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Bewährungsstrafe nach Pfefferspray-Attacke

Wildau Bewährungsstrafe nach Pfefferspray-Attacke

Die Hintergründe einer Pfefferspray-Attacke in der Flüchtlingsunterkunft in Massow im September 2015 bleiben weitgehend im Dunkeln. Das ist das Ergebnis der Gerichtsverhandlung gegen den 30-jährigen Angeklagten, der von Anfang an geständig war. Das Amtsgericht Königs Wusterhausen verurteilte ihn zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten.

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40 Asylbewerber wurden bei der Attacke verletzt.

Quelle: dpa

Wildau. 40 Asylbewerber, darunter acht Kinder, sowie zwei Polizeibeamte wurden auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise im September 2015 in der Gemeinschaftsunterkunft in Massow durch Pfefferspray verletzt. Die meisten von ihnen klagten über starkes Augenreizen und Übelkeit, sodass vor allem die Kinder zur Beobachtung in Krankenhäuser gebracht werden mussten.

War dies ein bewusst ausgelöster rassistischer Anschlag oder eine unbedachte, leichtfertig begangene gefährliche Körperverletzung? Diese Frage musste das Schöffengericht unter Richter Michael Uecker am Mittwoch im Amtsgericht Königs Wusterhausen beantworten. Letztlich klären ließ sich dies allerdings selbst in der mehr als achtstündigen Verhandlung nicht, obwohl vier Zeugen vernommen und die vor der Polizei abgegebenen Aussagen von drei weiteren, inzwischen schon abgeschobenen Albanern verlesen wurden. Zu widersprüchlich waren all diese Aussagen, zu oberflächlich die Ermittlungen, in denen weder die genaue Tatzeit ermittelt, noch Videoaufzeichnungen aus der Gemeinschaftsunterkunft rechtzeitig gesichert wurden. Am Ende kam der von Anfang an geständige 30-jährige Angeklagte, der bereits dreimal mit dem Gesetz in Konflikt geraten war, mit einer Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten davon, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Gezieltes Sprühen auf Menschen nicht nachweisbar

Letztlich sah es das Gericht als erwiesen an, dass der Angeklagte P., der in der Asylbewerberunterkunft als Bauleiter tätig war und dort auch wohnte, gemeinsam mit Asylbewerbern feierte. Dabei spielte er nach Angaben der Zeugen ständig mit seinem offen auf dem Tisch stehenden Pfefferspray. Als ihn dann ein Arbeitskollege abholte, gab er auch nach Angaben eines Zeugen auf einem leeren Gang einen einzigen kurzen Spraystoß ab. Die Motive dafür blieben im Dunkeln. „Ich habe geglaubt, das Spray stinkt nur ein bisschen“, sagte P.

Ein gezieltes Sprühen auf Menschen war letztlich nicht nachweisbar – ebenso wenig wie ein ausgeprägtes fremdenfeindliches Motiv. Aber genau diese Version wollte ein Syrer, der seine Frau und zwei Kinder im Krieg verloren hat, gegenüber dem Gericht erhärten. Er sprach von einem mit laufendem Motor vorfahrenden Fluchtfahrzeug des Täters. Letzteres bewertete der Richter aufgrund der traumatischen Erlebnisse des Zeugen in seinem Heimatland aber als „eine Gemengelage aus am Tattag Erlebtem und Zusammengereimtem“. Offenbar wurde aber auch, dass der Angeklagte nicht frei von rechtsgerichtetem Gedankengut ist. In seinem Facebook-Profil befand sich noch bis Januar eine Solidaritätserklärung für den Pegida-Initiator Lutz Bachmann.

Von Franziska Mohr

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