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Weiter Ärger wegen Schöppenstuhl-Bibliothek

66 von 2300 historischen Justiz-Büchern sind zurück in der Havelstadt Weiter Ärger wegen Schöppenstuhl-Bibliothek

Die Generaldirektorin der Staatsbibliothek Barbara Schneider-Kempf, hat Dienstag dem Kurator des Domstifts Cord-Georg Hasselmann, einen kleinen Teil der Schöppenstuhl-Bibliothek übergeben und 66 von 2300 Büchern als Dauerleihgabe dem Domstiftsarchiv zur Verfügung gestellt. Doch hinter den Kulissen gärt der Streit weiter.

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Zwei Schätze für den Domkurator.

Quelle: Foto: TCZ

Brandenburg an der Havel.
Lange hat der frühere Präsident des Brandenburgischen Oberlandesgerichts (OLG) Wolf Kahl gekämpft. Noch im Januar erneuerte die Forderung, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz müsse endlich die rechtsgeschichtlich wertvolle Bibliothek des Brandenburger Schöppenstuhls an die Stadt Brandenburg an der Havel zurück geben. Zur Zeit befindet sich die Bibliothek mit ihren 2300 historisch sehr wertvollen Bänden in der Deutschen Staatsbibliothek „Unter den Linden“.

1948 wurde die Bibliothek aus Brandenburg weggebracht

Der im Jahr 1232 errichtete Schöppenstuhl der Markgrafschaft Brandenburg hatte die Funktion eines Obergerichts, dessen Entscheidungen über die Region hinaus weitgehende Bedeutung hatten. Die spätmittelalterliche Bibliothek befand sich seit 1817 im Amtsgericht Brandenburg an der Havel und wurde später aus Sicherheitsgründen in die Humboldt-Universität, im Jahr 1963 in die Staatsbibliothek zu Berlin verlagert. Die Bibliothek des Domstifts Brandenburg könnte inzwischen selbst eine angemessene Aufbewahrung der Sammlung gewährleisten, hate der Domdechant Wolfgang Huber anlässlich des 20-jährigen Jubiläums des Oberlandesgerichts in Brandenburg vor einiger Zeit gesagt.

Am Dienstag übergab nun Generaldirektorin der Staatsbibliothek, Barbara Schneider-Kempf dem Kurator des Domstifts Cord-Georg Hasselmann, einen winzigen Teil der Bibliothek übergeben. Überreicht wurden symbolisch zwei von 66 Büchern des 17. und 18. Jahrhunderts, die die Staatsbibliothek als Dauerleihgabe dem Domstiftsarchiv zur Verfügung stellt.

Seit 1734 hatte der Brandenburger Schöppenstuhl die Bibliothek mit rechtswissenschaftlicher und anderer Literatur aus mehreren Jahrhunderten aufgebaut, die nach 1817 zwischen dem Stadtgericht und dem Magistrat aufgeteilt wurde. 1948 wurde die Schöppenstuhl-Bibliothek von der Landesbücherei Potsdam geborgen.

Seit Jahren hinter den Kulissen verhandelt

Schon im März 2014 hatte sich Wolf Kahl an den Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Hermann Parzinger, gewandt, und mit ihm die Überlassung der Sammlung Brandenburger Schöppenstuhl zu erörtern. Dem waren zahlreiche Initiativen des damaligen Präsidenten des Landtages Gunter Fritsch, vorausgegangen, der sich bereits im Jahr 2006 an das Domstift mit der Frage gewandt hatte, ob das Domstift grundsätzlich bereit wäre, die Bücher aufzunehmen. Das Domstift hat sich dazu damals bereiterklärt.

Hasselmann sagte Dienstag: “Mit dieser Leihgabe kommen die Bücher an ihren ursprünglichen Standort, nämlich in die Stadt Brandenburg zurück. Hierdurch wird auch verdeutlicht, welche Bedeutung diese Stadt im Mittelalter auch als Bibliotheksstandort hatte.“

Kahl: „Die Veranstaltung war schlicht eine einzige Frechheit.“

Dass die Berliner Staatsbibliothek den brandenburgischen Schatz in Gänze und ohne Weiteres wieder herausrücken würde, war auch in Brandenburg nicht erwartet worden. Schließlich lagern die 2300 Bände im neuen Tresormagazinen des Hauses Unter den Linden. Doch ein paar mehr Werke als jene 66 Bücher hatte sich Kahl schon erhofft. Und auch die Art und Weise der Übergabe hält Kahl für misslungen: „Die Veranstaltung im Dom war schlicht eine einzige Frechheit.“

Raritäten der Brandenburger Justiz

Raritäten der Brandenburger Justiz.

Quelle: Melanie Höhn

Der Domkurator Hasselmann habe „in seiner Rede ganz bewußt den Eindruck erweckt, als wäre die Leihgabe von Teilen des Schöppenstuhls alleine auf Initiative des Domstifts zurückzuführen.“ Dabei seien er und Fritsch es gewesen, die die Initiative gestartet hätten. Das wurde „mit keinem Wort erwähnt“, bestätigen Teilnehmer der Übergabe. Kahl: „Ich war dreimal in Berlin in der Staatsbibliothek, um mit Frau Schneider-Kempf zu verhandeln.“

„Ich weiß wirklich nicht, woher Ihr Furor rührt“, erwidert nun Hasselmann dem verärgerten Kahl. Kahls Vorwurf isei „in der Sache wirklich vollkommen unberechtigt und im Ton etwas überraschend.“ Denn er, Hasselmann, habe „mit keinem Wort davon gesprochen, dass die Initiative vom Domstift oder gar von mir ausgegangen sei.“ Und: „ Wer, was wann getan hat, war überhaupt nicht Gegenstand meiner kurzen Einleitung zur Übergabe der Bücher.“

Von Benno Rougk

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