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Analytiker, Stratege, Kämpfer gegen Rechts

Zum Tod von Klaus Ness Analytiker, Stratege, Kämpfer gegen Rechts

Parteikollegen wie politische Kontrahenten der Region sind betroffen vom plötzlichen Tod des Vorsitzenden der SPD-Landtagsfraktion, Klaus Ness. Er war für die Brandenburger SPD, aber auch für die Region Dahmeland-Fläming einer der bedeutendsten und wichtigsten Politiker, der strategisches Denken mit unermüdlichem Engagement für die Demokratie verband.

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Der SPD-Fraktionsvorsitzende Klaus Ness war ein nachdenklicher und aufmerksamer Gesprächspartner.

Quelle: G. Irmscher

Königs Wusterhausen. „Geschockt“, „untröstlich“, „unfassbar“: Mit Trauer und Entsetzen reagieren politische Weggefährten aus der Region auf den überraschenden Tod von SPD-Landtags-Fraktionschef Klaus Ness. Der 53 Jahre alte Ness, der seit 2009 den Wahlkreis 27 und damit vor allem die Stadt Königs Wusterhausen im Landtag vertrat, war am späten Donnerstagabend im Landtagsgebäude zusammengebrochen und kurz darauf im Bergmann-Klinikum verstorben.

Sein Tod ist ein schwerer Schlag für die Sozialdemokraten im Land. Ness galt als zentrale Figur in der SPD, als wichtigster Parteistratege und einer der Garanten für die Wahlerfolge der Sozialdemokraten. Aber auch in der Region hat er als Direktkandidat Spuren hinterlassen. Parteigenossen wie politische Kontrahenten würdigten am Freitag einhellig die analytischen Fähigkeiten von Ness, sein strategisches Geschick und seinen Einsatz gegen Rechtsextremismus.

Den Tränen nahe

Die persönliche Betroffenheit ist groß. Die Fraktionskolleginnen Tina Fischer und Sylvia Lehmann waren am Freitag den Tränen nahe, der Landrat von Dahme-Spreewald, Stephan Loge, zeigte sich ebenfalls zutiefst erschüttert. „Wie ich mich angesichts dieser Nachricht fühle, kann man nicht in Worte fassen“, sagte er.

Loge und Ness saßen jahrelang zusammen im Parteivorstand, sie kannten sich persönlich gut. Ness war überdies einer der wichtigsten Ansprechpartner für Loge, wenn es um die Wahrung der Landkreisinteressen im Land ging. Entsprechend hob Loge auch die Leistungen hervor, die Klaus Ness für den Landkreis Dahme-Spreewald erbracht hat, vor allem die Sicherung des Amtsgerichts in Königs Wusterhausen. „Den Standort des Amtsgerichts hätten wir ohne Klaus Ness überhaupt nicht mehr. Und dass jetzt dort in solcher Dimension saniert wird, ist sein erheblicher Verdienst.“

Klaus Ness, der aus Peine in Niedersachsen stammt, war seit den frühen 90er Jahren für den SPD-Landesverband Brandenburg tätig, erst als Referent, dann als Landesgeschäftsführer, seit 2006 als Landesgeneralsekretär. Er entwarf die Strategien für die Landtagswahlkämpfe, arbeitete eng mit den Abgeordneten zusammen, 2009 kandidierte er schließlich im Wahlkreis Dahme-Spreewald II/Oder-Spree I, wodurch er sein Engagement in der Region und vor allem seine Beziehungen nach Königs Wusterhausen intensivierte.

Ein großer Verlust für Königs Wusterhausen

„Für die Stadt Königs Wusterhausen ist es ein unersetzbarer Verlust – er war für uns praktisch Türöffner auf Regierungsebene“, sagt Bürgermeister Lutz Franzke (SPD), der sich auch persönlich betroffen zeigte. „Die Nachricht hat mich stark mitgenommen. Am Donnerstag haben wir noch telefoniert, da war er wie immer der harte Hund.“ In der Zusammenarbeit mit der Stadt sei Ness verlässlich gewesen und dabei direkt, „auch wenn er dadurch nicht nur Freunde hatte“, so Franzke. „Er war verbindlich – bei ihm galt das gesprochene Wort.“

Sylvia Lehmann, langjährige Wegbegleiterin von Ness und Landtagsabgeordnete für den Süden von Dahme-Spreewald, würdigte Ness als „einen ganz großen Strategen, einen ganz großen Sozialdemokraten in Brandenburg und einen hervorragenden Politiker“. Und sie fügt hinzu: „Ich habe vieles an ihm bewundert. Er konnte toll überzeugen und ließ sich auch überzeugen.“

Analytiker, Stratege, Kämpfer gegen Rechts – das sind Worte, die am Freitag vielen beim Gedanken an Klaus Ness einfielen. „Bewundert habe ich ihn für seine ganz klare Haltung zum Thema Rechtsextremismus – da gab es für ihn kein Wenn und Aber“, sagte Sylvia Lehmann. Tina Fischer, SPD-Landtagsabgeordnete für den Norden von Dahme-Spreewald, drückt es ähnlich aus: „Sein Kampf gegen Rechtsextremismus und für die Mitte der Gesellschaft war her-ausragend. Das Wort Verlust fasst es noch viel zu klein.“

Erik Stohn, SPD-Landtagsabgeordneter aus Jüterbog, äußerte sich auf Facebook schockiert angesichts der Todesnachricht: „Richtig kennen- und schätzen gelernt habe ich ihn im vergangenen Jahr als junger Abgeordneter. Ich war froh, mir beim ihm, der in langen Linien dachte, Rat holen zu können.“ Helmut Barthel, Landtagsabgeordneter der SPD im Wahlkreis Teltow-Fläming I, spricht von Ness als jemandem, „der es verstanden hat, Leute für neue Ideen zu begeistern.“

Opposition geschockt

Auch die politischen Kontrahenten zeigen sich geschockt. „Das muss man erst einmal verdauen. Ich hab noch in dieser Woche mit ihm gesprochen. Auch wenn wir in der Sache nicht immer einer Meinung waren, so habe ich ihn doch als Kollegen und Vorsitzenden der SPD-Fraktion sehr geschätzt“, sagt Björn Lakenmacher, CDU-Landtagsabgeordneter für Dahme-Spreewald. Sein Fraktionskollege und CDU-Chef von Teltow-Fläming, Danny Eichelbaum, sagt: „Brandenburg verliert mit ihm einen streitbaren und mutigen Kämpfer für Demokratie und gegen Rechtsradikalismus.“ Auch Fraktionskollege Stefan Ludwig, der für die Linke im Landtag sitzt, würdige Ness’ Verdienst: „Die Linke Dahme-Spreewald trauert um einen Politiker, der sich für die Region sehr stark gemacht hat. Wir sind bestürzt und trauern mit der sozialdemokratischen Partei um einen verdienten Politiker. Er war, was nicht immer der Fall ist in der Politik, sehr zielstrebig und behielt stets das große Ganze im Blick.“

Dietlind Biesterfeld, Unterbezirksvorsitzender der SPD Teltow-Fläming, fand in einer Stellungnahme neben den Würdigungen auch nachdenkliche Worte über die Belastungen des Politikerberufs: „Wir müssen auch konstatieren, dass der enorme Einsatz von Energie, Lebenskraft und Gesundheit, den die Allgemeinheit vom Politiker erwartet und den mancher Politiker von sich selbst erwartet, geradezu mörderisch ist.“

Was der Verlust von Ness auf allen Ebenen bedeutet, fasste Sylvia Lehmann so zusammen: „Klaus Ness reißt eine ganz große Lücke. Ich vermisse ihn jetzt schon.“

Im SPD-Bürgerbüro in der Schlossstraße 6 in Königs Wusterhausen wird ab Montag ein Kondolenzbuch ausgelegt.

Von Anne-Kathrin Fischer

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