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Am „Bilderbuch“ kommt keiner vorbei

Teupitz Am „Bilderbuch“ kommt keiner vorbei

Das „Teupitzer Bilderbuch“ steht nun seit gut einem Jahr auf dem Marktplatz der Stadt. Geschaffen hat es Helga Winkler in Zusammenarbeit mit dem Verein Bikut, der Stadt und dem Ortschronisten. Auf 31 Porzellantafeln sind Etappen der Stadtgeschichte festgehalten. Für Helga Winkler gehört das Kunstwerk zur Erinnerungskultur.

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Helga Winkler aus Tornow hat das „Teupitzer Bilderbuch“ erschaffen, das die Geschichte der Stadt in wichtigen Etappen zeigt.

Quelle: Andrea Müller

Teupitz. Die Medaillen für das Teupitzer Seefestschwimmen sind begehrt. Dies nicht nur, weil jeder gern im Spitzenfeld platziert sein möchte, sondern weil sie aus der „Feder“ von Helga Winkler stammen. Sie sind aus Porzellan und handbemalt. „Eine jede ein Unikat“, sagt die Tornower Künstlerin.

Die ist in der Region vor allem bekannt durch das „Teupitzer Bilderbuch“ – einer Liebeserklärung der Künstlerin an ihre Heimatstadt. Auf 31 Porzellankacheln hat sie die wechselvolle Geschichte der Hauptstadt des Schenkenländchens gebannt. Sie sind nun seit gut einem Jahr auf dem Markt als Gesamtkunstwerk zu sehen und gehören von Anbeginn zu den Sehenswürdigkeiten, an denen kein Besucher mehr vorbeikommt.

Auch dunkle Kapitel der Stadtgeschichte werden beleuchtet

„Allein Sonntag habe ich beim Kreativmarkt am Rande des Seefestes fünf Führungen gehabt“, berichtet Helga Winkler. Der große Ansturm bestätige, dass das Projekt „Teupitzer Bilderbuch“ von großem Interesse ist. Dies auch deswegen, weil es nicht nur die Glanzpunkte aus der Vergangenheit in Szene setzt, sondern um die dunklen Kapitel der Teupitzer Stadtgeschichte keinen Bogen macht. So zeigt eine Tafel etwa ein Blatt der Heimatzeitung „Der Märker“. Es wird berichtet, dass nun die NSDAP an der Macht sei und der Markt fortan „Hitler-Platz“ heißt. Eine Platte mit der Jahreszahl 1949 zitiert Bertolt Brecht: „Ihr Kinder, dass sie euch mit Krieg verschonen. Müsst ihr um Einsicht eure Eltern bitten.“ Theodor Fontane, die Ehrenbürger Hans Sußmann und Alfred Gutzmann, die Feuerwehr und vor allem Teupitzer Originale wie Ketten-Schulze oder Mutter Dietrich bilden das Gegengewicht dazu. Helga Winkler hat die Stadtgeschichte studiert und dann mit Unterstützung des Teupitzer Ortschronisten Lothar Tyb’l sowie des Vereins Bikut die wichtigsten Etappen auf die Keramikplatten gemalt.

Porzellanmalerei lernte die Tornowerin in Meißen

Die Tornowerin hat sich schon immer gern mit Kunst beschäftigt. „Was mir unter die Finger kam, habe ich bearbeitet“, erzählt die 1941 mitten im Krieg geborene Frau. Als sie 60 wurde, bekam sie von der Familie einen Kurs für Porzellanmalerei in der weltberühmten Meißner Porzellan-Manufaktur geschenkt. Inzwischen ist Helga Winkler einige Male dort gewesen. „Ich lerne jedes Mal wieder etwas Neues dazu“, sagt sie. Diese Spezialisierung lässt alles andere, was Helga Winkler früher künstlerisch mit den unterschiedlichsten Materialien schuf, in den Hintergrund treten. Mit der Porzellanmalerei hat die inzwischen Mittsiebzigerin ihr Metier gefunden. Genau genommen hat das Porzellan sie schon immer fasziniert. Bis heute kann sich Helga Winkler an einen Film über die Meißner Porzellan-Manufaktur erinnern, den sie als Mädchen gesehen hat. Darin tauchte auch der Porzellan-Erfinder Johann Friedrich Böttger auf, der von August dem Starken den Befehl erhalten hatte: „Schaff er mir Gold!“ Das ist ihm auf außergewöhnliche Art gelungen. Helga Winkler steht in gewisser Weise in dessen Tradition.

Von Andrea Müller

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