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BER-Chef erwartet keinen neuen Rückschlag

Tourismus- und Wirtschaftsforum in Berlin-Adlershof BER-Chef erwartet keinen neuen Rückschlag

Auf dem Tourismus- und Wirtschaftsforum in Berlin-Adlershof informierte Flughafenchef Lütke Daldrup zum BER-Baufortschritt und die touristische und wirtschaftliche Entwicklung von Airport und Flughafenregion. Zehntausende Arbeitsplätze werden laut seiner Einschätzung im Jahr 2035 am und um den BER arbeiten.

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Burkhard Kieker, Geschäftsführer der Berlin Tourismus & Kongress GmbH, Mathis Richter, Moderator und Geschäftsführer Tourismusverein Berlin-Treptow-Köpenick, und Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup (v. l.) beim Tourismus- und Wirtschaftsforum in Berlin Adlershof.

Quelle: Oliver Becker

Berlin. Wie kommt der BER-Bau voran und welche Entwicklung wird der neue Airport nehmen? Welche wirtschaftlichen und touristischen Entwicklungen sind in der Flughafenregion zu erwarten? Diese Fragen wurden auf dem Tourismus- und Wirtschaftsforum 2017 im Forum Berlin Adlershof diskutiert. Eingeladen hatte der Tourismusverein Berlin Treptow-Köpenick. Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup und Burkhard Kieker, Geschäftsführer der Berlin Tourismus & Kongress GmbH, nahmen an der Debatte teil.

Schönefeld schon heute bedeutender Flughafen

Insgesamt wurde ein positives Bild gezeichnet. Die Flughafenregion sei eine Region im Aufschwung. „Mit 11,6 Millionen Passagieren im Jahr 2016 ist Schönefeld bereits heute ein bedeutender Flughafen in Deutschland“, sagte Lütke Daldrup. Mit Tegel zusammen habe man 2016 insgesamt 33 Millionen Passagiere in die Region Berlin- Brandenburg gebracht. Damit seien die Berliner Flughäfen zusammengenommen der aufkommenstärkste Flughafen der Republik. Frankfurt und München hätten zwar mehr Passagiere als Berlin-Schönefeld, aber wegen der vielen Umsteiger weniger Menschen, die in der Region blieben.

BER wird wichtiger Arbeitgeber

Wenn der BER eröffnet, werde man im Jahr 2040 in Schönefeld 55 Millionen Fluggäste abfertigen können. Damit werde der Flughafenstandort immer wichtiger für die Region. Heute arbeiteten bereits 21 000 Menschen an den Flughäfen Tegel und Schönefeld – 2000 beschäftige die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) selbst, rund 19 000 arbeiteten im direkten Flughafenumfeld der Airports. In Zukunft werde der Single-Airport BER ein wichtiger Arbeitgeber sein, der viel Arbeit für Menschen mit geringer Ausbildung biete, für die es sonst auf dem Arbeitsmarkt schwierig sei, einen Arbeitsplatz zu finden.

60 000 Jobs am BER im Jahr 2035

Viele Jobs rund um die Flughäfen gebe es heute in den Branchen Sicherheits- und IT-Dienstleistungen, Gastronomie, Handel, Catering, Logistik, Fracht und den Airlines. „Im Jahr 2035 erwarten wir, dass wir allein am BER – Tegel wird dann zu sein – rund 60 000 Menschen Arbeit geben können“, sagte der Flughafenchef. Der Flughafen sei für den Wirtschaftsraum Südost-Berlin und die beiden angrenzenden Landkreise in Brandenburg ein wichtiger Arbeitgeber und ein Wirtschaftsfaktor von großer Bedeutung. Ein Flughafen sei immer eine Baustelle. Zwar habe man bereits 39 fertiggestellte Gebäude und zwei Start- und Landebahnen. Dennoch erweitere man die Systeme laufend, baue Neues hinzu und errichte die Airport-City. Damit sei man ein langfristiger Arbeitgeber und solider Auftraggeber und Partner mit Perspektive für die Region und Wirtschaft. „Die Bauwirtschaft wird hier über die nächsten 20 Jahre pro Jahr 150 bis 200 Millionen Euro umsetzen können“, so Lütke Daldrup.

Umsatzeinbruch wegen Air Berlin-Pleite

„Es hat sich massiv etwas durch den Abgang von Air Berlin verändert – die Airline hatte am Ende einen Anteil am Berliner Flugverkehr von 28 Prozent“, stellte Kieker mit Blick auf die sinkenden Touristenzahlen fest. Derzeit sitze die bankrotte Airline auf seinen Slots – andere Fluglinien könnten den Platz nicht einnehmen. In der Folge verzeichne allein der Berliner Friedrichstadtpalast mit der Pleite von Air Berlin einen Umsatzrückgang von mehr als 20 Prozent. Die sieben Touristeninformationen der Berlin Tourismus & Kongress GmbH, die Tickets und Hotelbetten anbieten, hätten einen 28-Prozent-Geschäftseinbruch eingefahren. „Das ist ein Schlag ins Kontor“, so Kieker.

Mit dem Wegfall von Air Berlin fehle eine Airline, um Berlin auch für die Langstrecke attraktiv zu machen. Man müsse einen Ersatz finden. Dennoch sei die touristische Nachfrage nach Berlin ungebrochen. Die Hauptstadt hätte sich zu einer „touristischen Supermacht“ entwickelt. Nun gehe es darum, diesen Ansturm besser zu organisieren. Der BER könne gar nicht so schnell erweitert werden, wie die Fluggastzahlen steigen werden – so Kieker.

Schönefeld von Air Berlin-Insolvenz nicht betroffen

„Das, was nach der Pleite von Air Berlin in Tegel an Flügen wegfällt, werden Easyjet und Eurowings ab Januar ersetzen. Damit hätte man ein ähnlich großes Verkehrsaufkommen wie vor der Insolvenz der Airline“, sagte Flughafenchef Lütke Daldrup. Schönefeld alt sei von der Pleite Air Berlins nicht betroffen, da die Airline nicht nach Schönefeld geflogen sei. Der Flughafen sei 2017 stattdessen um mehr als zehn Prozent gewachsen. „Wir werden dieses Jahr an der 13-Millionen-Marke kratzen – das heißt, Schönefeld entwickelt sich super“, sagte Lütke Daldrup. „Wir wollen Schönefeld alt auf jeden Fall bis Ende 2025 betreiben“, sagte der Flughafenchef. Bis vor einem halben Jahr sei das unklar gewesen. Mit dem Bund habe man nun eine vertragliche Vereinbarung, dass man Schönefeld alt noch mindestens acht Jahre betreiben könne. Damit habe der Altflughafen noch weit über die Inbetriebnahme des BER eine wichtige Funktion.

Schönefeld alt soll komfortabler werden

Da der Brandenburger Flughafen nur begrenzten Platz biete, habe man beschlossen, in den nächsten zweieinhalb Jahren 46 Millionen Euro in den Standort zu investieren. Man habe bereits das Pier D2 gebaut, wo ein neuer Bereich etwa für die Gäste von Ryanair entstanden ist. Man werde auch den Bereich von Easyjet umbauen, damit der Airport für die Fluggäste attraktiv bleibt und mehr Komfort entsteht. „Wir werden erst dann auf Schönefeld verzichten können, wenn wir am BER ein zweites großes Terminal gebaut haben – das ist erst ab 2024 geplant“, so Lütke Daldrup.

96 Prozent der Mängel am BER abgearbeitet

„Auch auf der Schiene sind wir im Gegensatz zu Tegel, der keinen Anschluss hat, gut unterwegs“, sagte der Flughafenchef und verwies auf den Haltepunkt für S-Bahn, Regionalbahn, Flughafen-Express und ICE. Man habe in der Vergangenheit aber viel Vertrauen verschenkt. „Wir sind seit fünf Jahren dabei, diese Baukatastrophe in Ordnung zu bringen und arbeiten seit drei Jahren an der systematischen Abarbeitung der Probleme – zwei Jahre davon waren verschenkt“, sagte Lütke Daldrup. Man habe bereits den Tüv-Rheinland beauftragt, sich jede Anlage intensiv anzuschauen und habe seit Februar 2017 alle Baugenehmigungen, die man braucht. Einen erneuten Rückschlag beim Brandschutz oder der Sprinkleranlage – wie kürzlich mit Verweis auf einen Tüv-Bericht berichtet – gebe es nicht. 96 Prozent der Mängel seien abgearbeitet. Man werde am BER fliegen.

Vertrauen wieder herstellen

Nun gelte es, Vertrauen wiederzugewinnen. „Wir dürfen nicht noch einmal einen Termin nennen, den wir nicht einhalten können. Deshalb müssen wir sehr genau hingucken. „Wann wir fliegen, werde ich im Aufsichtsrat am 15. Dezember bekanntgeben“, so Lütke Daldrup. Darüber hinaus brauche der BER eine klare Strategie. „Mit dem kürzlich beschlossenen Masterplan wissen Airlines, Wirtschaft, Region, was wir in den nächsten 20 Jahren machen wollen, um dem wachsenden Flugverkehr zu begegnen und um die Langstrecke nach Berlin zu holen“, so der Flughafenchef. Man habe vor zwei Jahren ein erstes Ausbauprogramm für 700 Millionen beschlossen und arbeite bereits an der Umsetzung. Man brauche mehr Terminals, Geschäfte, Büros, Parkhäuser am Flughafen. Der BER sei damit der Schlüssel für die gesamte Region und Wirtschaft.

Von Oliver Becker

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