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Betrügerische Handwerker unterwegs

Betrugsfälle Betrügerische Handwerker unterwegs

Vor allem ältere Menschen fallen auf Dienstleistungen von Betrügern herein, die sie teuer zu stehen kommen oder unnötig sind. Anfang März wurde einem Hauseigentümer in Wildau eine Rohrreinigung aufgedrängt, die er nicht gebraucht hätte. Der Mann blieb auf mehr als 1000 Euro sitzen. Welche Maschen die Betrüger noch an den Tag legen.

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Manchmal kommt ein vermeintlich günstiges Angebot das Opfer teuer zu stehen.

Quelle: dpa

Dahmeland-Fläming. Sie kommen unangemeldet, geben sich als Handwerker aus und drängen ihren Opfern Leistungen auf, die sie gar nicht brauchen. Immer wieder fallen vor allem ältere Menschen in der Region auf Trickbetrüger herein, die angeblich im Auftrag der Wohnungsbaugesellschaft, des Stromanbieters oder der Telefongesellschaft eine Überprüfung am Anschluss durchführen wollen. Gelangen sie in die Wohnung, durchsuchen sie in einem unbemerkten Augenblick oft auch die Schränke nach Wertsachen. Meistens drängen sie die Bewohner aber zu nicht notwendigen Aufträgen, wie es erst kürzlich in Wildau geschah.

Anfang März gaben sich Betrüger als Beauftragte der Wasserversorgung aus. „Dem Hauseigentümer wurde eine Rohrreinigung aufgedrängt, die nicht nötig gewesen wäre. Dieser blieb auf mehr als 1000 Euro sitzen“, sagt Falko Börnecke, technischer Leiter des Märkischen Abwasser- und Wasserzweckverbandes (MAWV). „Die Täter gehen gezielt auf ältere Menschen zu und bieten eine Kamerabefahrung der Rohrleitungen an. Noch am gleichen Tag wollen sie dann die Arbeiten durchführen“, so Börnecke. Wenn die Leistungen erst einmal erbracht sind, hat der Kunde kein Widerrufsrecht mehr und muss zahlen.

Leistungen wurden nicht fachgerecht erbracht

Auch ein Zeesener Hausbesitzer wurde fast Opfer dieser Betrüger, konnte jedoch den MAWV noch rechtzeitig informieren. Hinter den Tätern steckt eine Berliner Rohrreinigungsfirma, die des öfteren ihren Sitz ändert. „Wenn von uns beauftragte Unternehmen oder Mitarbeiter Kanalarbeiten auf einem privaten Grundstück erledigen, gibt es eine vorherige Anmeldung, die Kollegen können sich ausweisen und vor allem wird niemals Bargeld an der Tür verlangt“, sagt Falko Börnecke.

Im Kreis Teltow-Fläming gab es im vergangenen Jahr verschiedene Fälle des Handwerkertricks. So etwa im Juni 2015, als ein vorgeblicher Handwerker an der Haustür einer älteren Hauseigentümerin in Rangsdorf klingelte und ihr mitteilte, dass er von einer anderen Baustelle noch Baumaterialien übrig habe und damit den Gehweg zum Haus der Frau sanieren könnte. Als der Mann der Frau mitteilte, dass die Arbeiten abgeschlossen seien, händigte diese ihm mehrere hundert Euro Arbeitslohn aus. Erst später bemerkte die gehbehinderte Frau, dass die vereinbarten Leistungen nicht fachgerecht erbracht wurden und der alte Gehweg nun nicht mehr begehbar war. In Blankenfelde überredeten im September des vergangenen Jahres mehrere Männer eine 75-jährige Hauseigentümerin zu Garten- und Wegearbeiten auf ihrem Grundstück, für die sie dann mehrere tausend Euro forderten.

Nach getaner Arbeit wurden die Leistung plötzlich teurer

Andere Bürger ließen sich von vermeintlich günstigen Angeboten täuschen. So wurde einem Laubenbesitzer in Ludwigsfelde im Mai 2015 angeboten, für nur wenige hundert Euro das Dach neu zu decken. Nach zweistündiger Arbeit verlangten die Betrüger dann plötzlich 5000 Euro für die Leistungen. Der 79-jährige Geschädigte hatte bereits 2300 Euro bezahlt. Angehörige konnten Schlimmeres verhindern, die betrügerischen Dachdecker flüchteten.

Ähnliches geschah in Mahlow: Zwei Männer boten dort einer 78-jährigen im Juni 2015 eine Dachrinnenreparatur für 170 Euro an. Nach Erledigung der Arbeiten forderten sie plötzlich 2000 Euro. Die Geschädigte zahlte zunächst 200 Euro, da sie nicht mehr Bargeld zu Hause hatte. Anschließend fuhren die vorgeblichen Handwerker sie zur Bank, um das restliche Geld abzuheben. Die beiden Männer, die mit dem Fahrzeug vor dem Kreditinstitut warteten, flüchteten dann jedoch ohne weiteres Geld. Einen ähnlichen Fall gab es 2015 in der Nähe von Luckenwalde.

Keine gesonderte Statistik zum Handwerkertrick

Diese Delikte werden zunächst als Betrugsdelikte oder versuchte Betrugsdelikte erfasst, sofern sich die Geschädigten an die Polizei wenden. Darunter fallen auch Enkeltrick, Gewinnspiel- und Computerbetrug sowie Versicherungs- oder Tankbetrug. „Eine gesonderte Statistik speziell zum Handwerkertrick wird nicht geführt, daher können wir zur Anzahl keine Angaben machen“, sagt Axel Schugardt von der Polizeidirektion West.

Von den 11 336 Straftaten in Teltow-Fläming im Jahr 2014 entfielen 1795 auf den Bereich Vermögens- und Fälschungsdelikte. Soweit die Polizei in der Vergangenheit tatverdächtige Betrüger ermitteln konnte, kamen diese häufig aus dem südosteuropäischen Ausland, sagt Schugardt. In mehreren Fällen handelte es sich um Rumänen, andere Geschädigte berichteten aber auch, dass die Handwerker fließend deutsch sprachen.

Abstand nehmen vor dubiosen Angeboten

Die Polizei warnt vor den beschriebenen Betrugsmaschen und rät zur Vorsicht: „Kaufen oder unterschreiben Sie niemals etwas an der Haustür“, rät Axel Schugardt. „Lassen Sie unaufgefordert erscheinende Verkäufer oder Anbieter nicht in Ihre Wohnung und holen Sie sich jederzeit Rat bei der Polizei, wenn Sie sich bei einem Handwerkerangebot nicht sicher sind. Folgen Sie Ihrem gesunden Menschenverstand.“ Diejenigen, die bereits Opfer eines solchen Betruges wurden, sollten eine Strafanzeige erstatten.

Auch Torsten Wendt, Sprecher der Polizeidirektion Süd, argumentiert ähnlich. „Jeder Hausbesitzer sollte tunlichst darauf achten, mit wem er Verträge eingeht, damit nicht irgendwann das böse Erwachen kommt“, sagt er. Von dubiosen Angeboten sollte Abstand genommen werden und es sei ratsam, sich zum Vergleich die ortsüblichen Preise der Handwerker und Dienstleister anzuschauen. Bei übertrieben günstigen Angeboten sollten bei jedem die Alarmglocken läuten. „Jeder will wenig bezahlen, aber Material und Anschaffungskosten kosten etwas“, sagt Torsten Wendt.

Von Melanie Höhn

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