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Alltag der Merkwürdigkeiten

Staakmühle Alltag der Merkwürdigkeiten

Staakmühle gehört zu Halbe, aber auch zum benachbarten Amt Unterspreewald. Ein Spaziergang durch den Ort am Rande des Schenkenländchens, wo im Frühjahr tausende Kröten zu ihren Laichplätzen wandern und Pech und Glück sowieso nah beieinander liegen.

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Staakmühle markiert die Grenze des Schenkenländchens.

Quelle: Karen Grunow

Staakmühle. Der Grenzverkehr ist fließend. Außer, wenn die Kröten wieder wandern, dann gibt es gelegentlich schon mal Stop-and-Go. Dort, am Rande des Amtes Schenkenländchens, hat der Fluss Dahme Kraft und ist Lebensraum und Badetraum für Tier und Mensch.

Staakmühle heißt dieser Grenzort und er ist vielfach wunderlich. Jetzt im Herbst nach Regentagen rauscht die Dahme noch stärker, gewaltig schäumt es unter dem künstlichen Wasserfall der Umflutanlage, als Sabine Fiedler bei einem Spaziergang einige der Besonderheiten zeigt: Mitten im Ort hört der Ort auf. Und geht doch weiter. Nur gehört der eine Teil eben zu Halbe und damit zum Amt Schenkenländchen, der andere Teil zu Staakow und somit zum Amt Unterspreewald. „Wir haben unser Auskommen miteinander – zwischen Ost und West“, scherzt sie. Ihre Nachbarn im Dorf stellen die Mülltonnen eben an anderen Tagen vor die Tür als sie, die Post wird von unterschiedlichen Briefträgern verteilt. Ein Alltag der Merkwürdigkeiten in Staakmühle.

Feudale Herrschaft

Die Geschichte des Ortes reicht weit zurück; und auch die Teilung ist kein Phänomen jüngerer Ämter-Zeit, denn schon in der DDR trafen die Bezirke Cottbus und Potsdam in Staakmühle aufeinander. Bereits im frühen 16. Jahrhundert gehörte dieses wasserreiche Fleckchen wohl zu den Besitztümern der Familie von Stutterheim, die zahlreiche Dörfer bis hinter Golßen besaß. Es gibt andere Hinweise, dass die Schenken von Landsberg von 1510 bis 1664 auch in Staakmühle die Herren waren. Vielleicht findet sich ja schon hier eine Ursache späterer und heutiger Grenzmarkierungen.

Der Ursprung des quasi auf der Grenze befindlichen einstigen Mühlenkomplexes geht wohl in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts zurück. Damals wurden dort eine Wassermühle und eine Schneidemühle errichtet. Der den Ort dominierende Bau dürfte vor allem um 1900 errichtet worden sein; denn damals entstand dort zusätzlich eine Bäckerei. Die Bauten stehen zwar unter Denkmalschutz, aber schon seit Jahren müssen Sabine Fiedler und die anderen im Ort dem Verfall zuschauen. Nichts tut sich; die technischen Anlagen rotten vor sich hin und sind vor allem ein kaum abgesperrtes Sicherheitsrisiko.

Wanderung der Kröten

Direkt davor warnen grün umrandete Hinweisschilder, dass stets im Frühjahr Kröten die Dorfstraßenseiten wechseln. Zu hunderten, tausenden gar streben sie zum laichen zurück zu dem Gewässer, in dem sie selbst geboren wurden. In Staakmühle wir dann ein Zaun aufgestellt, an dem die Kröten so lange entlang wandern, bis sie in vorbereitete Eimer fallen. Sabine Fiedler, die sich gemeinsam mit dem Krausnicker Sebastian Fuchs und Sabine Schmidt von der Naturwacht in Prieros um die Kröten, Moorfrösche und Molche sorgt, trägt dann jeden Tag die Amphibien auf die richtige Laichseite der Straße. Rund sechs Wochen dauert das Spektakel. „In einer Saison hatten wir mal 4000 Kröten“, erinnert Fiedler sich, die als Malerin und Grafikerin auch schon mal von den Tieren inspiriert wird.

Im Sommer schwirren die Glühwürmchen, und Schlingnattern tummeln sich auch gern in der Nähe des wasserreichen Ortes, durch den der Gurkenradweg führt. Sabine Fiedler hat lustige Fotos von Badevergnügen unterm Wasserfall und sehr genaue von besonderen archäologischen Fundstätten im Wald bei Staakmühle. Zwei mittelalterliche Pechöfen gibt es dort. Bevor Fiedler und ihr Mann im Jahr 2000 aus Wildau nach Staakmühle zogen, hatte die ehemalige Sängerin des einstigen Opernchores des Potsdamer Hans-Otto-Theaters eine Ausbildung zur ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegerin gemacht. Mit Begeisterung durchforstet sie frisch gepflügte Felder nach steinzeitlichen Werkzeugen, Klingen, Schabern, Pfeilspitzen und zeichnet das akribisch.

„Ein Glück, dass wir so viel Pech haben“

2005 wurde der erste Pechofen gefunden. Sabine Fiedler dokumentierte das; im ehemaligen Oberförster Hans-Joachim Sommerfeld aus Teupitz fand sie einen interessierten Kenner solcher Orte, Revierförster Christian Göhler fand Schlacke, und so wurde ein weiterer Pechofen mit typischen Keramikresten entdeckt. Auch bei der Mühle hat Sabine Fiedler einen Pechtopf gefunden. Möglich, dass dort ebenfalls ein Pechofen war. „Ein Glück, dass wir soviel Pech haben“, lacht Fiedler und erzählt vom Nachbarsjungen, der gerade eine Ausbildung zum Schornsteinfeger macht: „Unser Glücksbringer!“

Von Karen Grunow

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