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Auf die Straßenseite kommt es an

Eichwalde Auf die Straßenseite kommt es an

Die Waldstraße im Norden der Gemeinde Eichwalde ist speziell: Die eine Straßenseite gehört zu Berlin, die andere zu Eichwalde und damit zu Brandenburg. Das bringt im Alltag allerlei Kuriositäten mit sich, darunter die Post, die von Briefträgern aus beiden Bundesländern verteilt wird.

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Die Post wird in der Waldstraße doppelt ausgetragen: Der Postbote aus Eichwalde trägt auf der südlichen Seite aus, der Berliner Briefträger beliefert den nördlichen Teil.

Quelle: Josefine Sack

Eichwalde. Sie sind Nachbarn, wohnen in einer Straße und leben doch in unterschiedlichen Bundesländern: Je nachdem, auf welcher Straßenseite die Anwohner in der Waldstraße wohnen, sind sie entweder Berliner oder Eichwalder. Denn mitten durch die Waldstraße, die im Norden der Gemeinde Eichwalde liegt, verläuft die Grenze zwischen Brandenburg und Berlin. So kommt es, dass die Waldstraße 149 zu Eichwalde gehört, die Nummer 150 aber zu Berlin.

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts gab es immer wieder Bestrebungen beider Länder, die Schmöckwitzer Siedlung nördlich der Waldstraße nach Eichwalde einzugemeinden – oder umgekehrt den Eichwalder Straßenzug mit Berlin zu vereinen. Getan hat sich jedoch nichts. Bis heute gehört die Schmöckwitzer Siedlung zum Berliner Bezirk Treptow-Köpenick. Man hat sich eingerichtet, Tür an Tür mit den Nachbarn des jeweils anderen Bundeslands. Probleme gibt es keine, allenfalls Kuriositäten im Alltag der Grenzbewohner. So wird etwa die Post in der Waldstraße doppelt ausgetragen: Der Postbote aus Eichwalde trägt auf der südlichen Seite der Straße aus, der Berliner Briefträger beliefert hingegen den nördlichen Teil.

Eindeutig Eichwalde

Eindeutig Eichwalde: Die südliche Seite der Waldstraße gehört zu Brandenburg.

Quelle: Josefine Sack

Lebensmittelpunkt ist auch bei vielen Berlinern in Eichwalde

Ärgerlich sei es nur dann, wenn man selbst nicht zu Hause ist, um ein Päckchen entgegenzunehmen, berichtet Sina R. Die junge Mutter wohnt auf der Berliner Seite im Erlengrund. Es sei ihr schon oft passiert, dass sie extra nach Berlin-Grünau fahren musste, um Pakte abzuholen. Dabei ist die Post in Eichwalde gleich um die Ecke, von der Waldstraße aus fußläufig zu erreichen. Geht es um Verwaltungsangelegenheiten, ist Sina R., die aus Königs Wusterhausen stammt, ganz klar Berlinerin. Ihr zweijähriger Sohn Ezra besucht dort die Kita. Zum Einkaufen fährt die Familie aber nur selten nach Grünau. Denn ob S-Bahnhof, Sparkasse, Apotheke, Bäcker oder Supermarkt – in Eichwalde hat die Berlinerin alles, was sie zum Leben braucht.

Andere Schilder, anderes Bundesland

Andere Schilder, anderes Bundesland: Die Nordseite gehört zur Hauptstadt.

Quelle: Josefine Sack

Auch Christian R., der mit seiner Familie 2003 in die Miersdorfer Straße auf der Berliner Seite gezogen ist, fühlt sich eher in Eichwalde als in der benachbarten Metropole zu Hause: „Wir haben zwar das B am Auto, erledigen sonst aber alles in Eichwalde“, sagt er. Kompliziert wurde es nur, als Sohn Domenic auf die Oberschule wechseln sollte. Obwohl die Eichwalder Schule näher ist, geht der 12-Jährige im benachbarten Grünau zur Schule.

Kinder müssen weitere Schulwege auf sich nehmen

Denn wo Kinder im schulpflichtigen Alter zur Schule gehen, richtet sich nach ihrem Wohnort. „Natürlich besuchen auch Berliner Kinder unsere Kitas und Schulen“, bestätigt der Eichwalder Bürgermeister Bernd Speer (parteilos). Weil die Kapazitäten jedoch knapp seien, haben in Eichwalde gemeldete Kinder stets Vorrang. Hin und wieder gebe es auch „Scheinanmeldungen“ in der Gemeinde, wodurch die betroffenen Eltern versuchen, die Ortsbindung bei der Schulanmeldung zu umgehen, so Speer. Kniffelig werde es bei Ordnungswidrigkeiten. In Eichwalde regelt etwa eine Verordnung das Halten und Führen von Hunden, die Leinenpflicht und den Maulkorbzwang für bestimmte Gebiete. Auf der Berliner Seite gelten hingegen wieder andere Bestimmungen. Von solchen Besonderheiten einmal abgesehen, sei man, wenn es etwa um Straßenreinigung oder die gemeinsame Bewirtschaftung des angrenzenden Waldstücks gehe, mit den Nachbarn „in gutem Dialog“, so Speer.

Von Josefine Sack

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