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Dahme-Spreewald Airport-Hotel ohne Flughafen
Lokales Dahme-Spreewald Airport-Hotel ohne Flughafen
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09:56 07.11.2013
Guntram Kreissl ist mit dem Start trotz allem zufrieden. Quelle: Klaus Bischoff
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Schönefeld

Als ihm der Gast berichtete, er habe in der Nacht kaum ein Auge zugetan, fuhr Hotelmanager Guntram Kreissl der Schreck in die Glieder. Er erwartete eine geharnischte Lärmbeschwerde. Doch sein Gegenüber, ein ornithologisch interessierter Mann, war guter Dinge. Er habe 40 verschiedene Vogelstimmen gehört, freute er sich.

Kreissls Hotel ist nach dem Airport in Schönefeld benannt, liegt von ihm nur zwei Kilometer entfernt, hat aber trotzdem ein kleines Wäldchen vor sich. Doch dem Chef wäre etwas weniger Idyll und dafür mehr Geschäftigkeit recht. Nicht zuletzt, weil Schönefeld die Entwicklung auf dem Gebiet des ehemaligen Gemeindeteils Kienberg zügig vorantrieb, öffnete sein Haus schon vor Monaten. Das Flughafen-Debakel sorgte dafür, dass die Entwicklung rundherum stagniert. Nun steht der Fünfgeschosser allein auf weiter Flur.

„Als ich im Mai 2012 die Pressekonferenz zur Terminverschiebung im Fernsehen sah, bin ich nach hinten übergekippt“, erzählt Guntram Kreissl. Denn in seinem Haus sollten vor allem Fluggäste absteigen, die, weil sie früh starten oder spät landen, vor Ort übernachten wollen. Mit ihnen war nun nicht mehr zu rechnen. Kreissl schaltete auf eine andere Strategie um. Er bemühte sich um Geschäftsleute, die auf der Flughafen-Baustelle zu tun haben, oder dank der Autobahnnähe schnell in Berlin sein können.

Andere Hotels gehen andere Wege. Das Steigenberger am Terminal bleibt bis auf Weiteres geschlossen, das Holiday Inn in Schönefeld erweiterte seine Kapazität sogar und setzt auf Tagungen und Konferenzen. Das zur Kette B&B gehörende Berlin-Airport-Hotel im früheren Kienberg lockt mit niedrigen Preisen. Ein Doppelzimmer kostet 45, ein Familienzimmer mit mehreren Betten 63 Euro, Frühstück nicht inbegriffen. Es sind die Eröffnungsangebote, die auf unbestimmte Zeit fortgelten.

Internet und Schallschutz

Eröffnet hat das Berlin-Airport-Hotel als 49. deutsches Haus der französischen Kette B&B bereits im Februar. Erst knapp ein Jahr zuvor wurde auf dem Gelände des früheren Schönefelder Gemeindeteils Kienberg der Grundstein gelegt.

Eingerichtet sind die 140 Zimmer mit Schreibtisch, Schrank, kleinen Tischen mit Leuchten, gefliestem Bad und einem Flachbildfernseher. Verbindung ins Internet besteht kostenlos. Schallschutzfenster lassen den Fluglärm draußen.

Angestellt sind fünf Zimmermädchen und zwei Rezeptionisten. Gästen, die nach 22 Uhr eintreffen, steht ein Check-in-Automat zur Verfügung.

„Wir können günstig kalkulieren, weil wir auf überflüssigen Schnickschnack verzichtet haben“, berichtet Hotelchef Kreissl. Ein Flughafenhotel brauche weder ein Schwimmbad noch eine Sauna. „Und das Feierabend-Bier wird bei uns nicht im Restaurant gezapft, sondern aus dem Automaten geholt.“

So sei das Geschäft besser als gedacht angelaufen. „Wir haben zwar keinen Grund, Luftballons steigen zu lassen“, räumt der Manager ein, der einst als Kellner im Berliner Palasthotel arbeitete und später Erfahrungen in Italien und den USA sammelte, „doch im Sommer hatten wir eine Auslastung von 50 Prozent.“

Von der „Berliner Luft“ bis zum „Koffer in Berlin“ zieren die Hotelwände Zeilen aus berühmten Berlin-Liedern auf zitronengelbem Untergrund. Diese Gestaltung zieht sich vom Frühstücksraum bis in die Zimmer, die klein aber fein mit Flachbild-Fernsehern, Tischchen und teils abgerundeten Schränken ausgestattet sind. Kindern dürften die Doppelstockbetten in den größeren Räumen am meisten Spaß machen.

„Wir kommen zwar klar“, sagt Elke Kreissl, die den Betrieb gemeinsam mit ihrem Mann führt. „Doch immer wieder gibt es neue Hiobsbotschaften und niemand verkündet, wann es mit dem Flughafen endlich losgeht.“ Eine der Folgen sei, dass es trotz Engagements der Busgesellschaft RVS mit dem öffentlichen Nahverkehr hapere. Ein von den Hoteliers beabsichtigter Ringverkehr sei nicht zustande gekommen, da die Interessen zu unterschiedlich seien.

Doch gibt es auch Silberstreifen am Horizont. „Für zusätzliche Anfragen sorgen zuweilen die Messen in Selchow“, stellt Ehemann Guntram fest, „und für die Luftfahrtschau ILA liegen schon Reservierungen vor.“

Von Klaus Bischoff

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