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Dahme-Spreewald 15-Jähriger an Oberschule zusammengeschlagen
Lokales Dahme-Spreewald 15-Jähriger an Oberschule zusammengeschlagen
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02:22 27.04.2018
Hier soll ein Junge zusammengeschlagen worden sein: Die Oberschule „Dr. Hans Bredow“ in Königs Wusterhausen. Quelle: Franziska Mohr
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Dahmeland-Fläming

Sandra Bahl* zittern heute noch die Hände vor Aufregung, wenn sie über den Vorfall vor der Oberschule „Dr. Hans Bredow“ in Königs Wusterhausen am vergangenen Donnerstag spricht. „Es ist so brutal und so schlimm. Wir als Eltern sind völlig am Ende, wissen nicht mehr, was wir noch tun sollen“.

Der 15-jährige Sohn der Bahls, Thomas*, sei wiederholt Mobbing von Mitschülern ausgesetzt gewesen. Das Ausmaß der Gewalt am vergangenen Donnerstag aber sei neu gewesen. Ein Mitschüler habe Thomas brutal ins Gesicht geschlagen, sagt Sandra Bahl. „Als er flüchten und nach einem Lehrer suchen wollte, hielten andere Mitschüler die Tür zu.“ Also rennt Thomas auf die Toilette – doch die Täter folgen ihm, treten gegen die Tür, drohen Thomas, er solle rauskommen.

Die Situation eskaliert völlig

Am Nachmittag dann eskaliert die Situation völlig. Die Bahls kamen, von dem Vorfall informiert, nach einem Gespräch mit Schulleiter Erik Dorow aus dem Sekretariat der Schule, als sie an der Bushaltestelle vor dem Gebäude eine Traube Jugendlicher grölen hören. Rund 15 Schüler gehen auf Thomas Bahl los, dessen großer Bruder ihn versucht zu beschützen. „Als wir ankamen, sahen wir unseren Sohn voller Blut im Gesicht und auf dem T-Shirt“, sagt Sandra Bahl.

Sie und ihr Mann seien regelrecht in die Menge gesprungen – um ihre Söhne zu befreien. Doch die Jugendlichen hören nicht auf. „Zwei gingen meinem Mann an die Kehle, einer trat ihm gegen die Beine“, sagt Sandra Bahl. Selbst als die Familie mit dem Auto wegfahren will, kommen die Jugendlichen hinter ihnen her. „Wir wurden auf das Übelste beleidigt. Dabei haben wir noch versucht, die Situation zu beruhigen“. Die Bahls fahren erst zur Polizei, erstatten nach dem Vorfall am Morgen erneut Anzeige – und gehen dann ins Krankenhaus.

Schüler bleibt nach Vorfall zu Hause – aus Sicherheitsgründen

Ihr Sohn bleibt seit Donnerstag zu Hause, geht nicht mehr zur Schule. „Die Lehrer und der Direktor tun was sie können, verhalten sich an der Schule sonst vorbildlich. Aber ihnen sind zum Teil die Hände gebunden und auch sie sagen, dass für meinen Sohn Gefahr für Leib und Wohl besteht“, sagt Sandra Bahl, die sich per Mail auch an den Schulrat wandte. Der will nun das Gespräch mit den Bahls suchen und „schauen, was man tun könne“. Der Direktor der Oberschule „Dr. Hans Bredow“ selbst verweist auf laufende Verfahren und will sich zu dem Vorfall nicht äußern. Andere Quellen aber bestätigen den Angriff.

Auch insgesamt hat die Gewalt an Schulen im gesamten Land Brandenburg im vergangenen Jahr deutlich zugenommen (die MAZ berichtete). 185 Fälle gefährlicher Körperverletzung an Brandenburgs Schulen hat das Landeskriminalamt (LKA) allein im Jahr 2017 registriert. Das ist ein deutlicher Anstieg um 44 Prozent. Insgesamt stieg die Zahl der Körperverletzungen an Schulen dabei sogar um 60 Prozent auf 748 Fälle. Gesonderte Zahlen für Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming konnte das LKA noch nicht nennen.

Die Leiterin der DRK-Schulsozialarbeiter Elisa Kaletta aber fordert mehr Stellen an den Schulen.

Fall von Thomas Bahl ein Extrembeispiel

Der Fall von Thomas Bahl ist sicher extrem. Aber er zeigt, welch drastische Ausmaße die Gewalt an Schulen zum Teil annehmen kann. Für den Geschäftsführer des Stadtjugendrings Königs Wusterhausen, Thomas Thiele, ist diese Verrohung kein isoliert zu betrachtendes Phänomen. „Wir sehen, dass sich die Hemmschwelle für Gewalt in den letzten zwei, drei Jahren in der ganzen Gesellschaft deutlich gesenkt hat“, sagt Thiele. „Warum also sollte bei den Schulen davon nichts ankommen?“ Einen Anstieg der Gewalttaten an Schulen in Königs Wusterhausen kann Thiele trotzdem nicht ausmachen. Von der Gewalttat an der Oberschule „Dr. Hans Bredow“ allerdings sei er erschrocken, „wenn es sich wirklich um eine neue Qualität der Gewalt handelt“.

Dabei wird an den Schulen schon viel getan. Im Juni vergangenen Jahres startete das Gewaltpräventionsprojekt „Held oder Feigling“ der Bürgerstiftung Königs Wusterhausen an zwei Pilotschulen. Mittlerweile wurde es auf mehr Schulen ausgeweitet – und soll im kommenden Schuljahr mit neuem Träger fortgesetzt werden. Es richtet sich an Sechstklässler und vermittelt den Schülern, wie sie sich in Konfliktsituationen oder bei drohender Gewalt richtig verhalten. Auch ein Besuch einer Gerichtsverhandlung mit jugendlichen Straftätern gehört dazu. „Wir wollen mit unserem Projekt einen langfristigen Effekt erzielen. Eine kurzfristige Auswirkung auf die Daten darf man nicht erwarten“, sagt Leiter Thomas Schmidt von der Bürgerstiftung.

Eltern sind hilflos – Schulleiter tue was er kann

Sandra Bahl allerdings braucht eine schnelle Lösung. „Das waren richtige Faustschläge. Die Stimmung war so aufgeladen. Das war erschreckend“, sagt die Mutter. Sie und ihr Mann fühlen sich hilflos und fragen sich, was sie noch tun sollen. Sie sind erschrocken von den Zuständen in der Schule: „Dort herrscht eine absolute Respektlosigkeit. Es werden Lehrer geschubst, auf dem Flur übel beleidigt und ausgelacht“, sagt Sandra Bahl. Schulleiter Dorow bemühe sich dabei nach Kräften, das betont Bahl immer wieder. „Aber er kann kaum etwas tun.“ In einem Gespräch habe sie gefragt, was ihr Sohn oder sie als Eltern falsch gemacht hätten, dass es zu derartigen Szenen kommen könne. Doch die Antwort sei vernichtend ausgefallen: Nichts.

Stattdessen wollen die Bahls Thomas nun auf eine andere Schule schicken. „Die Zukunft unseres Sohnes steht auf dem Spiel“, sagt Sandra Bahl.

*Namen der Protagonisten geändert

Von Ansgar Nehls

Sozialarbeiter sind häufig die ersten Ansprechpartner für Opfer von Gewalt an Schulen. Elisa Kaletta, Abteilungsleiterin der DRK-Schulsozialarbeiter verrät im Interview, wie erfolgreich Präventionsarbeit geleistet werden kann und wann es notwendig ist, die Polizei einzuschalten.

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