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Brandstiftung in Uckley

Feuer in geplanter Flüchtlingsunterkunft Brandstiftung in Uckley

Nach ersten Erkenntnissen der Polizei wurde am Dienstag gegen 5 Uhr die ehemalige Gaststätte mit der Kegelbahn auf dem Gelände des Sportzentrums in Uckley angezündet. Der Landkreis will im nur wenige Meter entfernten Haupthaus ab Mitte September 85 Asylbewerber unterbringen. Kommunalpolitik, Polizei und Staatsschutz schließen einen Zusammenhang nicht aus.

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Die Feuerwehrleute aus den Königs Wusterhausener Wehren rückten mit Drehleiter und neun Löschfahrzeugen an.

Quelle: MAZ

Uckley. „Als die Feuerwehrleute gegen 5.30 Uhr in Uckley eintrafen, hatten die Flammen den Dachstuhl der alten Gaststätte schon durchschlagen“, berichtet Einsatzleiter Martin Schmidt. Aufgrund des Vollbrandes wurden sofort weitere Einsatzkräfte alarmiert, um ein Übergreifen des Brandes auf benachbarte Gebäude sowie den nahegelegenen Wald zu verhindern. Das gelang, aber die seit Jahren leerstehende Gaststätte mit der Kegelbahn konnte nicht mehr gerettet werden. Sie brannte komplett aus.

Das nur wenige Meter entfernte Haupthaus, in dem der Landkreis spätestens ab 15. September 85 Asylbewerber aus den unterschiedlichsten Nationen unterbringen will, blieb aber unversehrt. Die Feuerwehrleute hatten nach Angaben des Niederlehmers Frank Häusler strikte Anweisungen, keine Auskünfte zu geben. Dennoch war vor allem den älteren Kameraden die Betroffenheit anzumerken. Die Parallelen zu den Geschehnissen in Dolgenbrodt sind zu offensichtlich. Damals, am 1. November 1992, hatten Brandstifter einen Tag vor der geplanten Unterbringung von 80 Flüchtlingen das Gebäude angezündet, so dass es anschließend unbewohnbar war.

Das Gebäude brannte völlig aus

Das Gebäude brannte völlig aus.

Quelle: Gerlinde Irmscher

Auch einige der 40 vor Ort befindlichen Feuerwehrleute in Uckley deuteten an, dass es mehreren Brandherde gegeben habe. Offiziell bestätigt wurde dies allerdings noch nicht. „Nach ersten Erkenntnissen gehen wir von Brandstiftung aus“, sagte die Pressesprecherin der Polizeidirektion Cottbus, Ines Filohn. Ein technischer Defekt sei wenig wahrscheinlich, weil in dem leerstehenden Gebäude keine Medien mehr angelegen hätten. Dessen ungeachtet ermittle die Polizei aber in alle Richtungen. Auch fahrlässige Brandstiftung könne nicht ausgeschlossen werden, da der nicht verschlossene Flachbau schon mehrfach von Jugendlichen als Unterschlupf genutzt wurde.

Ohne den aktuellen Ermittlungen vorgreifen zu wollen, schließt auch der Königs Wusterhausener Bürgermeister Lutz Franzke (SPD) einen Zusammenhang zwischen dem Brand und der Flüchtlingsunterkunft nicht aus. Er war am Dienstagmorgen sofort nach Uckley geeilt, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Ein Zurückweichen kommt für ihn ebenso wie für Vize-Landrat Carsten Saß (CDU) aber nicht in Frage. Saß: „Die Unterkunft der Flüchtlinge ist nicht betroffen. Ich sehe daher keinen Grund, am Zeitplan etwas zu ändern.“ Dass die Brandruine möglicherweise abschreckend auf die Flüchtlinge wirken könnte, wies Saß als „reine Spekulation“ zurück. Wenn die Brandursache bekannt sei, werde das Sicherheitskonzept für die Flüchtlingsunterkunft vielleicht noch einmal überprüft.

Für Hausmeister Jacky Lucien, der vorn im Objekt wohnt, liegen die Geschehnisse allerdings schon jetzt klar auf der Hand. „Das war ein klarer Schuss vor den Bug. Die Brandstifter kamen durch den Wald, so dass vorn weder mein Hund noch die Alarmanlage am Haupthaus anschlugen“, sagte er. Die nur 21 in Uckley lebenden Einwohner bemerkten von dem Brand offenbar zunächst nichts. Die Alarmierung der Feuerwehr lösten um genau 5.17 Uhr Kraftfahrer von der nahegelegenen Autobahn 10 aus, die von einem Waldbrand ausgegangen waren.

Die Feuerwehr war seit den frühen Morgenstunden im Einsatz

Die Feuerwehr war seit den frühen Morgenstunden im Einsatz.

Quelle: MAZ

Überrascht ist von dem Brand in Uckley aber offenbar niemand. „Ein bisschen zeitig. Es war doch zu erwarten, dass hier mitten im Wald so etwas passiert“, meinte Manfred Trommer, Geschäftsführer der benachbarten Naturstein Fischer & Partner GmbH. Auch Anwohner Udo Schwitalla ist nicht erstaunt. „Die Sicherheitsbedenken der Bürger wurden komplett vom Tisch gewischt. Stattdessen stellte man sie gleich in die rechte Ecke“, sagte er erbost. Ähnlich sieht es Angelika Friedrich, die sich „aber komplett raushalten“ will. Ihre Nachbarn wollten sich erst gar nicht äußern, weil sie Angst haben, dass auch bei ihnen „der rote Hahn auf dem Dach kräht“. Andere Anwohner öffneten nicht, obwohl die Fenster weit geöffnet waren. Auch der Zernsdorfer Ortsvorsteher Uwe Borck (SPD) meinte: „Für Leute, die derartige Anschläge planen, liegt das Sportzentrum Uckley ideal.“

Von Franziska Mohr

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