Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Dahme-Spreewald Bauern im Dahmeland befürchten Ende der EU-Hilfe
Lokales Dahme-Spreewald Bauern im Dahmeland befürchten Ende der EU-Hilfe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 15.06.2018
Ein Mähdrescher beim Einsatz auf einem Getreifdefeld. Quelle: Ronny Heim
Anzeige
Dahmeland-Fläming

Für Landwirte in der Region werden die nächsten Jahre keine einfache Zeit und daran ist diesmal nicht das Wetter Schuld. Die EU-Agrarkommission hat angekündigt, ab 2021 die Mittel um bis zu sieben Prozent zu kürzen und gleichzeitig die Berechnung der Subventionen für die Bauern zu reformieren (MAZ berichtete). Die regionalen Bauernverbände hegen jedoch noch Hoffnung, da über die Reformen verhandelt wird.

Bauernverband warnt

Helmut Dornbusch, bis April 2018 langjähriger Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Teltow-Fläming, warnt vor der geplanten Agrarreform: „Die EU-Mittel sind eine wichtige Einnahmequelle für viele Landwirte. Ein Wegfall würde sicherlich Auswirkungen auf die Preise für die Verbraucher haben.“ Gleichzeitig gibt er sich zuversichtlich, denn bei den Verhandlungen zu Subventionen in den vergangenen Jahren habe stets die Vernunft gesiegt. Es sei zwar davon auszugehen, dass die Mittel langfristig gekürzt würden, aber solange diese Veränderungen alle Betriebe gleich betreffen würden, könnte die Last geschultert werden.

Besonders betroffen wären von den geplanten Reformen allerdings Betriebe, die eine sehr große Fläche bewirtschaften, weil die EU vorhat, eine Obergrenze für Fördermittel pro Betrieb einzuführen. Große Bauernhöfe gibt es in den Landkreisen Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald einige.

„Wir Landwirte hier in Ostdeutschland haben die große Angst, dass unsere Betriebe aufgrund ihrer Größe ungleich behandelt werden“, sagt Dornbusch. Eine zentrale Forderung der Bauernverbände lautet deshalb, keine Kappungsgrenze für Betriebe mit großer Hektarzahl anzusetzen.

Obergrenze für Förderung ab 2021

Ab 2021 sollen Betriebe, die mehr als 60 000 Euro Direktförderung bekommen, pro Hektar weniger Geld erhalten als kleine Betriebe, die unter der 60 000-Euro-Grenze liegen. Ein Blick auf die Statistik zeigt: Das Betrifft in den Landkreisen Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald rund ein Drittel aller Betriebe. Beispielsweise die Agrargenossenschaft Radensdorf eG in Lübben bekam im vergangenen Jahr allein mehr als zwei Millionen Euro Subventionen. Sie ist der größte Empfänger von Fördermitteln im ganzen Landkreis. In Teltow-Fläming führt Stadtgut Berlin SÜD Vrieling KG aus Blankenfelde-Mahlow die Rangliste mit rund 1,7 Millionen Euro EU-Mitteln an.

Thomas Goebel, Vorsitzender des Bauernverbandes Südbrandenburg, fürchtet dramatische Folgen, wenn die Subventionen verringert würden: „Bei Kürzungen würden weitere Bauernhöfe sterben. Man müsste noch mehr ernten, um wettbewerbsfähig zu bleiben, was nur noch begrenzt möglich ist.“

Goebel, der als Geschäftsführer der Göritzer Agrar GmbH im Landkreis Dahme-Spreewald selber im Jahr 2017 auf mehr als 350 000 Euro EU-Fördermittel angewiesen war, weiß, wovon er spricht. Die europäische Konkurrenz mache ein Überleben ohne Subventionen so gut wie unmöglich. „Billige Ware aus dem Ausland überschwemmt uns. Bauern dürfen nicht Menschen zweiter Klasse werden“, sagt er.

Menschen in Deutschland geben zu wenig für Lebensmittel aus

Thomas Goebel und Helmut Dornbusch sind sich einig, dass sich die Lage für die Bauern nicht weiter zuspitzen darf. Das grundsätzliche Problem sei, dass die Menschen in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern zu wenig für Lebensmittel ausgeben würden, sagt Dornbusch. Deshalb würde unter manchen Landwirten auch schon mal eine drastische Idee diskutiert: „Man könnte die Subventionen auch komplett abschaffen. Sie sind quasi ein künstlicher Zuschuss für die Verbraucher“, erklärt Dornbusch. Der Markt müsse dann den Wegfall der Subventionen auffangen. Im Klartext würde dies deutlich steigende Lebensmittelpreise bedeuten.

Die Verhandlungen über die künftige EU-Agrarpolitik dauern voraussichtlich noch einige Monate. „Ich hoffe, dass der Berufsstand da mit einer Stimme spricht und solidarisch auftritt“, sagt Helmut Dornbusch. Laut Thomas Goebel gehe es nun aber Knall auf Knall, es sei wichtig, die Füße still zu halten.

So hoch sind die aktuellen Subventionen

Bevor das EU-Parlament abstimmen kann, muss erst in den einzelnen Staaten Einigkeit herrschen. Die EU subventioniert die deutsche Landwirtschaft jedes Jahr insgesamt mit rund sechs Milliarden Euro, um bezahlbare Lebensmittelpreise zu erhalten und die Einkommen der Bauern zu sichern. Die Landkreise Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald erhielten laut Zahlen der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung im Jahr 2017 rund 27, beziehungsweise 26 Millionen Euro Fördermittel verteilt auf 274 und 363 Empfänger.

Neben Agrarbetrieben profitieren auch die Gemeinden von den EU-Mitteln. In Niedergörsdorf kassierte beispielsweise die Gemeinde im Jahr 2017 rund 290 000 Euro Fördermittel. Auch die Stadt Dahme oder der Landkreis Teltow-Fläming konnten im vergangenen Jahr mit rund 90 000 Euro extra rechnen. Dieses Geld ist für die Entwicklung des ländlichen Raumes sowie für den Naturschutz eingeplant.

Direktzahlungen an die Landwirtschaft

Die Zahlungen, die an die Landwirtschaft fließen, sind eine Art Subvention. Die Landwirtschaft soll gefördert werden, weil sie für die Sicherung der Lebensmittelvorräte zwar notwendig, aber nicht immer auskömmlich ist.

Bis 2005 waren die Zahlungen produktbezogen. Je nach Menge erzeugter landwirtschaftlicher Produkte gab es Förderung. Damit war ein Anreiz zur Überschussproduktion gegeben.

Seit 2005 läuft die Förderung über Prämien. Die Faustregel: Je größer der Betrieb, desto mehr Geld können Landwirte bekommen.

Damit soll auch vermieden werden, dass über die Förderung Lebensmittel verbilligt werden und damit Landwirtschaften in anderen Teilen der Welt beeinträchtigen.

Von Jonas Nayda und Oliver Fischer

Das Haus des Waldes in Gräbendorf feierte Sonnabend 40. Geburtstag. Viele Gäste kamen zum Fest. Doch die Feierlaune war angesichts der geplanten Streichungen in der Waldpädagogik getrübt.

13.06.2018

Ein Lübbener hat am Sonnabend die Notrufzentrale in Schach gehalten – bis die Polizei kurzen Prozess machte.

10.06.2018

Ein 29-jähriger Badegast wurde am Samstag an einer Badestelle in Eichwalde von der Polizei festgehalten. Er trug eine Tätowierung mit dem Wahlspruch der SS auf dem Bauch. Gegen ihn wurde Strafanzeige gestellt.

13.06.2018
Anzeige