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Coolness-Faktor Alkohol

Dahmeland-Fläming Coolness-Faktor Alkohol

Der Alkoholkonsum unter Jugendlichen ist in Brandenburg von 2015 auf 2016 um das Fünffache gestiegen. In der Region Dahmeland-Fläming ist ein signifikanter Anstieg von Krankenhausaufenthalten bei Jugendlichen aus Dahme-Spreewald zu verzeichnen. In Teltow-Fläming gab es 2016 weniger Fälle als im Vorjahr.

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In der Region ist der Alkoholkonsum der Jugend gestiegen.

Quelle: Dpa

Dahmeland-Fläming. Im vergangenen Jahr sind 73 Kinder und Jugendliche aus der Region Dahmeland-Fläming mit einer akuten Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert worden. Das sind elf sogenannte jugendliche Koma-Trinker im Alter von zehn bis 20 Jahren mehr als noch im Vorjahr. Brandenburgweit ist die Zahl der jugendlichen Koma-Trinker von 2015 auf 2016 sogar um das Fünffache angestiegen. Das geht aus einer Recherche hervor, die die Krankenkasse DAK-Gesundheit kürzlich veröffentlichte.

In der Region ist auffällig, dass vor allem mehr Jugendliche aus dem Landkreis Dahme-Spreewald zur Flasche gegriffen haben. Dort wurden im vergangenen Jahr 46 Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung behandelt, fast doppelt so viele wie im Jahr zuvor (25). In Teltow-Fläming hingegen ist die Zahl sogar gesunken, von 37 jugendlichen Koma-Trinkern im Jahr 2015 auf 27 im Jahr 2016. Das Geschlechterverhältnis ist in der Region fast ausgeglichen, männliche Jugendliche führen die Statistik im Koma-Trinken jedoch leicht an.

Hausverbot bei mitgebrachten Alkoholika

Dass das Trinken bei Jugendlichen ein Problem ist, weiß auch Katharina Dögnitz, Sekretärin von Redo Catering und Event, die das Eventcenter in Königs Wusterhausen betreiben. Dort werden in unregelmäßigen Abständen Partys organisiert, die Jugendliche aus der Region gerne besuchen – unter anderem die Reihe „Fritz-Party“. „Unter den Jugendlichen hier ist Alkoholkonsum beliebt, es wird viel getrunken“, sagt Katharina Dögnitz. „Ich selbst komme aus Potsdam und habe das Gefühl, dass es mit dem Trinken dort weniger exzessiv ist.“

Ausgeschenkt wird harter Alkohol an unter 18-Jährige sowieso nicht. Doch das umgehen manche, indem sie ihre eigenen Flaschen mitbringen. Wer dabei erwischt wird, muss die Party verlassen. Erst in der vergangenen Woche habe es Hausverbot gegeben, weil Jugendliche über den Zaun im Garten Alkoholflaschen auf die Party hineingeschmuggelt haben. Ein anderes Zeichen dafür sei, dass die Reinigungskräfte im Eventcenter auch immer wieder Erbrochenes von betrunkenen Jugendlichen wegwischen müssen.

Auch Margrit Rathsack weiß um das Problem von jugendlichen Trinkern. Sie ist Jugendsozialarbeiterin beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Ludwigsfelde. Im Jugendzentrum der Stadt werden in Kooperation mit den Schulen und der christlichen Suchtberatungsstelle Ichthys aus Blankenfelde-Mahlow Aufklärungsprojekte zum Thema Alkohol für alle achten Klassen angeboten. Dabei erklären die Sozialarbeiter den Jugendlichen, weshalb starker Alkoholkonsum so schädlich ist. Außerdem berichten ehemalige Suchtkranke von Ichthys über ihren ganz persönlichen Leidensweg.

Keine Beschaffungsprobleme

„Der Kontakt mit früheren Suchtkranken ist für die Jugendlichen emotional immer sehr beeindruckend“, berichtet Margrit Rathsack von ihren Erfahrungen in der Präventions-Arbeit. „Allerdings ist auch nicht wirklich klar, wie nachhaltig diese Maßnahme ist.“ Denn mit dem Trinken beginnen die meisten Jugendlichen ohnehin irgendwann. „Das gehört zur Pubertät dazu“, sagt die Jugendsozialarbeiterin, „der Coolness-Faktor von Alkohol spielt dabei eine sehr große Rolle.“ Für sie sei nicht immer ganz ersichtlich, wie viel Alkohol dann wirklich fließt, da viele Pubertierende bei der Menge des getrunkenen Alkohols auch übertreiben.

Dennoch sieht Margrit Rathsack den Alkoholkonsum von Jugendlichen als ein großes Problem an. „Ohne es an Zahlen belegen zu können, kann ich mir gut vorstellen, dass das sogenannte Koma-Trinken tendenziell weiter ansteigt.“ Für die Jugendlichen sei es kein Problem, an die Alkoholika heranzukommen.

„Ich weiß, dass manche Geschäfte hier in der Gegend sehr streng sind, andere achten jedoch nicht so darauf und verkaufen harten Alkohol an Jugendliche unter 18 Jahren“, sagt Rathsack. Und wenn nicht, dann schicken die Jüngeren ihre älteren Freunde vor und lassen sich von ihnen die Flaschen kaufen.

Von Anja Meyer

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