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Auf dem Weg zum Lebensretter

12. Internationaler Blutspendetag Auf dem Weg zum Lebensretter

Der 12. Internationale Blutspendetag am kommenden Sonntag wird zur Ehren des Pioniers der Transfusionsmedizin, Karl Landsteiner, begangen. Im Vorfeld hat sich MAZ-Volontärin Luise Fröhlich im Selbsttest einer Blutspende beim DRK im Volkshaus Wildau unterzogen und berichtet von der Aufregung, die selbst routinierten Spender begegnet.

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Kradfahrer im Krankenhaus

Mit Blutgruppe Null, Rhesusfaktor negativ, zähle ich zu den gefragtesten Spendern.

Quelle: Gerlinde Irmscher

Wildau. Blut. Überall Blut, in Schläuchen, Reagenzgläsern und Plastik-Behältern. Und ich strecke mich mittendrin auf einer blauen Klappliege. Ich spüre das kalte Desinfektionsmittel auf meiner Haut und weiß: Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Schwester Bärbel nähert sich mit der Nadel. Ich gucke vorsichtshalber weg. „Und Sie haben wirklich genug gegessen?“ Ich bin mir nicht sicher.

Anlässlich des Weltblutspendetags am Sonntag, dem 14. Juni, lasse ich mir mein kostbarstes Gut abzapfen. Es ist meine zweite Blutspende. Und meine erste liegt sechs Jahre zurück, deswegen werde ich bei dem Anblick im Wildauer Volkshaus doch etwas nervös. Blutspenden bedeutet nicht nur Leben zu retten, sondern auch tapfer zu sein. Aufregung gehört irgendwie dazu.

Am Anfang geht alles ganz schnell. Erst melde ich mich an. Ein Pfleger misst meine Körpertemperatur und bestimmt den Eisenwert in meinem Blut. 14,6 zeigt der Apparat. Ich bin beruhigt. „Frauen dürfen ab einem Wert von 12,0 spenden“, sagt der Pfleger. Eisen ist als Spurenelement dafür verantwortlich, den roten Blutfarbstoff Hämoglobin zu bilden.

Dann geht der Bürokratie-Marathon weiter. Hinter einer Pappwand sitzt Volker Krastel, Allgemeinmediziner aus Wildau. Seit sechs Jahren arbeitet er für den Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Der Arzt prüft, ob die Spender gesundheitlich in der Lage sind, Blut abzugeben. Krastel überfliegt meinen Anamnesebogen und bittet mich, den Arm in die Schlaufe des Blutdruckmessgeräts zu legen. Da ist sie wieder: meine Arzt-Krankheit. Sobald ein Mediziner zu sehen ist, steigt mein Blutdruck. Dazu die Nervosität und die Angst vor der Nadel, keine gute Kombination. „Der Puls ist etwas erhöht“, sagt er. Das Display zeigt 139. Er unterschreibt und lässt mich gehen, zu den Klappliegen und Schwester Bärbel.

Blutspender werden immer gebraucht

Bärbel Pries trägt einen braunen Kurzhaarschnitt. Über ihre Brille mustert sie mein Gesicht, während sie mich über Risiken und Nebenwirkungen aufklärt. Hauptamtlich lässt sie seit 20 Jahren für den DRK in Südbrandenburg Spender zur Ader. „Blutspender werden immer gebraucht, vor allem im Sommer. Viele, die sonst kommen, sind im Urlaub“, sagt sie. Rund 15 000 Blutspenden brauchen Krankenhäuser in ganz Deutschland täglich für ihre Patienten. 2,3 Millionen Liter Blut wurden im vergangenen Jahr bundesweit gespendet. Damit könnte man ein olympisches Schwimmbecken füllen. „Krebspatienten und Unfallopfer brauchen das Blut am dringendsten“, sagt Pries. Nur gut, dass ich da bin.

In einem Blechschälchen liegt der Beutel, in den mein Blut fließen wird, daneben Nadel und Kanüle. Bevor es losgeht, fragt Schwester Bärbel mich noch einmal nach meinem Namen und Geburtsdatum. Wahrscheinlich ein Test, ob ich noch bei Sinnen bin. Dann schnürt sie meinen Arm ab und beugt ihn so weit, bis sie das blaue Äderchen sehen kann. Auf der Liege neben mir hat mittlerweile Frank Nerlich aus Wildau Platz genommen. Er ist zum 18. Mal bei der Blutspende, ein Routinier. Schwester Bärbel zapft mich an. Ein Stich, ein Schmerz, dann ist es vorbei. Ich atme auf. Das Einzige, was ich jetzt noch spüre, ist ein Kribbeln im Arm, das Beben meiner Aufregung und die Wärme des Schlauches, durch den mein dunkelrotes Blut fließt.

Nerlich erzählt mir, dass er Drillingsvater ist und das erste Mal zu DDR-Zeiten während seiner Lehre gespendet hat. „Dafür gab es damals Freistunden, das war ein nützlicher Nebeneffekt“, sagt er. Im Vordergrund aber stand für ihn der Wunsch, Menschenleben zu retten. Ein einziges Mal sei Nerlich bei der Spende schummrig geworden. „Ich bin nicht richtig umgekippt, das war eher wie ein Blackout.“ Ein bisschen Aufregung gehört für ihn selbst nach der 18. Blutspende noch dazu. Er nennt das eine „natürliche Nervosität“, wenn er sich um seinen Kreislauf sorgt.

„Bei Männern geht es schneller“

Das Gefühl kenne ich. Nach 270 Millilitern frage ich Schwester Bärbel, ob ich ein schneller oder langsamer Spender bin. „Bei Männern geht es in der Regel schneller, weil sie mehr Druck auf den Blutgefäßen haben.“ Damit ich nicht untätig rumliege, drückt sie mir einen roten Gummiball in die Hand. Den muss ich abwechselnd zusammenquetschen und wieder loslassen.

Nach zehn Minuten habe ich es überstanden. Schwester Bärbel schließt den vollen Beutel. Ein halber Liter ist drin. Sie erklärt, dass mein Blut nach Dresden gefahren und dort so lange geschleudert wird, bis sich die roten Blutkörperchen von den Blutplättchen und dem Plasma trennen. Anschließend kommt es zurück in die Region. Das DRK verspricht mit seiner Aktion „Blutspenden verbindet“, dass das in Wildau gespendete Blut an das Krankenhaus in Königs Wusterhausen geliefert wird und dort Menschen hilft.

Etwas wackelig auf den Beinen verlasse ich das Volkshaus mit meinem Care-Paket: Keksen, Schokolade und einem Apfel. „Bis zum nächsten Mal, und danke!“

Von Luise Fröhlich

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