Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
Auf vielfältiger Spurensuche

Königs Wusterhausen Auf vielfältiger Spurensuche

Fünf Künstler nähern sich dem großen Jahresthema des Kulturbundes Dahme-Spreewald in dessen neuester Ausstellung an. Es geht um „Spuren“, mit dabei sind Birgit Ginkels Porträts der Mauertoten und grafische Reflexionen über den Augenblick.

Voriger Artikel
Die Aquamediale vor dem Finale
Nächster Artikel
Der Beginn einer neuen Ära

Karl-Heinz Beck nannte dieses 2014 mit Acryl gemalte Bild „Wasserfall“.

Quelle: Promo

Königs Wusterhausen. Spuren eines Tieres im Schnee, Spuren der Vergangenheit, Spuren von Leben, vom Tod, Spuren eines Augenblicks, eingebrannt als visuelle Notiz im Kopf, als Geruchserinnerung, als Gefühl. All das und viel mehr passt zum großen Jahresthema des Kulturbunds Dahme-Spreewald, dessen Mitstreiter nun unter dem Titel „Spuren“ auch eine große Gruppenausstellung vorbereitet haben. Am 22. September wird sie im Bürgerhaus „Hanns Eisler“ eröffnen, und sie wird auf viele Spuren verweisen. Einige sind anregend, andere erschütternd, manche werden verblüffen.

Plastiken aus Ton

Etwa die, die Susanne Göritz vorstellt. Die in Motzen lebende Künstlerin hat mit Akribie Plastiken geformt aus Ton oder auch einem Ton-Papier-Gemisch. Sie legt dabei gewissermaßen Kleinstlebewesen der Meere unter ein „künstlerisches Mikroskop“, wie ihr ebenfalls ausstellender Galluner Kollege Gerd Bandelow kommentiert. „Schon als Kind faszinierten mich die rätselhaften Formen und Strukturen fossiler Fundstücke, die ich im Kieshaufen meines Vaters aufspürte. Blicke durch Lupe und Mikroskop eröffneten mir weitere Einblicke in diese fremde Welt“, erklärt sie die Faszination für ihre als „Aquafakte“ bezeichneten Objekte. Beginnt sie die Arbeit an einem neuen, sucht sie zunächst nach der Form und überlegt sich die passende Oberflächenstruktur. Was dann entsteht, ist inspiriert von lange Dagewesenem und wirkt zugleich zerbrechlich.

Wie durch ein Prisma besehen wirkt dagegen die Welt von Karl-Heinz Beck, die in einigen seiner Arbeiten expressionistisch in Gestaltung und Farbgebung rüberkommen kann. „Ich komme ja aus der Grafik“, sagt er. „Es ist eine rationale Arbeit, eine dekorative Gestaltung“, erklärt Beck. „Es ist kein Versuch, die Realität einzufangen, sondern neu zu gestalten.“

Menschen im Porträt

Viel Aufmerksamkeit bekam Birgit Ginkel bereits für eine besondere Bilderserie, von der sie nun einige Arbeiten nach Königs Wusterhausen bringen wird. Seit 2012 porträtiert sie Menschen, die an der Berliner Mauer ums Leben gekommen sind. 138 Namen sind derzeit bekannt, 38 dieser Frauen und Männer – und Kinder – hat sie bereits in ihren Porträts festgehalten, für die sie auch Beton der Berliner Mauer zermahlt, ebenso wie den Edelstein Turmalin und Kohle. Die in Potsdam lebende Künstlerin stieß bei Spaziergängen im ehemaligen Grenzgebiet immer wieder auf Hinweistafeln mit Biografien der Todesopfer. Das Thema beschäftigt sie auch aus einem persönlichen Grund. Als sie mit den Geschichten der Mauertoten konfrontiert wurde, fragte sie sich, wie deren Eltern damit klarkommen konnten – die zusätzlich zum Verlust des Kindes noch Ächtungen hinnehmen mussten.

Die in Königs Wusterhausen aufgewachsene Birgit Ginkel kannte Gerd Bandelow noch aus ihrer Jugendzeit, hatte ihn als Kunstlehrer an der Schule und später noch in einer seiner in Wildau angebotenen Kunst-Arbeitsgemeinschaften. Spät erfüllte sie sich ihren Traum und studierte Kunst. Als sie 2010 das Studium beendete, lud sie auch Gerd Bandelow zu ihrer Abschlusspräsentation ein. Im vergangenen Jahr besuchte sie ihn dann in seinem Atelier und erzählte von ihrem speziellen Projekt.

Deutliche Spuren

Anfang des Jahres wählten die Mitglieder des künstlerischen Beirats des Kulturbundes Dahme-Spreewald die Künstler aus, die nun bei der von Horst W. König kuratierten Ausstellung dabei sein werden. Gerd Bandelow, erster stellvertretender Vorsitzender des Vereins, wird selbst unter anderem ein Triptychon zu Halbe zeigen. „Als Lehrer hatte ich meinen ersten Einsatzort in Groß Köris“, erzählt er. Die deutlichen Spuren des Krieges, die kaputten Bunkeranlagen in den umliegenden Wäldern und dann die Kriegsgräberstätte des Waldfriedhofs Halbe berührten ihn tief. Schon in den 1980er Jahren malte er zwei der drei Tafeln. Er präsentierte sie als Abschlussarbeit der Potsdamer Förderklasse, in der er Malerei und Grafik studierte.

Orte im Wandel

Sein Lehrer war dort Wolfgang Liebert, der fünfte Künstler, der an der Königs Wusterhausener Ausstellung beteiligt ist. „Ich war nach der Wende oft hinter der Oder, in der Neumark“, erzählt dieser. Wie sich die Orte, die Landschaften dort in Polen wandeln, hat er in den vergangenen zwei Jahren in Bildern festgehalten. Außerdem hat er Potsdamer Ansichten wie jene vom Jüdischen Friedhof auf dem Pfingstberg ausgewählt für das Bürgerhaus.

Dort wird es während der bis zum 22. Oktober laufenden Schau besondere Veranstaltungen geben. Am 8. Oktober das beliebte Galeriefrühstück mit Gesprächen mit den Künstlern, am 23. September einen Beatles-Abend und am 14. Oktober ein Konzert mit dem chilenischen Gitarristen Cristián Varas. Die Lesung von Marion Brasch am 29. September ist bereits ausverkauft.

Zur Vernissage am 22. September um 19 Uhr spricht Petra Lange, für Musik sorgt der Pianist Timothy Thorson. Die Ausstellung kann bis 22. Oktober immer freitags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr besichtigt werden.

Von Karen Grunow

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Dahme-Spreewald

Wie wichtig sind Ihnen Bio-Lebensmittel?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg