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Asterix sorgt für weniger Fluglärm

Anecom Aero Test Asterix sorgt für weniger Fluglärm

Das in Wildau beheimatete Unternehmen Anecom Aero Test trägt mit seinen Prüfständen Asterix, Obelix und Troubadix den Namen Wildau bis nach China, Indien und die USA. Diese Hightech sorgt weltweit für weniger Fluglärm. Das Unternehmen mit seinem Geschäftsführer Edmund Ahlers unterhält Geschäftsbeziehungen in über 20 Länder.

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Edmund Ahlers in der großen Schallkammer mit den 40 000 trapezförmigen Keilen.

Quelle: Gerlinde Irmscher

Wildau. Das Thema Lärm bildet in Wildau seit Jahren ein heiß umstrittenes Thema. Schon heute fühlen sich nach einer MAZ-Umfrage jeweils etwa ein Drittel der Einwohner durch Autobahn-, Bahn- und Straßenverkehrslärm sowie 23 Prozent auch durch den Fluglärm in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt. Und mit der Eröffnung des BER werden es ganz sicher nicht weniger. Das weiß auch Edmund Ahlers, der Geschäftsführer der seit 2002 in Wildau ansässigen Anecom Aero Test GmbH.

Seit mehr als 30 Jahren beschäftigt er sich mit Flugzeug- beziehungsweise Gasturbinen, um sie nicht nur effizienter, sondern vor allem auch leiser zu gestalten. Das diesbezüglich ausgerechnet die drei Comic-Figuren Asterix, Obelix und Troubadix einen Teil des Erfolges bilden, ahnen nur wenige. Schließlich bringt Obelix & Co. kaum jemand mit Hightech und schon gar nicht mit Verdichterprüfständen für Flugzeuge in Verbindung. Edmund Ahlers allerdings schon. Freimütig gesteht er, dass er vor etwa 15 Jahren bei einem Bier auf die Idee kam, seine Prüfstände, die größten dieser Art in Europa, nach diesen seinen Lieblingen zu benennen.

Zahlreiche Materialtests

Das Schönste aber ist, dass diese technischen „Comics“ aufgrund intensiver Forschungen schon einiges bewirkten. „Im Vergleich zur Technologie der 60er Jahre wurden an Flugzeugtriebwerken schon etwa 30 Dezibel eingespart“, sagt Ahlers. Dies gelang unter anderem dadurch, dass die großen Schaufelräder vorn an den Flugzeugturbinen (in der Fachsprache „Fan“) heute nicht mehr einfach gerade sind, sondern aerodynamisch angepasst wurden, wodurch weitaus weniger Verwirbelungen entstehen. Auch die Gehäusewand im Einlauf des Triebwerkes gestalten die Ingenieure und Techniker jetzt als eine Art Schalldämpfer aus. Das bedurfte auch unzähliger Materialtests.

Hintergrund

Die Anecom Aero Test GmbH mit Sitz im Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Wildau wurde 2002 gegründet. Gesellschafter sind Rolls-Royce Deutschland, die MDS Aerosupport Corporation, die BC Brandenburg Capital sowie Geschäftsführer Edmund Ahlers.

Drei große Verdichterprüfstände stehen in Wildau, an denen die Luftströme und der Schall von Flugzeugen und Gasturbinen getestet werden.

In etwa 20 Länder, neben Europa vor allem die USA, Kanada, China und Indien, unterhält das Unternehmen heute Geschäftsbeziehungen.

Vor knapp 15 Jahren waren bei Anecom Aero Test 20 Mitarbeiter beschäftigt, heute sind es 200. Der Umsatz stieg von vier Millionen Euro 2003 auf im vorigen Jahr 34 Millionen Euro. Am Standort Wildau wurden in das Unternehmen etwa 50 Millionen Euro investiert.

Diese technischen Forschungen schätzt man inzwischen selbst in China, wo Anecom Aero Test inzwischen einen wichtigen Anteil seines Gesamtumsatzes realisiert. Das war allerdings nicht immer so. Nach dem Banken-Crash 2008 sowie, wie Ahlers unverhohlen einräumt, „auch eigenen Fehlern“ ging es dem Unternehmen zeitweise nicht gut. Es gab sogar Kurzarbeit. „Aber wir haben daraus gelernt und schwimmen jetzt wieder als kleine Firma mit den großen Fischen“, sagt Ahlers schmunzelnd und verweist darauf, dass sein Unternehmen nicht nur mit Siemens oder Rolls-Royce kooperiert, sondern im kleinen Wildau auch schon den Chef des staatlichen chinesischen Großkonzerns Avic International begrüßen konnte, in dem sage und schreibe 450 000 Mitarbeiter tätig sind. „Die Chinesen wollen Triebwerke entwickeln. Da sind wir mit unseren Prüfständen ein interessanter Partner“, sagt Ahlers.

Selbst Experten geraten ins Staunen

Kein Wunder also, dass Edmund Ahlers den brandenburgischen Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD) auf seiner Reise nach China begleitete, nachdem er vorher schon in Anwesenheit des brandenburgischen Wirtschaftsministers in Indien Verträge mit Geschäftspartnern unterzeichnen konnte. Für sie alle sind Obelix & Co. interessant. Hinter dem dicken Comic-Helden Obelix verbirgt sich bei Anecom Aero Test ein Versuchsstand für Verdichter mit kleinen und mittleren Druckverhältnissen und Triebwerksgebläsen. Dabei können Luftströme von 200 Kilogramm pro Sekunde durchgeblasen werden. Mit dieser Menge könnten immerhin 60 000 Menschen mit Luft versorgt werden. Und beim Prüfstand „Troubadix“ kommen selbst Experten ins Staunen. Die 1000 Quadratmeter große und zehn Meter hohe Schallkammer ähnelt fast einer Kunsthalle. Und dieser Vergleich ist auch gar nicht so falsch. Handelt es sich doch um eine Art Tonstudio für Triebwerkslärm, in dem der Schall an der Wand verschluckt wird. Ingenieure analysieren hier den Schall an Triebwerksgebläsen. Dazu wurde die gesamte Halle mit 40 000 trapezförmigen Keilen aus Steinwolle ausgekleidet, die jeweils etwa 40 Zentimeter breit und 30 Zentimeter hoch sind. Ihre Montage dauerte einst allein zwei Monate.

Weltweites Interesse an Schallkammer

Durch dieses reflexionsarme Auskleiden können die akustischen Verhältnisse auf dem Rollfeld eines Flughafens simuliert werden. Außerdem sind hier 25 Fernfeldmikrofone fest installiert und bis zu 500 Mikrofone für Schallmessungen können zugeschaltet werden. „An dieser Kammer besteht ein weltweites Interesse, weil hier die Grundlagen für reduzierte Lärmemissionen von Flugtriebwerken erarbeitet werden“, sagt Ahlers. Bilden Kompressor, Fan sowie Turbine und Brennkammer doch die Hauptlärmquellen eines Triebwerkes. Komplettiert wird die Anlage durch die simultane Erfassung und Online-Überwachung von über 1500 Messgrößen, die vor allem Drücke, Temperaturen, Durchflüsse und Schwingungen erfassen.

Die Gesamtinvestitionen der Firma in Wildau belaufen sich auf etwa 50 Millionen Euro. Geschäftsbeziehungen bestehen weltweit zu knapp 50 Unternehmen. Als Hauptwachstumsmärkte bewertet Ahlers China und Russland, aber auch Nordamerika hat noch Luft nach oben. Dabei gilt für ihn aber eines: Weltweit ist Lärm out!

Von Franziska Mohr

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