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Dahme-Spreewald Blinde Programmierer – geht das?
Lokales Dahme-Spreewald Blinde Programmierer – geht das?
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11:25 12.10.2016
Sieht einfacher aus als es ist: Mit „Javakara“ lernen die Praktikanten Max und Justin auf spielerische Weise den Einstige ins Programmieren. Quelle: Josefine Sack
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Niederlehme

Komplizierte Aufgaben lösen und dabei um die Ecke denken – das ist genau Max’ und Justins Ding. Mathe gehört zwar nicht zu ihren Lieblingsfächern, aber das Knobeln, der Frage hinter der Frage auf den Grund zu gehen, fasziniert sie. Wenn nötig, brüten die Neuntklässler dafür stundenlang vor dem Computer. Die 15 und 14 Jahre alten Jungen träumen davon, einmal Softwareentwickler zu werden.

Angesichts des Enthusiasmus’ der beiden potenziellen Nachwuchsprogrammierer hätten Softwareunternehmer allen Grund zur Freude. Aber so einfach ist es nicht. Denn Max und Justin sind sehbehindert. „Leider gibt es viele IT-Unternehmen, die sich schwertun, Blinde und Sehbehinderte einzustellen“, weiß Jenny Ley vom Brandenburger Integrationsfachdienst für blinde und sehbehinderte Menschen aus Erfahrung.

Schüler erhielten viele Absagen

Das bekamen auch Max und Justin zu spüren, als sie sich auf die Suche nach einem Praktikumsplatz machten. Zig Bewerbungen hatten sie an Berliner Unternehmen geschrieben. Es hagelte nur Absagen. Bis sie im Sommer bei einer Ausbildungsbörse auf den Stand des Niederlehmer Unternehmens Gemtec stießen und sich bewarben – mit Erfolg. Neben Industrieanlagen entwickelt die Firma mit Sitz Am Möllenberg Sicherheitstechnik und bildet Fachinformatiker in Softwareentwicklung und Systemintegration aus. Ohne groß zu zögern, ermöglichte Geschäftsführer Jan Burschik den beiden Jungen, die in Königs Wusterhausen auf die Brandenburgische Schule für Blinde und Sehbehinderte gehen, das zweiwöchige Praktikum in seinem Betrieb. Eine Premiere in der fast 25-jährigen Firmengeschichte.

„Zuerst hatten wir Angst, dass wir irre viel vorbereiten und spezielle Eingabegeräte anschaffen müssen“, sagt Burschik. „Wir haben einfach nicht differenziert zwischen blind und sehbehindert“, gibt er zu. Doch die anfänglichen Bedenken lösten sich schnell in Luft auf.

Schon kleine Einstellungen am Computer können helfen

Max sieht zwar nicht gut, aber er beherrscht Schwarzschrift – das heißt, er schreibt wie gesunde Sehende. Für die Arbeit am Computer braucht er nichts weiter als die Zoom-Funktion, mit der sich der Bildschirm individuell vergrößern lässt. Bei Justin ist es schon etwas umständlicher: Sein Sichtfeld ist stark eingeschränkt. Wenn er auf den Computerbildschirm schaut, erkennt er fast nichts. Um im Internet zu surfen oder Texte zu schreiben, benötigt er einen speziellen USB-Stick zum Vergrößern.

Hintergrund

Die Gemtec GmbH ist ein mittelständisches Unternehmen mit 110 Mitarbeitern in Niederlehme und wurde 1992 gegründet.

Auf rund 4000 Quadratmetern Fertigungsfläche entwickelt die Firma Industrieanlagen, Steuerungstechnik sowie Software- und Sicherheitstechnik.

Derzeit bildet das Unternehmen sieben Azubis in den Richtungen Softwareentwickler, Fachinformatiker für Systemintegration, Elektroniker für Geräte und Systeme sowie Kommunikationselektroniker aus.

Für die Teenager ist die Arbeit am PC dennoch längst Routine. Ihre Sehbehinderung hat auf das Praktikum bei Gemtec keine Auswirkungen. „Mit vergrößertem Bildschirm lässt es sich angenehm arbeiten“, bestätigt Max. Seit gut einer Woche probieren sich die Praktikanten an kniffligen Programmieraufgaben, die ihnen der Wirtschaftsinformatiker Felix Köhler stellt. So sollen Max und Justin etwa den Marienkäfer „Kara“ in Java programmieren. Mal soll der Käfer dabei Kleeblätter finden, mal soll er sie der Anzahl nach sortieren. Hinter dem Programm, das auf den ersten Blick so spielerisch erscheint, verbergen sich grundlegende Konzepte für Programmiersprachen, von einfachen Funktionsbefehlen über Verzweigungen, Schleifen bis hin zu komplizierten Lösungsmethoden.

Viel Lob für Max und Justin

„Es gibt Praktikanten, die schon nach fünf Minuten das Handtuch werfen“, berichtet Felix Köhler, der die Auszubildenden und Praktikanten bei Gemtec betreut. Nicht so Max und Justin: „Als Team sind die beiden überdurchschnittlich gut“, lobt er.

„Die Jungs haben große Chancen, gute Programmierer zu werden“, prognostiziert auch Jan Burschik. Beide hätten die Gabe, sehr fokussiert bei der Sache zu sein. Geht es nach ihm , dürfen sich Max und Justin nach der 10. Klasse wieder bei ihm melden. Auf jeden Fall will der Gemtec-Chef auch künftig mit der Blindenschule in Königs Wusterhausen zusammenarbeiten.

Von Josefine Sack

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