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Beirat für die Stadtgeschichte gegründet

Initiative in Königs Wusterhausen Beirat für die Stadtgeschichte gegründet

25 Jahre nach der Wende will die Stadt Königs Wusterhausen für Einwohner und Touristen ihre historische Präsentation verbessern. Dafür wurde auf Anregung der SPD-Fraktion jetzt ein ehrenamtlicher Beirat gebildet, so dass ein fundiertes Denkmal- und Gedenkstättenkonzept erarbeitet werden kann.

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Auch der Schütte-Lanz-Gewerbepark in Zeesen bedarf einer historischen Bewertung.
 

Quelle: Franziska Mohr

Königs Wusterhausen.  „25 Jahre nach der Wende wird es Zeit, dass die Stadt Königs Wusterhausen ihre Geschichte besser präsentiert“, begründet der SPD-Stadtverordnete Reinhard Wenzel den Vorstoß seiner Fraktion, einen ehrenamtlichen Beirat für die Erarbeitung eines Denkmal- und Gedenkstättenkonzeptes zu bilden. Den Anstoß gab die monatelange Diskussion um die Rücknahme des Namens „Schütte-Lanz-Gewerbepark“ in Zeesen, der einst nach der gleichnamigen dort ansässigen Luftschifffirma vergeben wurde. Während die einen dabei Johann Schüttes (1873- 1940) Ingenieurkunst bei der Entwicklung des Luftschiffbaus würdigen wollten, ist er für die anderen vor allem ein Repräsentant des NS-Staates, der maßgeblich für die Einführung des modernen Luftkrieges verantwortlich war. Eine erklärende Tafel zur Widersprüchlichkeit dieser zur Stadtgeschichte gehörenden Persönlichkeit fehlt bis heute. Und dies, obwohl sich die Stadtverordneten bei der Beibehaltung des Namens Schütte-Lanz-Gewerbepark 2012 darauf verständigt hatten.

Dem Schloss kommt zentrale Bedeutung zu

Historisch nicht eingeordnet ist für den Politologen Wenzel auch der Zeesener Sender für die Olympischen Spiele 1936. „Selbstverständlich war dieser Olympia-Sender ein technischer Meilenstein. Gleichzeitig half er später aber auch, den Weltkrieg logistisch abzusichern“, sagt Wenzel. Eine schillernde Figur ist auch der in der Nazizeit amtierende Generalintendant des Preußischen Staatstheaters, Gustaf Gründgens, der in Zeesen seinen Sommersitz hatte.

In der Geschichte der Stadt kommt dem Schloss eine zentrale Bedeutung zu. Ihm verdankt diese Stadt schließlich ihren Namen. Damit verbunden ist auch die Kreuzkirche, an der für Besucher bis heute jeder Hinweis fehlt, dass sie über eine moderne Orgel verfügt. Im Stadtbild vermissen Touristen und Einheimische aber auch Hinweistafeln auf den 1902 in Niederlehme fertiggestellten Wasserturm, den der damalige Inhaber des Kalksandwerkes, Robert Guthmann, nach dem Vorbild des Istanbuler Galataturmes errichten ließ.

So manche Gedenktafel in der Stadt ist aber auch einfach nur unvollständig. Diese und viele andere Aufgaben warten auf den Beirat, für dessen Mitarbeit jede Fraktion einen Beauftragten benennen sollte. Dieser wird vom Stadtparlament bestätigt. Diesem Ansinnen sind mit Ausnahme der Alternative für Deutschland (AfD) bisher alle Fraktionen nachgekommen (siehe Kasten). Dabei mangelt es bei der zweiköpfigen AfD-Fraktion offenbar nicht an Interesse, sondern an Personal.

Historiker sollen ab 2016 Konzept erarbeiten

Ziel ist es, bis zum Herbst dieses Jahres alle historisch interessanten Gebäude, Grabstätten und Denkmäler in der Stadt zu erfassen. Das schließt auch einst in der Stadt lebende und arbeitende Persönlichkeiten ein, die sich um die Entwicklung der Region verdient gemacht haben. Eine besondere Verantwortung kommt dabei den Ortsbeiräten zu, die sich am besten in ihrem Ortsteil auskennen.

Der Beirat unterzieht das Material einer ersten Sichtung, ehe zwei Historiker 2016 damit beauftragt werden sollen, ein Konzept für die historische Darstellung der Stadt auszuarbeiten. Diese Arbeit begleitet der Beirat, der sich auch eingehend mit allen in der Stadt verzeichneten Objekten auf der Denkmalliste des Landes Brandenburg beschäftigen wird, wie beispielsweise mit der Blindenschule. „Unser Ziel ist es, Einwohner und Gäste mit Flyern, Broschüren sowie im Netz besser mit der Stadtgeschichte vertraut zu machen“, sagt Reinhard Wenzel, der zugleich auch den Ausschuss für Stadtentwicklung leitet.

Von Franziska Mohr

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