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Altes Kino „Hubertus“ abgerissen

Wildau Altes Kino „Hubertus“ abgerissen

Das alte Kino „Hubertus“ in Wildau ist Geschichte. Nachdem das Gebäude zuletzt nur noch ein Schandfleck war, wurde es nun abgerissen. Auf dem Grundstück sollen künftig Wohnungen gebaut entstehen.

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Ohne Wehmut schaut Nachbar Klaus Ludwig dem Abriss des alten Kinos „Hubertus“ zu, in dem er als Landfilmvorführer mit seiner Familie noch bis 2001 wohnte.

Quelle: Franziska Mohr

Wildau. Von der gegenüberliegenden Straßenseite schaut der Wildauer Helfried Schönow zu, wie der Bagger die alten Steine des ehemaligen Kinos „Hubertus“ in der Birkenallee nach und nach zusammenschiebt. „Damit verschwindet wieder ein Stück Erinnerung an die Jugendzeit“, sagt der Senior mit fast tonloser Stimme. Überrascht hat ihn der Abriss allerdings nicht. Das alte, am 29. November 1938 von Inhaberin Maria Bowe eröffnete Lichtspielhaus war nur noch einen Schandfleck, nachdem dort schon vor Jahren Rowdys die Scheiben zerschlagen, einen Teil der Wände demoliert und die Fassade wieder und wieder beschmiert hatten.

In ihren Erinnerungen über Wildau schrieb die inzwischen verstorbene Elfriede Steyer über das Kino „Hubertus“, dass sie dort 1943/44 gleich dreimal Anlauf nahm, um sich den Film „Immensee“ nach der Novelle von Theodor Storm anzuschauen. Sein Ende hat sie allerdings nie gesehen, weil mitten in der Vorführung jeweils die Sirene für den Bombenalarm erklang.

Das Gebäude war zuletzt nur noch ein Schandfleck im Ort

Das Gebäude war zuletzt nur noch ein Schandfleck im Ort.

Quelle: Gerlinde Irmscher

Bis 1989 auch für auch für offizielle Veranstaltungen genutzt

Jetzt, 73 Jahre später, aber beobachtet Nachbar Klaus Ludwig den Abriss ohne Wehmut, obwohl er als Landfilmvorführer seit 1985 bis 2001 in dem alten Kinogebäude wohnte. „Den Beruf gibt es heute gar nicht mehr“, sagt der 68-Jährige. Als er damals als Angestellter des Lichtspielbetriebs mit seiner Familie diese traumhafte Vier-Zimmer-Wohnung mit Bad bekam, habe er sich wie ein kleiner König gefühlt. Wohnte er doch zuvor in Bestensee in einem Quartier mit der Toilette auf dem Hof. Schon bei seinem Einzug fand in dem Filmtheater allerdings kein regelmäßiger Spielbetrieb mehr statt. Es war weitgehend geschlossen. Mit seinen 418 Sitzplätzen war es Ludwig zufolge „teilweise baupolizeilich gesperrt, weil sich einige Schaumstoffplatten von der Decke gelöst hatten“. Es wurde nur selten und dies offiziell sogar bis 1989 für Veranstaltungen genutzt. Dabei war es für die damalige Zeit mit einem Vier-Kanal-Ton und einer Bühne modern ausgestattet. Einst liefen hier auch Kultfilme wie der 1970 entstandene Streifen „Blutige Erdbeeren“, „Ich war neunzehn“ (1968) oder „Die Legende von Paul und Paula“ (1973).

Klaus Ludwig erinnert sich auch, dass im Jahr 1988, also kurz vor der Wende, plötzlich hohe Funktionäre aus Potsdam das Kino besichtigt und verkündet hatten, dass „es für die stolzen Schwermaschinenbauer mit dem 250 Quadratmeter großen Vorführraum für eine Million Mark saniert werden soll.“ Mit der Wende zerschlugen sich diese Pläne. Zuerst kam die Treuhand, dann hieß es, dass Restitutionsansprüche vorlägen und schließlich folgten unzählige Eigentümerwechsel. Klaus Ludwig blieb bis zur Kündigung seiner Wohnung im Jahr 2000 über Jahre der einzige Bewohner. Nachdem das Gebäude dann komplett verwaist war, zog der Vandalismus ein. Eine Immobiliengesellschaft folgte der nächsten.

Areal besteht aus drei Grundstücken

Das knapp 3000 Quadratmeter große Areal besteht aus drei Grundstücken. Darauf weist der Wildauer Martin Hoffmann hin, der das Grundstück jetzt gekauft hat. „Hier wird es in jedem Fall eine dem Ort angepasste Wohnbebauung geben“, sagt er. Das bekräftigt auch der Wildauer Vize-Bürgermeister Marc Anders: „Wir sind hier in einem ganz frühen Stadium. Bisher wurde die Kommune von der Unteren Bauaufsicht noch nicht einmal zu einer Stellungnahme zu einem Bauantrag aufgefordert.“ Gerüchte im Ort, wonach auf dem alten Kinogelände fünf- oder gar sechsgeschossige Wohnhäuser entstehen könnten, weist Anders entschieden zurück.

Von Franziska Mohr

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