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Carsten Saß will Landrat werden

Landratswahl in Dahme-Spreewald Carsten Saß will Landrat werden

Er ist Jurist, wurde mit 28 Jahren Amtsdirektor im Amt Unterspreewald und ist seit 2004 Sozialdezernent im Landkreis Dahme-Spreewald. Jetzt kandidiert Carsten Saß (CDU) für den Posten des Landrats – und tritt damit am 11. Oktober gegen seinen derzeitigen Chef Stephan Loge (SPD) an.

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Carsten Saß ist seit 2004 Sozialdezernent im Landkreis Dahme-Spreewald.
 

Quelle: Oliver Fischer

Golßen.  Carsten Saß entdeckt dieser Tage ganz neue Seiten an sich. Er verschraubt Heizungsrohre, montiert Fensterrahmen, rührt Brotteig, läuft im Kittel über Krankenhausflure und hängt sich mit Fassadenreinigern vor die Wand eines Neubaublocks. Perspektivwechsel nennt er das, die Aktionen sind Teil seines Wahlkampfes. So will er die Nöte des Handwerks am eigenen Leib erfahren, von den Sorgen der Mediziner und Schwestern erfahren, ein besseres Gefühl dafür bekommen, was es bedeutet, jeden Morgen um 5.30  Uhr oder früher das Haus zu verlassen oder einen Handwerksbetrieb zu führen. Dinge, die leicht aus dem Blick geraten, wenn man den ganzen Tag mit Verwaltungsvorschriften zu tun hat. „Solche Erfahrungen setzen Denkprozesse in Gang“, sagt Saß. Denkprozesse, die ihm als Landrat – falls er gewählt wird – von Nutzen sein könnten.

Die Kandidaten

Der Landrat für Dahme-Spreewald wird am 11. Oktober gewählt. Um das Amt bewerben sich Birgit Uhlworm (UBL), Jens-Birger Lange (AfD), Carsten Saß (CDU) und der amtierende Landrat Stephan Loge (SPD).

In einer Porträtserie stellt die MAZ alle Kandidaten vor. Erschienen sind bereits Porträts von Birgit Uhlworm und Jens-Birger Lange. In der nächsten Folge geht es um Stephan Loge.

Beim Wahlforum der Märkischen Allgemeinen sind die Kandidaten überdies live zu erleben. Das Forum findet am Dienstag, 6. Oktober, ab 19 Uhr statt. Ort: Sitzungssaal des Königs Wusterhausener Rathauses, Schlossstraße 3. Ein Erscheinen um 18.30 Uhr wird empfohlen.

Sollte kein Kandidat die absolute Mehrheit bekommen und dabei mindestens 15 Prozent der Wahlberechtigten auf sich vereinen, gibt es eine Stichwahl. Dabei treten die beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen gegeneinander an.

Der Termin für die Stichwahl ist der 8. November.

Am 11. Oktober stellt sich Saß, 42, verheiratet und Vater zweier Kinder, für die CDU zur Wahl für das Amt des Landrates von Dahme-Spreewald. Seine Argumente sind recht schlagkräftig: Der gebürtige Schweriner kennt die Anforderungen an den Job, er ist Jurist und Verwaltungsexperte. Schon als 18-Jähriger saß er während seiner Lehrzeit im Kabelwerk als Azubi-Vertreter im Betriebsrat. Nach dem Staatsexamen wurde er mit gerade 28 Jahren Amtsdirektor im Amt Unterspreewald, wo er unter anderem die ungeliebte Gemeindegebietsreform managen musste. „Ich kam frisch vom Studium, war theoretisch überqualifiziert und praktisch unterqualifiziert“, erinnert sich Saß heute. Das Jura-Studium habe ihm ein Rechtsverständnis gebracht, auch die Fähigkeit zum strukturierten Denken. Aber den Umgang mit Politikern, die Moderation von Einwohnerversammlungen, das Führen von Mitarbeitern – das alles erfordere eher die Fähigkeiten eines Friedensrichters, und die habe er an der Uni nicht gelernt. „Meinen damaligen Mitarbeitern verdanke ich in dieser Hinsicht viel, davon zehre ich noch heute“, sagt Saß.

Die Kreisverwaltung kennt er ebenfalls bestens. Im Jahr 2004 wurde er Nachfolger von Sylvia Lehmann als Sozialdezernent, seither leitet er in Lübben das inzwischen gut 200 Mitarbeiter starke Dezernat für Soziales und Kultur. Saß hat mit seinen Mitarbeitern Schulentwicklungspläne umgesetzt, auf veränderte Anforderungen in der Jugendarbeit reagiert, Kulturveranstaltungen wie die Aquamediale verantwortet. Zuletzt war er in der Öffentlichkeit aber vor allem eines: Regionalmanager der Flüchtlingskrise. Und wer dieser Tage ein Gespräch mit ihm führt, der landet zwangsläufig bei diesem Thema.

Vom Grundrecht auf Asyl redet Saß dann, aber auch von den Schwierigkeiten der Unterbringung und dem undankbaren Job seiner Mitarbeiter, die zahllose Überstunden ableisten ohne wirkliche Erfolge zu sehen. Saß selbst hat in den vergangenen eineinhalb Jahren gut ein dutzend Mal in Einwohnerversammlungen neue Standorte für Asylunterkünfte verkündet und vertreten, in vielen weiteren Diskussionsrunden hat er versucht, Menschen davon zu überzeugen, dass ein Flüchtlingsheim in der Nachbarschaft nicht das Ende allen Glücks bedeutet, und dass man gemeinsam Wege finden muss, die Menschen zu integrieren. „Die Flüchtlingskrise ist eine Herausforderung, die den Mitarbeitern in meinem Dezernat im Gedächtnis bleiben wird“, sagt er. Ihm selbst wohl auch, denn er hat sich nicht nur Freunde gemacht. In Zützen musste er sich vorwerfen lassen, ein 350-Einwohner-Dorf mit rund 100 Asylbewerbern zu „überfremden“. In Massow musste er vertreten, dass 450 Flüchtlinge in einem Gewerbegebiet mitten im Wald untergebracht werden, auch im 30-Seelen-Nest Uckley protestierten Anwohner dagegen, dass in ihrer verschlafenen Siedlung bald 80 Asylbewerber leben. Die AfD hat Saß Konzeptlosigkeit vorgeworfen. Er aber sagt, es gehe nicht um Konzepte: „Als Ostdeutscher hege ich eine gewisse Skepsis gegenüber Plänen und Konzepten.“ Man brauche stattdessen Flexibilität, wenn man es schaffen will, denjenigen, die Asyl brauchen, auch Asyl zu gewähren, sie unterzubringen, ihre soziale Betreuung zu gewährleisten und sie zu integrieren. Dass viele Bürger die Flüchtlingskrise als Zumutung empfinden, dürfe man dabei nicht ausblenden. „Man muss damit umgehen.“

Umgehen muss Saß in seinem ersten Wahlkampf auch mit Anwürfen gegen ihn – und er hat seinen eigenen Weg gefunden. Als einige seiner Wahlplakate in seinem Heimatort Golßen beschmiert wurden, bat Saß lokale Künstler, die Plakate umzugestalten. Die Künstler klebten bunte Flecken auf die Schmierereien oder sie übermalten gleich das gesamte Plakat. Humor sei wichtig, sagt Saß. Und dass auch durch solche Aktionen Denkprozesse in Gang gesetzt werden könnten, diesmal bei den Bürgern und Wählern.

Ein kleines Problem könnte Saß allerdings noch bekommen: Er tritt bei der Landratswahl gegen seinen Chef Stephan Loge (SPD) an, es gibt Insider, die glauben, dass die künftige Zusammenarbeit der beiden durch Saß’ Kandidatur belastet werden könnte. Carsten Saß hat da aber wenig Bedenken. „Es ist doch kein Affront, wenn jemand eine Möglichkeit ergreift, die sich ihm bietet. Aus Ehrfurcht vor dem Chef sollte man sich nicht versagen, das eigene Leben zu gestalten“, sagt er. „Ich hoffe, Stephan Loge sieht das genauso.“

Von Oliver Fischer

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