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Alleine unter Blättern

Schulzendorferin wird Laubmassen nicht Herr und fordert Unterstüzung Alleine unter Blättern

Das im Herbst Laub von den Bäumen fällt ist normal. Das findet auch Regina Ziegler aus Schulzendorf. Nicht normal findet sie, dass sie von der Gemeinde bei den Reinigungsarbeiten nicht unterstützt wird. Alleine wird sie den Laubmassen nicht Herr. Sie fordert Unterstützung.

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Unter fünf herrlichen Eichen steht das Haus von Renate Ziegler. Sie sind in dieser Jahreszeit ein Fluch – wegen der Laubmassen.

Quelle: Andrea Müller

Schulzendorf. Die Jahnstraße ist ein Schmuckstück in Schulzendorf. 80-jährige Eichen säumen links und rechts die Fahrbahn. Ihre starken Äste bilden weit über den Einfamilienhäusern auf beiden Seiten ein dichtes Blätterdach. Jetzt lichtet es sich nach und nach. Der Herbst tut seine Schuldigkeit.

Renate Ziegler wohnt gern an der Ecke Jahnstraße/Spartakusstraße. Sie ist hier aufgewachsen. „Die Eichenallee ist wunderschön“, sagt sie. Und doch bringen sie die Bäume zur Verzweiflung. Die Frau Mitte 70 wird des vielen Laubs einfach nicht Herr. Allein an ihrem Eckgrundstück stehen fünf der Riesen.

Doch die verwitwete Dame ist laut Schulzendorfer Straßenreinigungssatzung dafür zuständig, die Blätter zusammenzufegen und in Laubsäcke verpackt an den Straßenrand zu stellen. Erst im September wurde in der Sitzung der Gemeindevertretung ein Ansinnen abgeschmettert, den Einwohnern dieses Prozedere etwas zu erleichtern. Dann hätte die Gemeinde diese Arbeit übernommen und den Anliegern in Rechnung gestellt. Doch der Änderungsantrag, der diesen Passus enthielt, ging nicht durch. Die Satzung wurde nur an anderen Stellen geändert. Ohnehin wird die neue Satzung erst Anfang 2015 in Kraft treten. Die alte, die die Anlieger zur Laub entsorgung verpflichtet, ist bis dahin gültig.
„Die Satzung ist für mich Gesetz“, sagt Bürgermeister Markus Mücke. Rein menschlich habe er ein Einsehen, dass es für Bürger wie Renate Ziegler schwer ist, das Laub zu fegen und in die Laubsäcke zu füllen. „Da bleibt ihr wohl nichts anderes übrig, als jemanden zu bitten, das für sie zu übernehmen oder eine Firma zu beauftragen“, schlägt das Gemeindeoberhaupt vor. Andere im Ort tun dies bereits. Dieser Tage war Denny Winter vom Service „Rund ums Haus“ aus Waltersdorf in der Karl-Liebknecht-Straße unterwegs. „Ich mach das im Auftrag von Frau Neumann, einer über 80-jährigen alten Dame“, sagt er. Vor ihrem Haus wachsen große Kastanien.

Renate Ziegler mag sich damit nicht abfinden. Sie empfindet es als Zumutung. „Im letzten Jahr habe ich nur für die Laubentsorgung rund 200 Euro ausgegeben“, sagt die Rentnerin. Ein Laubsack koste 1,35 Euro. Dazu komme die schwere körperliche Anstrengung. Den 20 Kilogramm schweren, mit Blättern gefüllten Sack könne sie nicht anheben, geschweige denn bis zur Straße schleppen. Was sie besonders aufregt: „Die Gemeinde hat von unseren Steuergeldern einen Laubsauger gekauft“, sagt sie. Alle zwei Wochen kämen die Gemeindearbeiter an die Ecke Jahn-/Spartakusstraße und saugten von einem winzigen gemeindeeigenen Grundstück das Laub weg. „Alles andere lassen sie liegen“, echauffiert sich die Schulzendorferin. Ihr Kampf gegen das Laub ähnelt dem der „Frau in den Dünen“ in dem Roman von Kobo Abe. Die Buchheldin muss ohne Unterlass ihren Unterschlupf in den Dünen vom Sand frei halten. Doch die Sandkörner sind unerbittlich; wie das Eichenlaub bei Renate Ziegler. Kaum sind die Blätter zusammengefegt, häufen sich die nächsten vor und auf ihrem Grundstück.

Selbst ein Brief an den Landrat Stephan Loge half ihr bislang nicht. „Er könne sich in die Hoheitsaufgaben der Gemeinde nicht einmischen, hat er mir geantwortet“, holt sie den Brief aus dem Stapel Unterlagen zu diesem Thema. Nun weiß die Dame bald keinen Rat mehr.

Laut Satzung muss sie handeln. Sie hat eigentlich keine Wahl. Es bleiben drei Varianten: Selbst das Laub entsorgen, jemanden beauftragen oder umziehen.

„Das ist hart“, weiß der Bürgermeister. „Da muss es doch noch eine andere Lösung geben“, hält Renate Ziegler kampfentschlossen und mit dem Rechen in der Hand dagegen.

Von Andrea Müller

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