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Dahme-Spreewald Auch dritter Anlauf gescheitert
Lokales Dahme-Spreewald Auch dritter Anlauf gescheitert
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00:16 21.02.2017
Paul Gerhardt war Pfarrer in Mittenwalde. Seine Lieder und Gedichte sind weltbekannt. Doch die Stadt entschied, Paul Gerhardt nicht als Beinamen für Mittenwalde zu wollen.. Quelle: Andrea Müller
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Mittenwalde

Die Stadtverordneten von Mittenwalde haben nun zum dritten Mal beschlossen, dass die Stadt nicht den Beinamen Paul Gerhardt tragen soll. Obwohl es dieses Mal in der Beschlussvorlage nur noch um den Namen auf Briefköpfen, in Internetauftritten, Broschüren und auf Werbematerial ging, scheiterte die Beschlussvorlage nun erneut.

Lediglich 14 Stadtverordnete hatten mit Ja gestimmt. Alle drei Vertreter der Linken – das sind Werner Hannig, Carola Müller und Daniela Meißner – votierten in der namentlichen Abstimmung mit Nein. Von insgesamt 19 Stadtverordneten hätten bei einer Dreiviertel-Mehrheit, die laut Angaben aus der Stadtverwaltung Mittenwalde notwendig sei bei einem solchen Beschluss, 14,25 Stimmen für den Beinamen abgegeben werden müssen. So fehlten unterm Strich 0,25 Stimmen . Wären die beiden Abgeordneten von CDU und AfD an diesem Abend in der Sitzung anwesend gewesen, wäre die Entscheidung wohl anders ausgefallen.

Gerhardt ist der erste Ehrenbürger der Stadt

Für Carsten Clemen (CDU) – er leitet auch den Tourismusausschuss – ist es besonders tragisch, dass die Beschlussvorlage in geänderter Form nun zum dritten Mal durchgefallen ist. Statt um die Ortsschilder, die ursprünglich unter dem Stadtnamen den Beinamen Paul Gerhardt tragen sollten, sei es ja jetzt nur noch um die freiwillige Nutzung des Namens für Marketing- und Werbezwecke sowie zur Repräsentation wie etwa auf den Briefköpfen der Stadt gegangen. Zusätzlich sollten entsprechende Hinweisschilder aufgestellt werden. Im Vorfeld hatten sich die Vertreter in den Ortsbeiräten massiv dagegen gewehrt, dass die Bezeichnungen auf den Ortsschildern entsprechend verändert werden. „Wir haben alle Hinweise in die Vorlage gut eingearbeitet“, sagte Clemen vor der Abstimmung.

Paul Gerhardt ist der erste Ehrenbürger der Stadt Mittenwalde und hat den Menschen nach dem 30-jährigen Krieg – die Stadt war bis auf 200 Einwohner zusammen geschrumpft – mit seinem Liedern und Gedichten wieder Hoffnung und Kraft gegeben und so Mittenwalde und seine Bürger aus einer der schlimmsten Krisen überhaupt heraus geführt. Die Lieder Paul Gerhardts sind weltweit bekannt und gehören heute zum Weltkulturerbe. Sie begeistern bei weitem nicht nur Christen, sondern Menschen über Konfessions- und Ländergrenzen hinweg. In Mittenwalde selbst werden sie in vielen Gottesdiensten gesungen. Am Ostermontag soll es in diesem Jahr in Mittenwalde eine besondere Andacht für Paul Gerhardt geben. Ihm zu Ehren steht an der St. Moritz Kirche in Mittenwalde ein Denkmal – es wurde nach der Wende von Karl-Heinz Drogula gestiftet – und die Kirche in Ragow ist nach Paul Gerhardt benannt worden.

Pfarrer Christoph Kurz: „Chance vertan“

In der Sitzung der Stadtverordneten gab es zu der Beschlussvorlage kaum noch Diskussion. Es wurde jeweils nur noch von den Fraktionen kurz Stellung bezogen. Ihr Zustimmung signalisierten SPD, Pro Bürger und CDU. Carola Müller (Linke) sagte, sie persönlich könne keine Veränderungen in der Beschlussvorlage erkennen. Auf die Fraktion bezogen meinte sie: Hier müsse jeder selbst entscheiden.“ Dirk Knuth (CDU) stellte schließlich noch den Antrag auf namentliche Abstimmung.

Der Mittenwalder Pfarrer Christoph kurz hatte am nächsten Tag von der Entscheidung erfahren. „Hier haben einige nicht gelernt, was Paul Gerhardt historisch bedeutet“, sagte er. Mit der Ablehnung des Beinamens für die Stadt sei eine große Chance vertan. „Wer die Paul-Gerhardt-Stadt nicht will, braucht auch keinen Paul-Gerhardt-Wanderweg“, so Kurz. Ein solcher Weg soll in diesem Jahr eröffnet werden und auch durch Mittenwalde führen. „Die Stadt hat sich damit einen Bärendienst erwiesen“, meint der Pfarrer, dessen Kirchgemeinde seit Beginn dieses Jahres den Namen Paul Gerhardt trägt. Auf dem Briefkopf der Propstei befindet sich seit vielen Jahren schon der Schriftzug Paul-Gerhardt-Stadt Mittenwalde. Denn schon einmal hatte die Stadt Anfang der 2000er Jahre einen Beschluss dazu gefasst, der jedoch nie umgesetzt worden war. Kurz vermutet, dass es bei der Abstimmung jetzt eben nicht um die Sache ging, sondern darum, wer (CDU) den Vorschlag eingebracht hatte.

Carsten Clemen kündigte an, vorerst keinen weiteren Anlauf zu starten, um der Stadt doch noch zu ihrem Beinamen zu verhelfen. „Ich will mich nicht zum Kasper machen“, meinte er am Donnerstag auf MAZ-Anfrage.

Von Andrea Müller

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