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Ausgesperrte Gesundheitssportler

Wildau Ausgesperrte Gesundheitssportler

Offene Forderungen, Vorwürfe und eine Kündigung: Am Wildorado konkurrieren derzeit zwei Rehasport-Vereine um Mitglieder. Eine Zeuthener Sportgruppe will das Wildauer Bad weiter nutzen, das wird ihnen ab Oktober jedoch verweigert. Die Fronten sind verhärtet.

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VGS-Mitglieder wollen ihren Therapiesport weiter in Wildau ausüben.

Quelle: Uta Schmidt

Wildau. Streit um Reha-Sport im Wildauer Wildorado. Dort konkurrieren derzeit zwei Vereine um Mitglieder. Der Ausgang der Auseinandersetzung ist ungewiss.

Es gibt viele Gründe, warum Menschen nach langer Krankheit oder im fortgeschrittenen Lebensalter Bewegung unter Gleichgesinnten beim Schwimmen, Wandern oder Fitness ausüben wollen. Und das unter fachlicher Anleitung von Therapeuten und Übungsleitern. Eine Aufgabe, der sich seit 2005 der Verein für Gesundheitssport Brandenburg (VGS) verschrieben hat. Im vergangenen Jahr nutzten noch mehr als 400 Mitglieder dessen Angebote im Bereich Rehabilitationssport in Wildau, Erkner und Kleinmachnow. Voraussetzung dafür ist eine ärztliche Verordnung für Reha-Sport. Besonders gefragt waren stets die Schwimm- und Bewegungskurse im Wildauer Wildorado.

Verhärtete Fronten

Ab 1. Oktober jedoch bleibt den VGS-Mitgliedern der Zutritt zum Wildorado im Rahmen ihrer Reha-Sportkurse verwehrt. Geschäftsführer Klaus-Dieter Kurrat sagte, er habe dem Zeuthener Verein die Trainingszeiten nach massiven Differenzen gekündigt. Er begründet den drastischen Schritt mit offenen Forderungen. „Die Unstimmigkeiten bestehen seit dem letzten Quartal 2015 und konnten bis zum heutigen Tag nicht ausgeräumt werden. Die Kündigung wurde fristgemäß im Februar ausgesprochen“, sagt Kurrat. Er spricht von einer „verfahrenen Situation und verhärteten Fronten“. Er fordert vom aktuellen VGS-Vorstand den Nachweis über Einnahmen aus den Verordnungen, auf deren Grundlage sich nach einer Dienstleistungsvereinbarung Forderungen berechnen ließen. Das sei noch nicht erfolgt.

Der kritisierte VGS wirft Kurrat vor, die Buchungsunterlagen an eine dritte Stelle weitergeleitet zu haben. Der Verein habe daher die Rechnungen nicht überprüfen können, so Sven Hielscher, ehemaliges VGS-Vorstandsmitglied. „Kein Geschäftsmann zahlt ohne Belege. Durch Herrn Kurrats Fehlverhalten müssen wir nun die Herausgabe der Unterlagen gerichtlich einklagen.“ Die Zahlungen an die Sportstätte wären aber stets vertragsgerecht veranlasst worden. Nach Unterlagen, die der MAZ vorliegen, beziffern sich die Forderungen des Wildorado auf etwa 80 000 Euro. „Sobald das Gericht die Herausgabe der Unterlagen anordnet, wird ein externer Wirtschaftsprüfer die buchhalterische Seite lückenlos aufarbeiten. Berechtigte Forderungen werden wir sofort bezahlen, dafür haben wir vorsorglich einen größeren Betrag abrufbereit auf einem Notaranderkonto deponiert“, sagt die neue Vizevorsitzende Sabine Lortz. Sie hofft auf eine einvernehmliche Lösung, die es den derzeit 150 Mitgliedern erlaubt, ihren Gesundheitssport im Wildorado auszuüben.

Zeuthener Sportler ratlos

Ob dies möglich sein wird, ist fraglich. „Wir wissen überhaupt nicht, wie es jetzt weitergehen soll, wir wollen einfach nur unseren Sport machen“, sagt Sabine Gadegast. Wie auch andere VGS-Mitglieder sei sie bei bisherigen Besuchen im Wildorado wiederholt aufgefordert worden, aus ihrem Verein auszutreten und Mitglied im neu gegründeten Verein für Freizeit- und Gesundheitssport (VGF) zu werden. Gründungsmitglied ist hier Klaus-Dieter Kurrat. „Wir bieten die gleichen Leistungen wie der VGS an, können Interessierte über die Angebote direkt im Wildorado beraten. Das macht vieles einfacher“, sagt Kurrat.

Eva Boer-Wilde aus Königs Wusterhausen war bereits Ende 2015, also schon Monate vor der durch Kurrat ausgesprochenen Kündigung, ein solcher Vereinswechsel nach ihrem Sport im Wildorado nahegelegt worden. Sie erhielt die neuen Verträge gleich komplett ausgefüllt mit einer Kündigung für den VGS. Sie wollte diese aber ebenso wenig unterschreiben wie Evelyn Kupke aus Königs Wusterhausen, die die Dokumente mit der Post erhielt. Andere Teilnehmer aus der Sportgruppe hätten hingegen nicht gezögert, das Angebot anzunehmen. „Weil sie Angst hatten, ihren Sport nicht mehr ausüben zu können“, sagt Kupke.

Strafanzeige wegen Datenmissbrauchs

Betroffen ist auch Marcel Hoffmann aus Eichwalde. Er hat inzwischen zusammen mit weiteren VGS-Mitgliedern Strafanzeige wegen Datenmissbrauchs und unberechtigter Abbuchung von Mitgliedsbeiträgen gestellt. „Auf dem angebotenen Vertrag mit dem VGF standen bereits mein Name, Geburtsdatum, Adresse und Kontonummer für den Bankeinzug. Diese Daten hätte das Wildorado ohne mein Einverständnis nicht an den neuen Verein übermitteln dürfen“, meint Hoffmann. Kurrat wollte sich zu diesen Vorwürfen nicht öffentlich äußern.

Die Mitglieder des Zeuthener Vereins sehen nun den Gesellschafter und Aufsichtsrat des Wildorado, die Stadt Wildau, in der Pflicht. Diese solle dafür sorgen, dass die Kündigung der Trainingszeiten durch die Wildorado-Geschäftsführung zurückgezogen wird, fordern sie. Einen Gesprächstermin mit Vertretern des VGS und der Sporteinrichtung hat die Stadt Wildau für den 13. Oktober anberaumt.

Von Uta Schmidt

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