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Besuch beim Cellisten Ottomar Borwitzky

Keiner von vielen Besuch beim Cellisten Ottomar Borwitzky

Ottomar Borwitzky kann auf eine besondere Karriere zurückblicken. Der in Streganz lebende Musiker war mehr als 37 Jahre lang erster Solo-Cellist bei den Berliner Philharmonikern. Er wurde am 1. Januar 1956 auf Lebenszeit engagiert – genau wie der frühere Chefdirigent Herbert von Karajan. 1993 ging Ottomar Borwitzky in den Ruhestand.

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Musiker-Freunde: Der Pianist Wolfgang Kaiser (l.) besucht Ottomar Borwitzky in Streganz.

Quelle: Karen Grunow

Streganz. Besuch ist da, Wolfgang Kaiser ist für ein paar Tage an den Ziestsee gekommen, um seinen alten Freund und Kollegen Ottomar Borwitzky wiederzusehen. Der Pianist Kaiser, der in der Nähe von Bielefeld lebt, und der Cellist Borwitzky haben zusammen mehr als 800 kammermusikalische Konzerte bestritten. Und das quasi nebenher, denn im Hauptberuf war Borwitzky erster Solo-Cellist der Berliner Philharmoniker.

„Ich wurde am 1. Januar 1956 auf Lebenszeit engagiert, genau wie Herbert von Karajan“, sagt er stolz. Er hat die gesamte Ära Karajan erlebt und nach dessen Tod 1989 noch einige Jahre unter Claudio Abbado bei den Philharmonikern gespielt. Insgesamt 37,5 Jahre wirkte er als erster Solo-Cellist bei dem Orchester, das vielen als das beste der Welt gilt. Auch das hat viel mit Karajan zu tun: „Was Wilhelm Furtwängler gesät hatte, hat Karajan vollendet“, schlägt Borwitzky einen großen Bogen. „Der dunkle, volle, runde Klang ist das Besondere an diesem Orchester gewesen.“

Von den Kritikern gefeiert

Wenn er erzählt, sagt er oft „wir“ und „uns“, dabei habe er einst gezweifelt, ob er, der gebürtige Hamburger, nach Berlin gehen soll. Sein Vater, erster Konzertmeister bei den Philharmonikern Hamburg, riet ihm eher davon ab. In Berlin sei er am Ende vielleicht nur einer von vielen, in einem kleineren Orchester – und Angebote hatte er viele – dagegen bald ein Star. Das wurde er trotzdem, Kritiker feierten ihn als einen der besten Cellisten seiner Generation, schon 1963 wurde er zum Berliner Kammervirtuosen ernannt. Trotzdem blieb er bei seinem Orchester, bis er 1993 in den Ruhestand ging.

Wenig später zog er mit seiner vor wenigen Monaten verstorbenen Frau Hella an den Ziestsee. Ihrer Familie gehörte früher jenes zum Ufer des idyllischen Sees abfallende Grundstück, auf dem Ottomar Borwitzky und Hella ihr Haus errichteten. Sie wollte zurück an diesen Ort ihrer Kindheit, ihn hielt auch nicht viel in der Stadt. „Die reizt mich überhaupt nicht mehr“, sagt er, einzig zu Konzerten „seines“ Orchesters geht er noch ab und an. Ansonsten hatten er und seine Frau sich einen illustren Freundeskreis in der Region aufgebaut und sich kulturell engagiert.

Die jüngste Wahl des künftigen Dirigenten der Berliner Philharmoniker, die sich für Kirill Petrenko entschieden, bringt bei Borwitzky Erinnerungen hervor. „Ich hätte mir damals statt Abbado den Niederländer Bernard Haitink gewünscht“, sagt er heute. Konzerte mit dem Italiener seien sehr gut gewesen, doch die Proben – naja. Borwitzky lässt leichten Unwillen anklingen, ohne deutlicher zu werden. Mit Karajans Tod ging für ihn die beruflich prägendste, aufregendste Phase zu Ende.

Der Dirigent habe auch „die Ohren gespitzt“, als 1972 die zwölf Cellisten seines Orchesters sich als eigenes Ensemble zusammenfanden. „Boris Blacher schrieb damals ein Stück für uns“, erzählt Borwitzky. Die zwölf Cellisten machten Furore, ausverkaufte Carnegie Hall in New York, mit dem Bundespräsidenten unterwegs im Ausland, quasi als Gastgeschenke wurden Auftritte der Cellisten mitgebracht. „Heute geht mir das Repertoire zu sehr in die Unterhaltungsbranche“, befindet Borwitzky. „Wir hatten aber auch schon eine Beatles-Platte gemacht“, erzählt er. Mit dem Jazz-Pianisten Joachim Kühn hat Borwitzky ebenfalls Aufnahmen produziert. „Ich bin aber eigentlich kein Jazzfan“, stellt er klar. Karajan habe es immer sehr geschätzt, wenn seine Musiker vielseitig waren.

„Das Cello hat mir mehr imponiert“

„Ich werde Cellist oder Dirigent“, habe er schon als Kind gewusst. Die Eltern waren erfolgreiche Geiger. „Aber mir war die Geige zu klein. Das Cello hat mir mehr imponiert“, erzählt Borwitzky. Schon als Zwölfjähriger hatte der 1930 Geborene eine erste eigene Konzertreise absolviert. Ein paar Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg gründete er mit einem Geiger und einem Pianisten das Hamburger Funktrio. „Jede Woche haben wir eine halbe Stunde konzertante Unterhaltungsmusik im Rundfunk gespielt.“ Danach kam er ans Rundfunkorchester.

Er hatte verschiedene namhafte Lehrer, aber ein reguläres Studium hat Borwitzky nicht abgeschlossen. „Das war damals nicht so“, sagt er nur. Er war am Opernhaus in Hannover, als er sich unter anderem für Berlin bewarb. Mit einer Suite von Bach, Haydn und einem Cello-Konzert von Karl Höller überzeugte er. „Haydn war mein Aushängeschild“, kommentiert er. Doch beendet hat er seine Karriere mit Richard Strauss’ „Don Quixote“, Daniel Barenboim dirigierte dazu die Philharmoniker. Beide hatten sich über viele Jahre sehr schätzen gelernt.

Ein anderer großer Kollege, Mstislaw Rostropowitsch, ging in Borwitzkys Berliner Wohnung ein und aus. Gemeinsam musizierten die Cellisten. Doch die engste musikalische Verbindung ist wohl jene mit Wolfgang Kaiser. Sie lernten sich bei einer Konzertreihe für junge Musiker in Hannover kennen. „Das muss so 1951 gewesen sein“, meint Kaiser. „Weißt du noch, unsere Reise damals durch Italien?“, fragt der eine nun den anderen. „Auf dem Bahnsteig in Bologna hatte ich das Cello beim Umsteigen vergessen“, Borwitzky muss lachen. Völlig fertig seien sie spät in Perugia angekommen, energisches Pochen an ihre Hotelzimmertür weckte am nächsten Morgen die leicht verkaterten jungen Männer. „Wir haben fast unseren Auftritt verschlafen“, sagt Kaiser. Eine verrückte Reise, damals, eine, die die beiden Musiker zusammenschweißte. Bis heute.

Von Karen Grunow

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