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Dahme-Spreewald Bauern klagen über niedrige Erträge und Preise
Lokales Dahme-Spreewald Bauern klagen über niedrige Erträge und Preise
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20:00 30.06.2015
Begutachtung der Gerste in Schönefeld: Landesbauernpräsident Udo Folgart, Jürgen Pahl, Chef der Flora Agrar GmbH Schönefeld, und Thomas Goebel, Vorsitzender des Bauernverbandes Südbrandenburg GmbH (v. l.).
Schönefeld

Ab heute werden wieder Mähdrescher über die Felder der Flora Agrar GmbH in Schönefeld rollen – die Getreideernte startet. „Jetzt beginnt wieder die schönste Zeit für die Landwirtschaft“, freute sich der Vorsitzende des Bauernverbandes Südbrandenburg, Thomas Goebel, am Dienstag beim Pressetermin am Feldrand. Allerdings beginnt die Ernte früher als üblich. Die anhaltende Trockenheit habe vielerorts in Brandenburg die Wintergerste in die sogenannte Notreife gehen lassen, sagte der Präsident des Landesbauernverbandes Udo Folgart. Der Verband erwartet deshalb eine unterdurchschnittliche Getreideernte. Trotz der Ausdehnung der Anbaufläche um vier Prozent schätzt der Verband, dass die Getreidemenge bei nur 2,5 Millionen Tonnen liegen wird – gegenüber 3,1 Millionen Tonnen im Vorjahr. Beim Raps werden 455 000 Tonnen anvisiert.

Zur Aussaat im Herbst waren die Witterungsbedingungen optimal. Bis zur Vegetationsruhe Ende Dezember herrschten sehr milde Temperaturen. Damit ging allerdings ein starker Schädlingsbefall einher. Betroffen war vor allem der Raps. Auf Grünland und in Getreidebeständen breiteten sich durch den milden Winter Feldmäuse extrem stark aus und sorgten für erhebliche Schäden. Dann fehlten von Februar bis Mitte Juni 90 Liter pro Quadratmeter Niederschläge. Damit fiel nur Hälfte der durchschnittlichen Regenmenge der vergangenen Jahre. Der Regen in den vergangenen zwei Wochen kam für Gerste und Roggen zu spät. Mais, Sonnenblumen und Grünland profitierten aber davon.

Der Landesbauernverband rechnet nun beim Getreide mit einem Gesamtertrag von etwa 49 Dezitonnen pro Hektar – zwei Dezitonnen unter dem Mittel der vergangenen fünf Jahre. Auch Jürgen Pahl, Chef der Flora Agrar GmbH, erwartet beim Getreide erhebliche Verluste. Dabei hat sich sein Betrieb in den vergangenen Jahren schon sehr auf die Trockenlagen südlich von Berlin eingestellt, indem er die Kulturen angepasst hat. So verzichtet er inzwischen auf den Anbau von Erdbeeren und Kohl, dafür hat er sich unter anderem auf Roggen spezialisiert. „Der Roggen kann die Trockenheit am besten wegstecken“, sagte Pahl. Trotzdem bereite ihm die Situation manche schlaflose Nacht. „Da ist man mit den Nerven am Ende“, so der Landwirt.

Sorgen bereiten den brandenburgischen Bauern auch die Erzeugerpreise. Für Getreide liegen sie zum Erntestart 15 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Da viele Lager noch gut gefüllt sind, rechnet kaum jemand mit Preissteigerungen zur Ernte. Der Preis orientiere sich nicht an den Witterungsbedingungen, erläuterte Thomas Goebel, sondern werde an der Börse gemacht, orientiert am Rohölpreis. Anders als beim Getreide hat sich der Preis für Raps kaum verändert.

Die Flora Agrar GmbH

Der offizielle Erntestart des Landesbauernverbandes Brandenburg erfolgt immer in einem anderen Agrarbetrieb, diesmal war es die Flora Agrar GmbH in Schönefeld.

Das Unternehmen wurde im März 1960 als LPG gegründet. Im Dezember 1991 wurde sie zur Agrar GmbH. Es werden 1800 Hektar Fläche bewirtschaftet. Die Firma hat neben ihrem Chef Jürgen Pahl elf festangestellte Mitarbeiter in Vollzeit.

Von der Trockenheit besonders betroffen ist der Ökolandbau, da er Defizite nicht mit Düngemitteln ausgleichen kann. „Wenn ein Ökobetrieb keinen Niederschlag bekommt, ist er verloren“, sagte der Leiter der Agrarbehörde des Kreises Dahme-Spreewald, Manfred Schuhmann. Die Schere zwischen der ökologischen und konventionellen Landwirtschaft klaffe bei Trockenheit besonders weit auseinander. In Dahme-Spreewald wird mehr als ein Drittel der Landwirtschaft ökologisch betrieben, soviel wie sonst nirgends. Deshalb werde es auch im Vergleich zu den benachbarten Kreisen nur eine mäßige Ernte geben. Ganz im Süden des Landes, etwa im Spreewald, machen den Gemüsebauern die großen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht zu schaffen. Betroffen seien vor allem die Gurken, so Thomas Goebel. Die Schwankungen haben aber auch eine positive Seite: Der Schädlingsbefall ist gering.

Von Stephan Laude

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