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Besonders Rentner sind von Armut bedroht

Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Besonders Rentner sind von Armut bedroht

Die Kommunen in der Region müssen sich auf ein neues Armutsphänomen einstellen: Wer nach der Wende keinen Job fand, konnte auch kaum Rentenansprüche ansammeln und fällt im Alter auf die Grundsicherung zurück. 25 Jahre nach der Einheit wird das Problem immer virulenter. Doch von Armut gefährdet sind auch andere Gruppen.

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Kinder sind vor allem dann von Armut betroffen, wenn sie bei alleinerziehenden Müttern aufwachsen.

Quelle: dpa

Dahmeland-Fläming. Glaubt man dem jüngst veröffentlichten Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes für das Jahr 2015, tut sich allein zwischen Fläming und Dahme ein statistischer Spalt fast so groß wie zwischen Baden-Württemberg und Berlin auf. Für seine Methodik wird der Armutsbericht des größten deutschen Sozialverbands immer wieder kritisiert, dabei zeichnet er ein durchaus realistisches Bild von der sozialen Lage der Nation. Das gilt – trotz der statistischen Unzulänglichkeiten – auch für die Region Dahmeland-Fläming, wo besonders ältere Menschen, Jugendliche ohne Schulabschluss und alleinerziehende Mütter von Armut bedroht sind.

Die Zahlen des Armutsberichtes beziehen sich auf die Raumordnungsregionen. So weist der Bericht für den Raum Havelland-Fläming, zu dem der Landkreis Teltow-Fläming gehört, eine Armutsquote von 12,8 Prozent der Bevölkerung aus. Das ist deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 15,4 Prozent und fast so niedrig wie beim Klassenbesten Baden-Württemberg mit 11,4 Prozent. In der Raumordnungsregion Lausitz-Spreewald, zu welcher der Landkreis Dahme-Spreewald gehört, liegt die Armutsquote dagegen bei 20,4 Prozent – mehr als in Berlin, das zu den Schlusslichtern in Sachen Armut gehört.

Große Unterschiede innerhalb der Landkreise

„Ich finde diese Art der Erhebung problematisch, weil dabei die Ortsüblichkeit gar nicht wiedergegeben wird“, sagt Anne Böttcher, die Geschäftsführerin des Landesverbands der Arbeiterwohlfahrt (AWO). „Im nördlichen Teltow-Fläming oder Dahme-Spreewald ist die Situation eine ganz andere als im Süden der Landkreise.“ Das gelte zum Beispiel für die Zahl der Arbeitslosen und Hartz IV-Empfänger. „Wenn man so unterschiedliche Regionen statistisch zusammenfasst, wird das Bild von der Lage in den peripheren Regionen dadurch eher beschönigt“, befürchtet Böttcher.

Besonders ein neues Armutsphänomen in der Region bereitet Anne Böttcher Sorgen: „Wir haben eine zunehmende Zahl von Menschen, die nach der Wende mit Ende 30 oder Anfang 40 keinen Job mehr fanden und seither kaum noch Rentenansprüche erworben haben. Diese Menschen fallen jetzt im Rentenalter auf das Niveau der Grundsicherung ab“, erklärt sie. „Da haben wir einen erheblichen Anstieg der Anträge zu erwarten.“ Arme Rentner früherer Generationen hätten immer irgendwie versucht, mit ihrer Rente auszukommen, aus Scham, zum Sozialamt zu gehen. Wer dagegen seit Wendezeiten die Sozialämter und Jobcenter kenne, der werde auch im Alter seine Ansprüche geltend machen.

Jugendarbeit soll Abrutschen in die Armut verhindern

Auch im Landkreis Teltow-Fläming sind ältere Menschen besonders von Armut gefährdet. Dort setzt man inzwischen vor allem auf Jugendarbeit, um ein späteres Abrutschen in Armut zu verhindern. Vor genau einem Jahr wurde in Luckenwalde die sogenannte Jugendberufsagentur ins Leben gerufen, die sich um Menschen unter 25 Jahren richtet. Landkreis, Arbeitsagentur und Jobcenter wollen zusammen versuchen, möglichst vielen Jugendlichen zu einem Schul- und Berufsabschluss zu verhelfen: „Wer uns in diesem Alter verloren geht, droht die nächsten 50 bis 60 Jahre im Sozialsystem zu bleiben“, erklärt Sozialdezernentin Kirsten Gurske (Die Linke) den Hintergrund. „Die sind auch mit Blick auf ihre späteren Rentenansprüche viel gefährdeter als Menschen mit einem Berufsabschluss, die zwischenzeitig arbeitslos sind.“ Darüber hinaus habe die Kreisverwaltung dem Jobcenter zur Vorgabe gemacht, auch ältere Arbeitslose wieder vermehrt in Lohn und Brot zu bringen, um dem Problem der geringen Rentenansprüche entgegenzuwirken.

Eine weitere große Gruppe der armutsgefährdeten Menschen sind die alleinerziehenden Mütter. Ihre Zahl dürfte in der Region bei rund 600 liegen. Mit ihrer Lage kennt sich kaum jemand so gut aus wie Birgit Uhlworm: „Es ist immer wieder beschrieben worden, was Alleinerziehende brauchen: Arbeit, kostenlose Kinderbetreuung und angemessen Unterhalt für die Kinder“, sagt die Geschäftsführerin vom Verein Selbsthilfegruppen Alleinerziehender (Shia). In dieser Hinsicht liefere der Armutsbericht des Paritätischen keine neuen Einsichten: „Es ist aber auch kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem“, sagt Birgit Uhlworm. Der Einfluss konservativer Sozialpolitiker sei so groß, dass sich an der prekären Situation vor allem alleinerziehender Mütter bis heute nichts geändert habe. „Ich habe den Eindruck, dass die Vorurteile eher wieder zunehmen.“

Von Martin Küper

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