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Auf 180 nach Post aus dem Rathaus

Schulzendorf will Ordnung schaffen Auf 180 nach Post aus dem Rathaus

Die Gemeinde Schulzendorf ist sie laut Brandenburgischem Straßengesetz verpflichtet, einerseits Land – sogenannte Vorflächen – zu verkaufen, andererseits aufzukaufen. Allerdings sind die Preise sehr unterschiedlich. Die Bürger sollen für 1,20 Euro pro Quadratmeter verkaufen. Die Gemeinde verkauft für 65 bis 100 Euro. Grund ist die Definition des Landes.

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Sabine Hadel zeigt, wie viel Platz ist zwischen ihrer Auffahrt und dem Zaun, der bedeutend weiter vorn stehen müsste.

Quelle: Andrea Müller

Schulzendorf. Die Gemeinde Schulzendorf will Ordnung im Straßenland schaffen. Deswegen verkauft sie einerseits Vorflächen (MAZ berichtete). Andererseits muss sie welche ankaufen. Für Unmut im Ort sorgen die unterschiedlichen Preise.

„Wir sollen 95 Quadratmeter unseres Grundstücks an die Gemeinde verkaufen. Für 1,20 Euro den Quadratmeter“, regt sich Sabine Hadel aus der Weimarer Straße auf. Sie weiß aber, dass Anwohner der Ernst-Thälmann-Straße Vorflächen an die Gemeinde verkaufen sollen: Für 65 bis 100 Euro den Quadratmeter. „Als ich das erfahren habe, das hat mich so wütend gemacht“, wird die Schulzendorferin gar nicht über diese schreiende Ungerechtigkeit fertig. Sie will jetzt der Gemeinde einen Brief schreiben und ihr anbieten, ihre Vorfläche für 65 Euro den Quadratmeter aufzukaufen.

Vor elf Jahren war Sabine Hadel aus Zeuthen nach Schulzendorf gezogen. Noch früher war sie in Berlin zu Hause, wo sie heute bei einem Juwelier arbeitet. Gemeinsam mit ihrem künftigen Mann hat sich die Frau das Grundstück in der Weimarer Straße damals angesehen. Sie entschied sich, es zu kaufen. Seither haben sie es gemeinsam Stück für Stück in Ordnung gebracht. Sabine Hadel zeigt Fotos, wie es dort einmal ausgesehen hat. Heute ist es ein kleines Idyll mitten im Grünen. Das habe sie ein hübsches Sümmchen Geld gekostet. Dazu gekommen seien dann peu à peu die Kosten für den Straßenbau und das Abwasser. „Zusammen sind das rund 11 000 Euro“, sagt sie. „Es wird uns ganz schön in die Tasche gegriffen“, meint sie ärgerlich. Doch die Krönung sei nun eben jener Brief aus dem Rathaus. Darin wird ihr mitgeteilt, dass die Gemeinde Straßenland kaufen möchte. Das Brandenburgische Straßengesetz sehe vor, dass nicht Privatleute Eigentümer von Straßenland sind, sondern die Kommunen. Deswegen soll auch Schulzendorf in diesem Punkt Ordnung schaffen. Sabine Hadel bekäme also für ihre 95 Quadratmeter bei einem Preis von 1,20 Euro für die Vorfläche ganze 114 Euro. Würde jemand hingegen aus der Ernst-Thälmann-Straße die gleiche Fläche von der Gemeinde kaufen, müsste er mindestens 6175 Euro bezahlen. „Diesen Unterschied sehe ich einfach nicht ein“, klagt Sabine Hadel. Vor elf Jahren hatte sie dieses Grundstück auch nicht für 1,20 Euro pro Quadratmeter bekommen.

Bürgermeister Markus Mücke (parteilos) kann die Aufregung nachvollziehen. Doch gebe es eine klare Grundlage für die unterschiedlichen Quadratmeterpreise. „Bei den Grundstücken in der Thälmannstraße handelt es sich um Bauland. Bei den anderen um Straßenland“, sagt er. Dieses sei schon sehr lange in den Karten von Schulzendorf als Straßenland definiert. Dass es noch immer in Privatbesitz ist, sei nicht in Ordnung. „Deswegen muss es die Gemeinde nun aufkaufen“, so der Gemeinde-Chef.

Bei den Hadels und anderen Anwohnern in der Weimarer Straße ist das Dilemma deutlich zu sehen. Ihre Zäune sind zu weit hinten, müssten eigentlich weiter auf der Straße stehen. Nämlich an dem Punkt, wo die neu gebauten Einfahrten aufhören. Bis zum Tor ist nur blanke Erde. Einige Grundstücksbesitzer haben ihre Zäune schon nach vorn an den rechten Punkt gerückt. Ob sie ihr Land zu dem Billig-Preis an die Gemeinde verkauft haben, weiß Sabine Hadel nicht. Sie würde gern Mitstreiter finden, die bereit sind, sich gegen diese Willkür zu wehren. Sie selbst will jedenfalls nicht verkaufen, obwohl sie weiß, dass ihr im Ernstfall sogar Enteignung droht.

Von Andrea Müller

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