nach der Wende, ist der Kölner 1991 ins Land Brandenburg gezogen, um im Osten beim Aufbau einer unabhängigen, starken Justiz zu helfen. 1993 wird er Richter am Oberlandesgericht und zieht mit Frau Ulla und seinen drei Kindern in die Brandenburger Steinstraße. 1998 zieht er weiter ins neu gebaute Haus an den Stadtrand nach Brielow und ist nun schon seit Jahren die rechte Hand von Peter Macke, dem ersten Präsidenten des Oberlandesgerichtes (1991 bis 2005) in Brandenburg. Als Wolfgang Farke (2005 bis 2011) OLG-Präsident wird, bleibt Wolf Kahl dessen Vize, bevor er 2011 selbst der dritte Präsident des OLG wird.

Vor 25 Jahren nach Brandenburg gekommen

„Ich werde wohl Entzugserscheinungen haben und es wird ein gewisser Bedeutungsverlust eintreten. Es ist aber auch schön, wenn ich die Verantwortung für 30 Gerichte und fast 3000 Beschäftigte im Land nicht mehr tragen muss“, sagt Wolf Kahl im Sommer 2015 im MAZ-Interview nicht ohne Augenzwinkern.

Viele Jahre hat er am OLG gekämpft. „Es ist sehr anstrengend über Jahre ständig um das notwendige Personal kämpfen zu müssen“, das eine Justiz brauche um ihren gesetzlichen Auftrag zu erfüllen. Harte Gefechte hat er sich mit den Justiz- und Finanzministern geliefert, denn „die Exekutive hat immer das Bestreben, die Justiz, die die Politik letztlich kontrollieren soll, nicht zu mächtig zu machen.“ Folglich hat er Verständnis dafür, „dass meine Richterkollegen und Staatsanwälte deshalb sogar auf die Straße gegangen sind. Als Justizminister muss man als Erstes die von den Gerichten zu erfüllenden Aufgaben und nicht die geplanten Einsparungen im Auge haben“, schreibt er dem Justizminister Helmuth Markov von den Linken ins Stammbuch.

Wolf Kahl kann schwierige Dinge einfach erklären und auf den Punkt bringen. So beschreibt er die Arbeit eines OLG kindgerecht und treffend: „Wenn zwei Leute sich streiten, sollen die sich ja nicht verprügeln, weil dann immer nur der Stärkere gewinnen würde. Es muss daher jemanden geben, der sagt, du hast Recht oder du hast nicht Recht. Und da sich der Richter auch einmal vertun kann, muss es noch jemand anderen geben, den man fragen kann. Und das ist das OLG.“

Schwierige Dinge stets auf den Punkt gebracht

Überall bringt Kahl sich ein: Jahrzehntelang als Sozialdemokrat, als Mitglied im Brandenburger Kulturverein und bei den Rotariern, als Unterstützer der Brandenburger Symphoniker und quasi als Vater der „Brandenburger Juristischen Gesellschaft.“ Sein Urteil und sein Rat sind geschätzt, auch wenn dessen Kritik an Missständen, beispielsweise in seiner Partei, nicht immer auf Begeisterung stößt. Doch das schreckt den leidenschaftlichen Karnevalisten, begeisterten Großvater und Familienmenschen sowie Liebhaber guter Weine nicht ab.

Im Streit um den drohenden Verlust der Kreisfreiheit seiner längst zur Heimat gewordenen Stadt Brandenburg stellt sich Wolf Kahl vehement auf die Seite der Einkreisungsgegner: Noch bei seiner offiziellen Verabschiedung als OLG-Präsident im Spätherbst 2015 nutzt er die Bühne, um seine Bedenken zu formulieren: „Ich kann noch nicht erkennen, dass die Landesregierung plausibel gemacht hätte, warum das, was sie durchsetzen will, besser ist, als die gegenwärtige Ordnung.“

Zehn Tage sind seit Wolf Kahls 66. Geburtstag vergangen, als ihn eine heimtückische, unheilbare Krankheit überfällt. Wolf Kahl kämpft, die Ärzte kämpfen. Doch der Richter mit dem scharfen Verstand macht sich nichts vor. Er regelt sein Leben, nimmt Abschied. Noch am Dienstag erzählt er am Telefon, wie glücklich er sei, jetzt in diesem Moment von seiner großen Familie, die ständig um ihn ist, und seinen Freunden aufgefangen und begleitet zu werden.

Am Sonnabendnachmittag ist Wolf Kahl im Kreise seiner Familie gestorben.

Von Benno Rougk

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