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300 Jahre alte Figur wird restauriert

Wiedergeburt eines Taufengels 300 Jahre alte Figur wird restauriert

In Schulzendorf geschieht gerade ein kleines Wunder. Dort wird ein Engel zum Leben wieder erweckt. Spezialisten restaurieren gerade einen 300 Jahre alten Taufengel. Pünktlich zum Advent soll er wieder in die Kirche schweben.

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Schulzendorf. Bis zum Weihnachtsfest sind es noch einige Wochen. In Schulzendorf bei Königs Wusterhausen weiß man aber schon jetzt, was es zur Bescherung geben wird: Einen Taufengel für die Patronatskirche auf dem Dorfanger. Es ist ein kleines Wunder, dass dieser Traum wahr wird, denn der Weg des kleinen Engels mit den gestutzten Flügeln, dem güldenen Gewand und den zarten Locken war weit. Und er hätte für immer im Depot des Berliner Stadtmuseums enden können.

Doch jetzt sind der Holzfigur – die inzwischen über 300 Jahre alt ist – Flügel gewachsen. Natürlich im übertragenen Sinne. Die Mitglieder des Vereins zur Wiederherstellung der Patronatskirche und des Dorfangers in Schulzendorf, die Freunde des Vereins, die Gemeinde und vor allem Restauratorin Annett Xenia Schulz haben dem Taufengel neues Leben eingehaucht.

Noch ist die Figur in der Restaurationswerkstatt, noch muss sie einige Prozeduren über sich ergehen lassen. „Aber pünktlich zum Advent werden wir den Engel wieder in der Kirche schweben lassen können“, sagt Vereins-Sprecherin Heidi Burmeister. Gemeinsam mit ihrem Mann Herbert und Volker Abel – die beiden engagieren sich ebenfalls in dem Verein – statteten sie „ihrem“ Tauf engel in dieser Woche einen Besuch ab.

Bereits seit Monaten hat Annett Xenia Schulz die Skulptur unter ihren Fittichen. „Das Lindenholz war schwer beschädigt und so brüchig, dass der Engel erst einmal gleich vor Ort gefestigt werden musste“, sagt die freiberufliche Restauratorin. Dabei hantierte sie wie ein Arzt im Operationssaal. „Ich gab ihm Spritzen mit Kunstharz“, erklärt Annett Xenia Schulz. Dieser Prozess habe sehr lange Zeit in Anspruch genommen, damit das Holz des Taufengels durch und durch wieder an Stabilität gewinnen konnte. Erst dann wurde das Kunstwerk im klimatisierten Auto zunächst in die Holzwerkstatt von Matthias Schmerbach in Falkensee gebracht. „Und erst, als der Transport und alle folgenden Arbeiten ungefährlich für die Figur waren, habe ich den Engel mit in meine Werkstatt in Berlin-Tegelort nehmen können“, sagt Annett Xenia Schulz. Während Matthias Schmerbach die Wunden des Engels mit Lindenholz achtsam verschloss, greift Annett Schulz zu Holzkitt, um die teils sehr wurmstichige Oberfläche wieder glatt und sanft zu machen.

„Verziert wird der Engel mit Blattgold und -silber“, erklärt die Restauratorin und zeigt die Stellen zwischen Kopf und Fuß, wo sie mit Gold aus dem Näpfchen und einem dünnen Pinsel das locker fallende Gewand des Taufengels nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten wieder zum Glänzen bringt. „So ein kleines Döschen mit Gold kostet 250 Euro“, verrät die Spezialistin den staunenden Mitgliedern des Schulzendorfer Patronatskirchenvereins.

Herbert Burmeister hält mit seiner Kamera alle Details genau fest. Die Bilder wird er später auf die Internetseite des Vereins stellen. Doch bevor das kostbare Metall aufgetragen werden konnte, mussten die Falten im Gewand des Engels von dem Dreck gereinigt werden, der sich in Jahrzehnten dort angesammelt hatte. „Es war ja kaum noch etwas zu erkennen“, erinnert sich Heidi Burmeister an ihren ersten Besuch beim Taufengel noch im Berliner Stadtmuseum im Jahr 2010.

Inzwischen ist der Taufengel wieder fest, von sämtlichen Holzwürmern befreit, gereinigt und „aufgekittet“, wie es in der Fachsprache heißt. Einige Details werden noch ergänzt. „Hier fehlen Teile von Nase und Mund, die können vorsichtig ersetzt werden, damit der Engel sein anmutiges Antlitz zurück erhält“, kündigt die Restauratorin die nächsten Schritte an. Auch der Knoten in der Schärpe soll wieder rund gemacht werden. Diese Arbeiten wird wieder der Holzfachmann Matthias Schmerbach übernehmen.

Ganz zum Schluss wird der Schulzendorfer Tauf engel dann eine Holzlasur erhalten. „Der Grauschleier, der jetzt noch an seinem Holz haftet, wird dann endgültig verschwinden“, freut sich Annett Xenia Schulz auf diesen Höhepunkt ihrer Arbeit. Sie geht davon aus, dass sie Ende November, Anfang Dezember soweit sein wird.

Dann wird das über 100-jährige Schattendasein des Schulzendorfer Taufengels endgültig vorbei sein. „Zu dem Chorkonzert am 7. Dezember könnte er schon wieder in der Patronatskirche schweben“, sagt Heidi Burmeister optimistisch. Spätestens aber am 19. Dezember zur „Wein-Lesung“ soll er dann die Zuhörer erfreuen.

Der Schulzendorfer Verein stellt für die Restaurierung der alten Holzfigur rund 6000 Euro zur Verfügung. „Laut Unterlagen hat der Tauf engel einmal 18 Reichstaler gekostet, damals war das eine Menge Geld“, kommentiert die Vereins-Sprecherin eine Rechnung aus dem Jahr 1702 – der Geburtsstunde des Engels.

Dessen Hoch-Zeit ging allerdings schnell vorbei. Schon ein Jahrhundert später wurde er nicht einmal mehr in den Aufzeichnung des damaligen Pfarrers Ferdinand Arndt erwähnt, geschweige denn bei den Taufen eingesetzt. „Schinkel mit seinem modernen Klassizismus führte dazu, dass alles Barocke verdammt wurde“, erklärt Annett Xenia Schulz das Vorgehen der Kirchenleute von damals, die den Taufengel gnandenlos von der Decke holten und auf dem Boden ablegten. Von hier aus wanderte er rund 100 Jahre später in das Märkische Museum. Dieses – heute Berliner Stadtmuseum – hat mit der Gemeinde Schulzendorf nun einen Leihvertrag abgeschlossen.

„Mit dem Einzug des Taufengels bekommt die Schulzendorfer Patronatskirche wieder ein Stück ihrer Geschichte zurück“, sagt Heidi Burmeister. In diesem Satz schwingen Stolz und Genugtuung mit über das gelungene Projekt. Wie die anderen Vereins-Mitglieder auch kann sie die Wiedergeburt des Taufengels kaum erwarten.

Veranstaltungen rund um den Engel

Bernd Janowski vom Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg, hält am 3. Dezember um 19 Uhr in der Alten Feuerwache in Eichwalde, Bahnhofstraße, einen Vortrag zum Thema „Taufengel in Brandenburg“.

In der Patronatskirche Schulzendorf findet am 7. Dezember um 15Uhr ein Chorkonzert statt. Bis dahin soll der restaurierte Taufengel das einstige Gotteshaus zieren.

Eine Weihnachtslesung mit engelhaften Geschichten soll am 19.Dezember um 19.30 Uhr in der Patronatskirche Besucher anlocken. Mit dabei ist dann die Restauratorin Annett Xenia Schulz, die über ihre Arbeit am Taufengel berichten wird.

Von Andrea Müller

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Der Verein zur Wiederherstellung der Patronatskirche und des Dorfangers in Schulzendorf kann sich bereits viele Erfolge auf die Fahnen schreiben. In den zurück liegenden Jahren hat das Haus eine erstaunliche Wandlung durchgemacht.

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