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Ärger über chaotische Baustelle

Bürgerinitiative in Bestensee gegründet Ärger über chaotische Baustelle

Die Bewohner der Bestenseer Hintersiedlung ärgern sich über die Bauarbeiten für den Anschluss der Siedlung an das Trink- und Abwassernetz. Straßen würden planlos aufgerissen, die geplante Bauzeit sei schon um fünf Monate überschritten worden.

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Rolf Pfeffer von der Bürgerinitiative ärgert sich über das Abwasserpumpwerk direkt am See.

Quelle: Dietrich von Schell

Bestensee. Die Bestenseer Hintersiedlung ist eine ruhige Gegend – verträumt am Pätzer Hintersee gelegen, mit jenem Schuss wilder Romantik, die inzwischen so selten geworden ist. In diesem Jahr soll die Siedlung ans öffentliche Abwassersystem angeschlossen werden. Kurz vor Abschluss der Arbeiten aber regt sich Protest.

Rolf Pfeffer weiß gar nicht, wo er anfangen soll. Er ist Bevollmächtigter einer Gruppe von Anwohnern, der Bürgerinitiative Hintersiedlung Bestensee (BHB), die sich Mitte September gegründet hat. „Erst waren wir 30, täglich werden es mehr.“ Pfeffer ist Bauingenieur und vertritt die BHB, weil er die nötige Sachkenntnis hat. Abwasserkanäle haben ein geringes Gefälle und führen immer tiefer ins Erdreich, damit das Wasser aus den Haushalten ungehindert abfließen kann. In der Hintersiedlung landet es am Ende in einer Pumpstation, von der es zu einem Klärwerk weitergeführt wird.

„Im August 2014 hat es einen Infoabend gegeben, aber alle Auskünfte waren falsch“, so Pfeffer. Dass der Baubeginn nicht in der Straße Am Seeblick war, sondern in einer anderen Straße, sei nicht entscheidend. Aber das „Hopping“, wie er es nennt, das „planlose Aufreißen der Straße an verschiedensten Stellen“ kam dem Bauingenieur komisch vor. Ein System konnte er nicht erkennen.

Inzwischen ist die Bauzeit um fünf Monate überschritten. Pfeffer, der die Arbeiten aus seinem Wohnzimmer verfolgt, hat das kommen sehen. „Die hatten Probleme mit dem hohen Grundwasserstand“, sagt er. Immer wieder hätten die Arbeiten still gestanden, Anwohner konnten wegen laufender Pumpen manche Nacht nicht schlafen.

Ein weiterer Punkt ist die Straßendecke in der Thälmannstraße. „Bei der Versammlung vor einem Jahr hieß es, sie werde so wiederhergestellt, wie die Baufirma sie vorfand.“ Nachdem die Rohre verlegt und die betreffenden Stellen geteert waren, ist die Straße in diesen Bereichen abgesunken. Also wurde die Thälmannstraße im gesamten Arbeitsbereich, auf einer Länge von 500 Metern, erneut mit einer fünf Zentimeter hohen Asphaltschicht überzogen.

„Das verursacht Mehrkosten: der Straßenbelag, die zusätzlichen Arbeitsstunden, die zeitliche Verzögerung.“ Pfeffer hat überschlagen, wie teuer allein die längere Bauzeit von fünf Monaten sein dürfte. Er kommt auf knapp 380 000 Euro. Der Straßenbelag ist darin noch gar nicht enthalten.

All das hat Pfeffer in Absprache mit den Mitstreitern der BHB in der E-Mail an den MAWV zu Sprache gebracht. Dass für die rund 100 Bewohner der Hintersiedlung nun die Erschließungskosten steigen, schließt Falko Börnecke aber aus. Er ist technischer Leiter beim MAWV und antwortete am 2. Oktober schriftlich, es gelte das Solidarprinzip: „Sämtliche Kosten für die öffentliche Schmutzwasserentsorgung werden auf alle Grundstückseigentümer im Verbandsgebiet verteilt.“ Zudem zeigt er Verständnis für die Unzufriedenheit der Anwohner mit der „Abwicklung und insbesondere mit der zeitlichen Durchführung der Baumaßnahme“. Das bestätigt Bestensees Bürgermeister Klaus-Dieter Quasdorf (parteilos). Und: „Nach Absprache mit dem MAWV kann ich sagen, dass die Baufirma für die allzu lange Bauzeit zur Rechenschaft gezogen wird.“

Pfeffer findet trotzdem, dass es sich die Verantwortlichen zu leicht machen. „Der Staub, der nächtliche Lärm, die lang andauernde Belästigung – von dem ganzen Chaos spricht niemand. Warum hat man das nicht schon eher abgestellt?“

Bleibt die Sache mit dem Abwasserpumpwerk. „Die Anlage wurde am See platziert, und zwar so, dass sie die Sicht aufs Wasser versperrt“, sagt Pfeffer. Vor allem die beiden Kästen mit der Regel- und Steuertechnik stören die Idylle. Selbst Quasdorf findet den Anblick „entsetzlich“. Der Uferstreifen dürfe gar nicht bebaut werden, so Pfeffer, weil er im Naturschutzgebiet liege und „von der Bebauung frei zu halten“ sei. So jedenfalls stehe es in der Entwicklungssatzung für die Hintersiedlung.

Börnecke dagegen sagt, es gebe Planrecht und alle Genehmigungen lägen vor. Quasdorf präzisiert: „Das Pumpwerk befindet sich vielmehr im Landschaftsschutzgebiet, Planungsbüro und Umweltamt haben alles vor Baubeginn abgestimmt.“ Eine andere Lösung sei durch das notwendige Gefälle der Leitungen technisch nicht möglich. Pfeffer bezweifelt das. „Nur wenige Meter weiter hätten wir eine elegantere Lösung, versteckt hinter Bäumen, gehabt.“ Wenigstens die Steuerungskästen hätte man aus der Sichtlinie nehmen können, meint er. „Damit wäre viel gewonnen.“ Aber selbst das geht laut Börnecke nicht mehr. Quasdorf hat einen Vorschlag. Er will in der Hintersiedlung einen Wettbewerb ausrufen, um die Pumpstation zu kaschieren. „Eine Hecke, ein mit Grün berankter Zaun, irgendetwas muss da hin. So kann es nicht bleiben.“ Er verspricht, jemanden zu finden, der das Ganze zahlt.

Von Dietrich von Schell

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