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Bundeswehr-Cyber-Einheit hat Personalproblem

IT-Camp in Storkow Bundeswehr-Cyber-Einheit hat Personalproblem

Die „Cyberdays“ sollen technikinteressierten Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Systeme und die Technik der Bundeswehr näher bringen. Die von Verteidigungsministerin von der Leyen neugegründete Cyber-Truppe hat nämlich ein Problem: es fehlt massig Personal.

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Betti (16) lässt sich vom Hauptmann und Jugendoffizier Klug (m.) und Oberleutnant Geiß (r.) ein System zur Datenübertragung erklären.

Quelle: dpa

Storkow. Eines stellt Oberstleutnant Thorsten Niemann gleich zu Anfang klar: „Hacker sind bei mir an der falschen Adresse“, erklärte der Kommandeur der Kurmark-Kaserne in Storkow (Oder-Spree), was es mit dem IT-Camp auf sich hat. „Wir suchen reine Informationstechniker.“ Der Bedarf an diesen Fachkräften bei der Bundeswehr ist enorm. Aus dem Stand könne er allein in Storkow etwa 100 Informationstechniker einstellen, sagte der Kommandeur.

Deswegen hat die Bundeswehr gerade 18 Schüler und junge Erwachsene im Alter von 15 bis 27 im Rahmen der sogenannten Cyberdays in ein IT-Camp in die Storkower Kaserne eingeladen. Denn die Truppe braucht dringend Nachwuchs für den neu geschaffenen Cyber-und Informationsbereich (CIR). Bei dem viertägigen Camp sollen die jungen Leute die Systeme und Technik der Streitkräfte kennenlernen und sich für eine Karriere bei der Bundeswehr begeistern. An fünf Orten finden derzeit deutschlandweit solche Rekrutierungsveranstaltungen statt, unter auch in Prenzlau.

Wie kommuniziert die Bundeswehr?

In Storkow erfuhren die Campteilnehmer, wie eine Verbindung zu einem Satelliten hergestellt wird, wo die mobilen Server zusammenlaufen und wie ein sicheres Netzwerk aufgebaut wird. Das dortige Führungsunterstützungsbataillon bietet für die Truppe das gesamte Spektrum der Informationsversorgung und -übertragung und stellt in Auslandseinsätzen unter anderem Satelliten-, und Funkverbindungen her – quasi eine Art „grüne Telekom“.

Über eine Karriere als Cybersoldatin denkt auch Betti aus dem sächsischen Görlitz nach. Die 16-jährige Schülerin interessiert sich für Technik, hat in der Schule Informatikunterricht und sieht die Bundeswehr als einen abwechslungsreichen Arbeitgeber. In Storkow baute sie ein Netzwerk mit auf und musste simulierte Fehler ausbessern. „Das ist hier schon alles ganz cool“, sagt sie.

Informationen aus erster Hand

„Wir haben die Interessierten mit erfahrenen Feldwebeln zusammengebracht. So bekamen sie Erfahrungen aus erster Hand“, erklärt Oberstleutnant Niemann. Besonders interessiert waren die Jungtechniker, wie die riesige Satellitenschüssel konfiguriert wird. Sie hat einen Durchmesser von etwa fünf Metern.

Einen Einblick in den Alltag der Soldaten wollte auch Florian (15) aus Berlin bekommen. „Ich möchte in Richtung Informatik gehen“, sagt er. Auch die Kombination aus Soldat und Techniker gefällt ihm. „Ich werd’ mich wohl bewerben“, überlegt er. Von den Cyberdays erfahren, hat er durch die Schule.

Erfahrungen im IT-Bereich müssen die Jugendlichen nicht mitbringen, versichert Hauptmann Denis Klug. Der Jungend­offizier ist bei den „Cyberdays“ der direkte Ansprechpartner der potenziellen digitalen Nachwuchskräfte. „Sie sollten nur ein Interesse an Technik besitzen“, so der Hauptmann. Das letzte Camp im April 2016 hatte offenbar eine überzeugende Resonanz: Von den 18 Teilnehmern haben sich danach 16 direkt bei der Bundeswehr beworben.

Kampf vom Schreibtisch?

Heißt es für die angehenden Cyberkämpfer dann Bytes statt Bomben? Nicht ganz. Die künftigen IT-Spezialisten werden als normale Soldaten ausgebildet, können mit dem Abitur auch eine Offizierskarriere anstreben, wie Oberstleutnant Niemann erklärt. Im Ringen um die Nachwuchskräfte steht die Bundeswehr allerdings in einem harten Wettbewerb mit der Privatwirtschaft. Der Digitalverband Bitcom listete im November 2016 rund 51 000 offene Stellen für IT-Spezialisten auf. Das waren 20 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Hintergrund ist die zunehmende Digitalisierung der Wirtschaft in allen Bereichen.

Von Lisa Neumann

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