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Bitten, beten, meditieren

Religion in der Region: Buddhismus Bitten, beten, meditieren

Früher wurde im Dahlewitzer Lindenhof gespeist und getanzt, heute wird dort vor allem meditiert. Der frühere Landgasthof ist heute ein buddhistisches Kloster und damit eine von zwei Anlaufstellen für Anhänger der ostasiatischen Erfahrungsreligion in der Dahmeland-Fläming-Region.

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Drei Thai-Frauen im Meditationsraum des Dahlewitzer Klosters. Die Statue ist kein Bildnis Buddhas, sondern das eines Lehrers.

Quelle: Oliver Fischer

Dahmeland-Fläming. Wenn Peter Rink über seinen ersten Besuch im umgebauten Lindenhof spricht, der inzwischen schon zwei Jahre zurückliegt, dann klingt er immer noch ganz verzückt. Rink, damals noch Ortsvorsteher von Dahlewitz, kannte den Lindenhof bis dahin nur als Dorf-Gaststätte. Er hatte oft dort gegessen, früher auch das ein oder andere Mal dort getanzt. Doch nun war dieser einst zünftige Raum spirituell aufgeladen. 30 bis 40 Frauen knieten auf dem Boden, und vorne, vor einer lotusumkränzten Buddhastatue, saßen Mönche in orangefarbenen Gewändern. Sie alle meditierten, huldigten, beteten. „Mehrere Stunden lang ging das, es war wunderschön“, sagt Rink. Für ihn war das damals die erste buddhistische Erfahrung überhaupt.

Das wundert kaum. Niemand weiß, wie viele Buddhisten genau in der Region leben, viel mehr als eine Hand voll dürften es aber kaum sein. Der Mikrozensus 2011 hat für Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming keine Buddhisten ausgewiesen, weil die Zahl offenbar so gering ist, dass sie keine statistische Relevanz hat. Trotzdem wird Buddhismus vor Ort gelebt, was vor allem daran liegt, dass es in der Region zwei Anlaufstellen gibt.

Früher ein brandenburgisches Dorfgasthaus, heute ein buddhistischer Tempel

Früher ein brandenburgisches Dorfgasthaus, heute ein buddhistischer Tempel: der ehemalige Lindenhof in Dahlewitz.

Quelle: Oliver Fischer

Eine davon ist jener Tempel in Dahlewitz. Er existiert seit 2014 im ehemaligen Lindenhof. Eine buddhistische Stiftung hatte die leerstehende Dorfgaststätte damals erworben, weil ihr bisheriges Domizil – eine schlichte Wohnung in Berlin-Rudow – zu klein geworden war. Seither ist die Stiftung dabei, den Gasthof zu einem Kloster umzubauen. Der Umbau geht relativ langsam voran, weil er nur über Spenden finanziert wird, aber inzwischen sind immerhin schon der große Gebetsraum und ein Meditationsraum fertig.

Neben zwei Mönchen lebt derzeit auch Wallapa Laokwansathit dort. Sie arbeitet eigentlich in Thailand als Reiseführerin für Deutsche. Mitte April hat sich aber eine dreimonatige Auszeit genommen, um im Dienste ihrer Religionsgemeinde Wat Phra Dhammakaya die Aufbauarbeiten in Dahlewitz zu unterstützen. Der Haupttempel dieser Gemeinde steht etwas außerhalb der Thai-Hauptstadt Bangkok. Es ist ein gigantischer Bau mit goldenem Dach, der 200 000 Anhängern der buddhistischen Theravada-Schule Platz bietet. Der Tempel in Dahlewitz ist quasi eine Außenstelle davon, die vor allem von Thais aus Berlin besucht wird.

Die Buddha-Statue im  Dahlewitzer Kloster

Die Buddha-Statue im Dahlewitzer Kloster.

Quelle: Dietrich von Schell

Wallapa Laokwansathit steht nun jeden Morgen gegen fünf Uhr auf und bereitet Frühstück für die Mönche. Ab 5.30 Uhr wird gemeinsam meditiert, ab 6.30 Uhr werden Bittgebete gesprochen. Abends wird wieder meditiert und gebetet. Tagsüber hätten die Mönche viel zu tun, erzählt Wallapa. Sie arbeiten am Gebäude oder lösen IT-Probleme am Computer.

Die Meditation am Morgen und Abend ist Hauptbestandteil der buddhistischen Praxis – und das ist es auch, was den Buddhismus von den meisten anderen Religionen unterscheidet. Buddhismus ist keine Glaubensreligion, sondern eine Erfahrungsrelgion. „Es gibt bei uns keinen Gott“, sagt Wallapa. Stattdessen geht es vereinfacht gesagt darum, Lehrern zu folgen und auf der Grundlage ihrer Lehren einen Glückszustand zu erreichen, Erweckungserlebnisse zu haben und auf diesem Weg die Leiden des Alltags zu überwinden. Das große Ziel der buddhistischen Praxis ist der dauerhafte Zustand des Nirwana, also der grundsätzlichen und anhaltenden Leidlosigkeit. Das kleine Ziel sind ein gutes, gesundes Leben und innerer Frieden.

Meditation ist für alle wichtig

Dafür gelte es unter anderem, fünf Grundregeln einzuhalten, sagt Wallapa. Die heißen: nicht töten, nicht stehlen, nicht lügen, nicht den Partner betrügen und keine Rauschmittel nehmen. Das sei manchmal nicht leicht, aber immer noch einfach im Vergleich zum Pensum der Mönche, die 227 Regeln befolgen müssen.

Gleichermaßen wichtig für alle ist die Meditation, denn im Buddhismus geht man davon aus, dass der Glückszustand nur darüber erreicht werden kann. Sumsung Fritz, regelmäßige Besucherin des Dahlewitzer Tempels, beschreibt es so: „Wenn ich nach der Arbeit kaputt bin, meditiere ich eine halbe Stunde. Danach habe ich keine Probleme mehr. Meinem Kopf geht es gut, meinem Bauch und meinem Herzen.“

Buddhismus hat seinen Ursprung in Asien

Der Buddhismus hat seinen Ursprung in Asien. In den letzten Jahren findet er aber auch in Europa immer mehr Anhänger. Viele davon folgen der tibetischen Karma-Kagyü-Schule, die in Deutschland vom Buddhistischen Dachverband Diamantweg vertreten wird. Zu diesem gehört auch der zweite Anlaufpunkt für Buddhisten in der Region: die „Retreat­stelle“ in Kossin (Niederer Fläming). Die wurde Anfang 2011 von Michael Fahrenbruch gegründet. Sie ist aber ausdrücklich keine Anlaufstelle für Neugierige und Neulinge, wie Fahrenbruch betont. „Für die Erstinformation sind die Buddhistischen Stadtzentren da.“

Das englische Wort retreat steht für „sich zurückziehen“. Entsprechend sei die Retreatstelle ein Rückzugsort für Fortgeschrittene, die in mehrtägigen Sessions ungestört ihre Meditationspraxis üben wollen. Manchmal findem in dem alten Vierseithof Seminare statt, zu dem Teilnehmer aus ganz Ostdeutschland kommen, erzählt Fahrenbruch. Hin und wieder schaut auch der bekannteste Lehrer der Diamantwegs-Buddhisten, Lama Ole Nydahl, vorbei. In der Regel aber geht es dort individuell zu. Man studiert, meditiert und sucht einfach sein Glück.

Von Oliver Fischer

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