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Am letzten Schultag bleibt ein Wunsch offen

Grundschule Zeesen verabschiedet Schulleiter Am letzten Schultag bleibt ein Wunsch offen

Seit mehr als 25 Jahren führt Hans-Peter Schütze an der Grundschule in Zeesen Regie. Bald hat seinen letzten Schultag. Ehe er in den Ruhestand geht, denkt er noch einmal zurück. 1990 wurde an der Zeesener Schule noch jeder Klassenraum mit einem Kachelofen beheizt. Heute hingegen ist selbst die Wandtafel computergestützt. Nur ein großer Traum blieb für ihn unerfüllt.

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Schulleiter Hans-Peter Schütze schießt in wenigen Tagen an der Grundschule in Zeesen sein letztes Tor, mit dem er sich in den Ruhestand verabschieden wird.

Quelle: Franziska Mohr

Zeesen. In der Schule war Hans-Peter Schütze einst selbst alles andere als ein Musterknabe. „Der typische Einser-Kandidat war ich nicht“, gesteht der 65-Jährige freimütig. Aber Sport hat ihn immer gereizt, vor allem dem Judo galt seine Leidenschaft. Nach dem Abitur entschied er sich daher für den Beruf des Sportlehrers. Und da es damals in jedem Fall noch ein zweites Unterrichtsfach sein musste, kam im Studium an der Humboldt-Universität noch Geografie hinzu.

Seinen ersten Unterrichtstag als Lehrer erlebte Hans-Peter Schütze vor mehr als 40 Jahren an der Polytechnischen Oberschule (heute Grundschule) in Wildau, ehe er 1982 zum Kreisturnrat, verantwortlich für die Organisation des außerunterrichtlichen Sports im Landkreis Königs Wusterhausen berufen wurde. „Lang, lang ist’s her“, sagt er und atmet hinter seinem Schreibtisch an der Zeesener Grundschule tief durch. „Diesen Stuhl verdanke ich vor allem dem damaligen Kreisschulrat Werner Weiss“, sagt Schütze locker. „Er meinte 1990, dass ich unbedingt die Zeesener Schule übernehmen müsse.“ Und so geschah es. Dabei kann Schütze heute selbst kaum noch glauben, dass sich damals die Toiletten auf dem Schulhof befanden und jedes Klassenzimmer noch mit einem Kachelofen beheizt wurde. „Bei strengem Frost platzte der Hausmeister ständig mitten in den Unterricht, um Kohlen nachzulegen“, erinnert sich Schütze schmunzelnd. Die Schule, 1892 mit 17 Schülern gegründet, war mehr als 100 Jahre alt, und dies sah man ihr mit den windschiefen Fenstern und dem kaputten Dach auch an. Heute hingegen ist die Zeesener Grundschule eine der modernsten im Landkreis, in der statt mit Kreide mit computergestützten Wandtafeln unterrichtet wird.

„Der Kuschelecken-Pädagogik sind wir hier nie erlegen“, sagt Schütze stolz. Das 17-köpfige Pädagogenkollektiv hat das Ziel, dass die Erstklässler ihren Eltern schon unter dem Weihnachtsbaum etwas vorlesen können. Gefordert sind heute richtige Lesefähigkeiten aber erst Ende des zweiten Schuljahres. „Das bringt uns so manche Diskussionen mit Eltern ein, die glauben, dass wir ihre Kinder überfordern. Aber das halten wir aus“, sagt Schütze gelassen. Zumal die Zeesener Grundschule auch bei den Gymnasien in der Region einen guten Ruf genießt.

Unvergesslich ist für den Schulleiter auch die im Jahr 2000 gefeierte Eröffnung der neuen Sporthalle. Nach 108 Jahren hatte die Schule endlich eine Sporthalle, nachdem die Kinder zuvor über Jahre in einem alten Kneipensaal turnen mussten.

Zur Schulpolitik der Oberen in den Ministerien hat Schütze schon immer seine eigene Meinung – vor und nach der Wende. Eine Inklusion um jeden Preis lehnt er ab. Und dies, obwohl er im Unterschied zu vielen anderen Schulleitern in der Region schon in den 90er Jahren bereit war, autistische, in Senzig beheimatete Zwillinge an seiner Schule zu unterrichten. „Wir haben hier ein so gutes Konzept entwickelt, dass sie später sogar studieren konnten“. Das bewertet Schütze noch heute als seinen größten Erfolg. Für bedenklich hält er den derzeitigen Ansturm auf die Privatschulen. „Viele Eltern vergessen, dass ihr Kind dort ein Kunde ist“, sagt er.

Für Schütze ist die Leitung einer Schule in einem Ort wie Zeesen ohne eine kommunalpolitische Mitsprache nicht denkbar. Daher engagierte er sich ab 1990 in der Gemeindevertretung beziehungsweise bis 2014 auch in der CDU-Fraktion des Stadtparlamentes in Königs Wusterhausen. Einige Zeit war er zudem Ortsvorsteher in Zeesen. Ein Traum hat sich für ihn dabei allerdings nicht erfüllt. „Die Schule platzt mit 297 Kindern aus allen Nähten. Ich hätte so gern noch einen Schulneubau eröffnet“. Das allerdings ist vielleicht seinem Stellvertreter und möglichen Nachfolger Andre Hollo vergönnt. Ein wenig aber bleibt Schütze der Zeesener Grundschule noch treu. Auch als Pensionär leitet er dort noch eine Arbeitsgemeinschaft für Computertechnik. Außerdem besuchen schon jetzt zwei seiner vier Enkel „seine“ Schule.

Von Franziska Mohr

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