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Begreifbare Geschichte in Halbe

Deutsch-polnisches Schülerprojekt zu Gedenkkultur Begreifbare Geschichte in Halbe

Königs Wusterhausener Gymnasiasten und polnische Schüler arbeiten gemeinsam an einem Projekt zum Ersten Weltkrieg. Um den deutschen Jugendlichen Geschichte näherzubringen, hat Gedenkstättenlehrer Holger Wedekind sie nun nach Halbe eingeladen, wo vor allem die Schrecken des Zweiten Weltkriegs ablesbar sind.

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Die Schüler vom Königs Wusterhausener Friedrich-Schiller-Gymnasium in der Ausstellung des Volksbundes in Halbe.

Quelle: Grunow

Halbe. Holger Wedekind hält einen verrosteten Stahlhelm hoch. Die Jugendlichen, Elftklässler des Königs Wusterhausener Friedrich-Schiller-Gymnasiums, versuchen nun, sich eine Vorstellung vom früheren Besitzer des Helms, den sie als einen deutschen Stahlhelm aus dem Zweiten Weltkrieg identifizieren, zu machen. Er ist sehr klein, zu klein für einen Männerkopf. Ein Junge, wahrscheinlich sogar deutlich jünger als die Schüler, dürfte ihn getragen haben. Als der Helm, gefolgt von einer sowjetischen Trinkflasche, durch die behutsamen Schülerhände wandert, wird deutlich, was Wedekind meint, wenn er sagt: „Sie müssen Geschichte begreifen.“

Seit 2012 arbeitet der Halber als Gedenkstättenlehrer beim brandenburgischen Landesverband des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Halbe. Vor drei Jahren begann er mit einem Projekt zum Ersten Weltkrieg, an dem bislang 80 Schüler des Friedrich-Schiller-Gymnasiums teilgenommen haben. Und etwa ebensoviele aus Polen, denn das Besondere an dem Projekt, das vom Volksbund, vom deutsch-polnischen Jugendwerk und vom Landkreis Dahme-Spreewald unterstützt wird und noch bis 2018 laufen soll, ist die Zusammenarbeit von Schülern beider Länder. Aus Wolsztyn und Szamotuły, zwei Orte in der Nähe von Poznan, werden je zehn Schüler im September mit den Königs Wusterhausenern zusammentreffen. Um diese schon ein wenig vorzubereiten für die Begegnung, hat Wedekind seine Schüler, die er im Leistungskurs Politische Bildung unterrichtet, am Donnerstag nach Halbe an seine Wirkungsstätte als Pädagoge mitgebracht. Im September werden die deutschen und die polnischen Schüler zusammen nach Saarbrücken reisen und von dort aus Verdun besuchen.

Holger Wedekind mit seinen Schülern auf dem Waldfriedhof

Holger Wedekind mit seinen Schülern auf dem Waldfriedhof.

Quelle: Karen Grunow

Nun ist Halbe vor allem ein Ort, an dem sich der Schrecken des Zweiten Weltkriegs ablesen lässt. Wedekind hat die Schüler dennoch hierher eingeladen, erzählt vom Halber Kriegsgefangenenlager des Ersten Weltkriegs, erklärt, wo sich der Friedhof der dort Verstorbenen einst befand. Und er zeigt eben solche Fundstücke wie den Helm und die Flasche, Überbleibsel von Soldaten, die in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges in der am 28. April 1945 ausgebrochenen Schlacht im so genannten Kessel von Halbe starben. Wedekind erzählt auch, wie versucht werden kann, die vielen Weltkriegstoten, die nach wie vor in der Region gefunden werden, zu identifizieren. Er erinnert sich an Begegnungen mit Menschen, die in Halbe Hinweise auf ihre hier getöteten Verwandten fanden.

Hintergrund

Gedenkstättenlehrer wie Holger Wedekind sind Pädagogen, die neben ihrer Tätigkeit in einer Schule einen Teil ihrer Arbeitszeit der Vermittlung in Gedenkstätten widmen.

Derzeit gibt es im Land Brandenburg 13 solcher Pädagogen, die unter anderem in den Gedenkstätten Sachsenhausen und Ravensbrück eingesetzt sind.

Über die Bildungsangebote des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Halbe informiert der Landesverband unter Tel. 03 37 65/2 19 20.

Der Volksbund Kriegsgräberfürsorge kümmert sich seit 2002 um die Halber Kriegsgräberstätte Waldfriedhof. Mehr als 28 000 Tote des Zweiten Weltkriegs sind dort bestattet. Vor drei Jahren wurde die Bildungs- und Begegnungsstätte des Volksbunds in Halbe eröffnet.

Im sogenannten „Kessel von Halbe“ starben kurz vor Kriegsende im April 1945 bis zu 60 000 Soldaten der Wehrmacht sowie weiterer militärischer und paramilitärischer Verbände, zudem Zivilisten und auch zehntausende Soldaten der Roten Armee.

„Die Schüler sind sehr politisch interessiert“, lobt Wedekind. Es hätten sich auch noch viel mehr für das Projekt interessiert, aber nur 20 Plätze gab es. „Es ist schon eine Ehre, dass man daran teilnehmen kann“, findet Celine-Marie Blank, als die Gruppe von der Bildungsstätte des Volksbunds zum Waldfriedhof, der größten Kriegsgräberstätte in der Bundesrepublik, läuft. „Wenn er davon erzählt, kann man es sich vorstellen“, sagt Gabriel Rosenberger über seinen Lehrer. Der betreut etwa 2000 Schüler und Bundeswehrangehörige pro Jahr in Halbe. Viele kommen von weiter hierher, während die Schulen in der Region die Bildungsangebote, die er auch schon für Grundschüler aufbereiten kann, eher weniger nutzen. Das kann Wedekind nicht nachvollziehen: „Wir haben die Möglichkeit, historisch so viel anzubieten, um den Unterricht für Schüler lebendiger und authentischer zu gestalten.“ Dass das wirkt, ist an seinen Schülern zu sehen. „Es ist schon sehr bewegend“, meint Celine-Marie Blank, als sie mit ihren Mitschülern über den riesigen Friedhof läuft und die Inschriften auf den in den Boden eingelassenen Porphyr- und Sandsteintafeln liest. „Er erzählt und es bleibt hängen“, sagt sie. „Ein toller Lehrer“, findet Vanessa von Lindenau. „Wenn man es schafft, ihnen begreiflich zu machen, dass der Erste und der Zweite Weltkrieg auch Teil ihrer Familiengeschichte sind, dann wird es ihre eigene Geschichte“, sagt Wedekind.

Von Karen Grunow

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