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Bürgermeister-Sprechstunde

Königs Wusterhausen Bürgermeister-Sprechstunde

Beim MAZ-Wahlforum in Königs Wusterhausen standen die sechs Kandidaten rund 300 Gästen Rede und Antwort. Die anschließende Saalwahl entschied SPD-Kandidat und Stadtverordnetenvorsteher Georg Hanke für sich.

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Die Kandidaten (v. l.): Swen Ennullat (Freie Wähler KW), Gudrun Eichler (für Linke, Grüne), Jörn Perlick (CDU), Anke Gerth (FDP), Georg Hanke (SPD) und Birgit Uhlworm (UFL).

Quelle: Gerlinde Irmscher

Königs Wusterhausen. Als zum Ende der Veranstaltung ein Zuhörer kaputte Straßen in Wernsdorf beklagte, bessere Busverbindungen in die Ortsteile forderte und auf eine verwahrloste Bungalowsiedlung im Wald hinwies, wähnte sich Gudrun Eichler (Linke, Grüne) in einer Bürgermeister-Sprechstunde. Beim MAZ-Wahlforum am Dienstagabend in der Finanzhochschule wurden sie und die fünf anderen Königs Wusterhausener Bürgermeisterkandidaten auch mit speziellen Fragen wie diesen auf die Probe gestellt – wie im richtigen Bürgermeisterleben. Alle sechs, so viel gleich vorweg, meisterten das souverän. Jeder und jedem von ihnen ist das Amt zuzutrauen.

Jedenfalls war das der Eindruck nach der dreieinhalbstündigen Diskussion vor rund 300 Besuchern. Obwohl sich die Programme der Kandidaten für die Wahl am 24. September inhaltlich nicht gravierend unterscheiden, wurden beim MAZ-Forum doch Unterschiede sichtbar.

Rund 300 Besucher kamen in die Finanzhochschule

Rund 300 Besucher kamen in die Finanzhochschule

Quelle: Gerlinde Irmscher

Kinderbetreuung und Wohnungsbau

Beitragsfreie Kitas und Horte sind eine Hauptforderung von Swen Ennullat (Freie Wähler KW). Er will die Elternbeiträge in kommunalen und freien Einrichtungen aus dem Stadtsäckel bezahlen, rund 3,5 Millionen Euro kann das jährlich kosten. Durch Einsparungen könne die Summe verringert werden. „Es geht um unsere Kinder, das ist machbar“, sagte er. Widerspruch kam von Anke Gerth (FDP). Sie sieht die Gefahr, „dass eine Gruppe vielleicht bevorzugt“ wird. Gerth plädiert daher für den Bürgerhaushalt, bei dem die Einwohner selbst die Prioritäten für freiwillige Ausgaben der Stadt setzen. Georg Hanke (SPD) wiederum verwies auf andere Zuständigkeiten. „Das Land muss sich auf den Weg machen“, sagte er. Nach seiner Ansicht hat die Stadt nicht genügend Geld, um dann auch noch Kitas und Schulen neu zu bauen. Birgit Uhlworm (Frauenliste) hält ein Vorpreschen für unsolidarisch anderen Kommunen gegenüber, sie sieht das Land in der Pflicht. „Berlin hat es uns vorgemacht“, sagte sie.

Jörn Perlick (CDU) bekräftigte sein Wahlversprechen, 500 neue städtische Wohnungen zu bauen. „Das ist in den nächsten acht Jahren möglich“, sagte er. Gudrun Eichler nannte es schade, dass die Ouadratmeter-Nettokaltmieten trotzdem nicht unter zehn Euro liegen würden. „Das ist nicht meine Zielgruppe.“ Sie forderte Wohnungsbau mit Kaltmieten von sechs bis sieben Euro pro Quadratmeter.

Digitalisierung und Wachstum

Bei der Digitalisierung sieht Jörn Perlick die Schulen schon auf einem guten Weg, fügt aber hinzu: „Die Verwaltung muss noch einen Riesensprung machen.“ Gudrun Eichler würde zunächst die Netzlücken in der Stadt schließen. „Ich wäre schon froh, wenn ich schnelles Internet hätte“, sagte sie. Birgit Uhlworm sprach sich für einen öffentlichen PC-Zugang in jedem Ortsteil aus. Anke Gerth will alle KWer Schüler mit einem iPad ausstatten. Georg Hanke versprach kostenlose Wlan-Hotspots im Stadtgebiet, Einwohner sollten zudem möglichst viele Antragstellungen digital erledigen können. Für Swen Ennullat ist Skandinavien Vorbild bei der Digitalisierung von Königs Wusterhausen – vom öffentlichen Wlan bis zur elektronischen Erledigung aller Behördengänge.

Zum Wachstum und Flächenverbrauch waren die Aussagen differenziert. Gudrun Eichler will bereits erschlossene, aber leere Flächen nutzen und versprach ein Hafenkonzept. Ähnlich äußerten sich Swen Ennullat, der „keinen Raubbau wie bisher“ betreiben will, und Anke Gerth. Hingegen sieht Jörn Perlick große Entwicklungsmöglichkeiten auf dem Funkerberg. Und Georg Hanke rechnete vor: „Königs Wusterhauen ist 96 Qua-dratkilometer groß, 51 Prozent der Fläche ist Wald. Es gibt schon noch Flächen, die entwickelt werden können.“ Einzig Birgit Uhlworm sprach sich gegen Wachstum aus. „Wir sollten eher nachdenken, wie wir weniger verbrauchen können.“

Ehrenamt und private Einblicke

Bei einer Frage nach der konkreten Förderung des Ehrenamtes reichten die Antworten von der Bereitstellung von Räumen über einfachere Förderanträge bis zu mehr Geld. Auf die Frage nach den Schwerpunkten der ersten hundert Tage im Amt nannten Ennullat und Hanke die Kitaplätze, Gerth den Bürgerhaushalt, Uhlworm die Familienpolitik, Perlick die bessere Kommunikation mit den Ortsbeiräten, Eichler die Einführung von Bürgermeister-Sprechstunden.

Private Einblicke gaben die Kandidaten zum Auftakt. Fast alle trinken gerne Wein, einzig Swen Ennullat bekannte sich als Teetrinker, und nur Georg Hanke glaubt an Gott. Beim größten Fehler ihres Lebens blieben die meisten vage. Nur Jörn Perlick erklärte unumwunden, es sei die Entscheidung für Kaufland in der Wiesenstraße gewesen. Georg Hanke wurde in dem Forum auf seine Erblindung angesprochen. „Natürlich bin ich auf Hilfe angewiesen, jeder braucht Unterstützung. Ich sehe mich sowieso als Teamplayer“, sagte er.

Kandidaten und ihre Siegchancen

Siegesgewiss sind alle Kandidaten, wie die Wahlergebnisse zeigen, die sie sich wünschen. Sie sollten sie auf eine Tafel schreiben. Gudrun Eichler notierte 51 Prozent, Jörn Perlick 24, Birgit Uhlworm 53, Anke Gerth 60, Georg Hanke 27 und Swen Ennullat 25 sowie 50,1 Prozent für die Stichwahl.

Vor dem Veranstaltungsort stand zwischenzeitlich ein Polizeiwagen, weil es einen anonymen Hinweis zu möglichen Störungen des Forums gab. Das erwies sich jedoch als blinder Alarm. Das faire Publikum verfolgte die Debatten mit großem Interesse, bedachte Aussagen wiederholt mit Applaus. Ein Zuschauer bedankte sich öffentlich bei der MAZ für den gelungenen Abend. Auch dafür gab es viel Beifall.

Von Frank Pawlowski

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