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00:17 30.04.2017
Wildauer Forscher arbeiten an einer mobilen Lösung für die Fachinformationsanwendung des Kampfmittelbeseitigungsdienstes des Landes Brandenburg. Quelle: Karen Grunow
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Wildau

Ausführlich erprobt und für sehr gut befunden: Das an der Technischen Hochschule (TH) Wildau im Bereich Wirtschaftsinformatik etablierte Forschungsprojekt „Plattformübergreifende mobile Vorgangsbearbeitung“ wurde kürzlich erstmals öffentlich auf der Cebit in Hannover vorgestellt. Bereits seit 2009 kooperieren dafür die Forschungsgruppe des TH-Professors Michael Hendrix und der Kampfmittelbeseitigungsdienst in Wünsdorf. „Wir arbeiten sehr produktiv miteinander“, betont Peter Bernhardt. Der Wirtschaftsinformatiker gehört zu dem mittlerweile elfköpfigen Team um Michael Hendrix, das in die derzeitige Weiterentwicklung einer bereits erfolgreich realisierten Software eingebunden ist.

Endnutzer mitnehmen

Farben, Schriftgrößen, Buttongrößen, die Auswahl der Symbole – jeder kann dazu eine andere Meinung haben, lernten alle Beteiligten im Laufe der Jahre immer wieder. „Die Akzeptanz ist wichtig“, so Bernhardt. „Wir begleiten sie bei der Arbeit, bekommen viel erklärt“, erzählt er, der oft schon mit den Spezialisten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes unterwegs war. Eng arbeitet das Wildauer Team mit den Technikern zusammen, versucht, deren Arbeitsalltag zu verstehen. Damit am Ende das fertige Produkt eben nicht nur die Chefetage des Kampfmittelbeseitigungsdienst begeistert, sondern alle Mitarbeiter sich damit identifizieren können. „Man muss den Endnutzer mitnehmen auf die Reise“, findet Michael Hendrix extrem wichtig. Es gibt die, die sich mit den neuesten Technologien bestens auskennen, aber eben auch jene, die sich eher beruflich notgedrungen mit Internet und Computerarbeit befassten. Aber alle müssen am Ende mit dem fertigen Produkt klarkommen können – und wollen. Bei den Mitarbeitern des Kampfmittelbeseitigungsdienstes klappt das bisher sehr gut, freuen sich die Forscher.

Viel Lob

Diese Herangehensweise hat schon viel Lob geerntet. Und Nachfolgeaufträge nach sich gezogen. Auch mit dem Land Niedersachsen arbeiten die Wildauer mittlerweile im Bereich der Kampfmittelberäumung zusammen. Das besondere System dient dazu, dass diejenigen, die tagtäglich im Land Brandenburg unterwegs sind, Ortsbegehungen und Bodenuntersuchungen machen, möglichst unkompliziert alle relevanten Daten und Dokumente erstellen und auch abrufen können. „Die Inhouse-Lösung der Anwendung läuft seit mehreren Jahren produktiv“, sagt Michael Hendrix. „Jetzt kommt die mobile Komponente dazu.“ Denn nun soll das System kompatibel werden für ganz verschiedene mobile Geräte. Für größere Notebooks, kleinere Tablets oder auch Smartphones unterschiedlicher Betriebssysteme.

Da eine Lösung zu finden, dass alles, was benötigt wird, in den unterschiedlichen Formaten trotzdem sinnvoll darstellbar ist, daran arbeitet Christopher Schulze. Er ist einer der Studierenden in der Forschungsgruppe und stark in die Entwicklung der ersten Testversion involviert. Seit dem dritten Semester wirkt er an dem Projekt mit. Die Mitarbeiter können dann direkt auf dem Feld fernab vom Büro alle nötigen Eingaben tätigen und auch gleich Fotos machen. „Das wird dann automatisch synchronisiert“, erläutert Hendrix.

Solche Projekte, die fest in der Praxis verankert sind, schätzt der Professor sehr. Mehrere Bachelor- und Masterarbeiten sind bereits von Studierenden im Rahmen des Projektes umgesetzt worden. „Es arbeiten auch TH-Absolventen in Wünsdorf“, sagt Bernhardt.

Enge Kooperation

Seit vielen Jahren kooperiert die Hochschule eng mit dem Zentraldienst der Polizei des Landes Brandenburg (ZDPol), zu dem auch der Kampfmittelbeseitigungsdienst gehört. Erst im Dezember beispielsweise wurde ein vom ZDPol gemeinsam mit dem TH-Lehr- und Forschungsschwerpunkt „Physikalische Technologien/Energiesysteme“ realisiertes Projekt zum Ausbau des Digital-Funknetzes der Polizei mit Brennstoffzellentechnologie erfolgreich abgeschlossen.

Zu dem ungewöhnlichen Themenkomplex der Kampfmittelberäumung fand Hendrix, als er mit einem TH-Team eine Software zur Identifikation von Landminen entwickelte, die für die Arbeit von humanitären und militärischen Minenräumdiensten gedacht war. Bereits 2005 wurde die Anwendung „MineScout“ auf der Cebit präsentiert. Das Besondere damals: Die Forscher fanden eine leicht verständliche Symbolik, so dass auch Analphabeten das System nutzen können.

Unternehmen sind interessiert

Auf der jüngsten Cebit nun jedenfalls zeigten sich einige größere Unternehmen interessiert an der neuen Wildauer Entwicklung. Denn gerade der Ansatz, etwas zu schaffen, das von einer sehr heterogenen Mitarbeitergruppe in gleichem Maße gut bedient werden kann, findet großen Anklang.

Von Karen Grunow

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