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Auf dem Berg der Langsamkeit

Kolberg Auf dem Berg der Langsamkeit

Der in Kolberg lebende Schauspieler und Autor Peter Reusse hat ein tragikomisches Buch über die Einsamkeit geschrieben. Es ist mittlerweile Reusses zehntes Buch. Es heißt „Kerbs Tag“ und ist eine Erzählung.

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Ein Blick in Peter Reusses Atelier in seinem Kolberger Garten.

Quelle: Heidrun Voigt

Kolberg. Kolberg ist für mich die Entdeckung der Langsamkeit“, sa

Die Straße zum Kolberg hinauf ist holprig. Man muss einen Gang runterschalten. Grüner Zaun, gelbes Haus, dahinter ein Garten, der sich verwunschen am Hang fallen lässt und in eine Wiese mit Teich mündet. Reusse steht am Tor. Ein verschmitzter Junge mit weißem Haar und Furchen im Gesicht. Er beruhigt Hündin Lotte.

Raus aus der Berlin

Vor neun Jahren hat Peter Reusse sich mit seiner Frau Sigrid Göhler aus dem quirligen Berlin davongemacht. Der Schauspieler, der wie seine Frau an der Filmhochschule Babelsberg studierte, ist aus vielen Defa- und Fernsehfilmen bekannt. Mehr als 20 Jahre gehörte er zum Ensemble des Deutschen Theaters. Nachdem er Anfang der Neunziger bei einer Probe auf der Bühne zusammengebrochen war, wandte er sich von der Schauspielerei ab und konzentrierte sich aufs Malen und Schreiben. Seinen Abgang vom Theater hat er in dem Buch „Der Eismann geht. Krise eines Schauspielers“ thematisiert.

Mittlerweile hat Reusse sein zehntes Buch veröffentlicht. „Kerbs Tag“ ist eine Erzählung über die Einsamkeit. Rainer Maria Rilke vergleicht die Einsamkeit mit der Monotonie des Regens, Hermann Hesse mit einem isolierenden Nebel. Für Reusses Protagonisten ist die Einsamkeit eine Bühne. Er lässt sein Leben auf ihr vorüberziehen, weist Rollen zu, holt seine Frau, seine Geliebte, seine Freunde in eine imaginäre Gegenwart. Die Fenster seiner Wohnung hat er zugeklebt. Seine Karriere als Wissenschaftler an den Nagel gehängt. Er will ein Buch schreiben, aber es hapert mit dem ersten Satz. Immer wieder streut Reusse berühmte Romananfänge in seine Erzählung. Mit sprachlicher Souveränität und subtilem Humor erzählt der Autor seine melancholische Geschichte.

Eigendynamik beim Schreiben

„Beim Schreiben hat mich mein Text oft überholt und eine Eigendynamik entfaltet. Das war ein spannender und schöner Prozess“, sagt Reusse. Er hat Kerb zur Hälfte schon im Rohbau geschrieben, als er noch als Schauspieler arbeitete. Seitdem er in Kolberg lebt, ist er seiner Intention zu schreiben intensiv nachgegangen und hat ausgegraben, was sich über Jahre angesammelt hat. Tiefernste Texte seien nicht sein Ding, betont der Autor. Das Tragikomische dagegen schon eher. „Ich habe mich mit Freude und Interesse Herrn Kerb gewidmet, und wenn er stirbt zum Schluss, soll das nicht zur Traurigkeit v

Den Einband seiner Bücher gestaltet Reusse selbst. „Das Cover zu machen bedeutet, noch ein Kapitel hinzuzufüge

Kennt Peter Reusse Schreibblockaden? Er sei keiner, der sich vier, sechs, acht Stunden hinsetze, sagt er. Es kämen Schübe, dann gebe es kein Halten. „Bei einem Leerlauf arbeite ich an der Staffelei. Wenn ich mir anschließend die Ölfarbe von den Händen kratze, kommen mir die Ideen“, sagt Reusse.

Atelier im Garten

Sein Atelier steht unten im Garten. Ein ehemaliger Schuppen, durch dessen Ritzen die Sonne Streifen wirft. Er ist voller Erinnerungen: alte Eintrittskarten, Zeitungsausschnitte, Bilder. Eine Schärpe, auf der steht „Keine Gewalt“. Ein Relikt von der Demonstration im November 1989 auf dem Alexanderplatz. Pinsel, Farbtöpfe, ein Sessel, ein Brennofen. „Keramikade“ nennt Reusse sein Refugium.

Geschrieben hat Peter Reusse schon immer. Wenn er auf Gastspielreise war, beispielsweise in Edinburgh oder Venedig, hat er für „Neues Leben“ oder „Das Magazin“ darüber berichtet. Für den „Filmspiegel“ hat er Interviews mit Kollegen gemacht. So konnte er sein Budget aufbessern, denn seine erste Gage als Diplomschauspieler betrug ganze 425 Mark der DDR.

Seinen Kerb hat Peter Reusse Ende des vergangenen Jahres abgeschlossen. „Es ist eine große Befriedigung, wenn man es geschafft hat. Trenne ich mich von einem Buch, wird es mit jedem Tag fremder“, sagt er. Und es ist Platz für ein neues. Peter Reusse arbeitet zurzeit an „Berliner Nachtgeschichten“, eine Anlehnung an E. T. A. Hoffmanns „Elixiere des Teufels“.

Info: Peter Reusses neues Buch „Kerbs Tag“ ist bei Epubli erschienen, hat 156 Seiten und ist im Buchhandel für 11,99 Euro erhältlich.

Von Heidrun Voigt

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