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Dahme-Spreewald „Ich will die BER-Eröffnung noch erleben“
Lokales Dahme-Spreewald „Ich will die BER-Eröffnung noch erleben“
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11:01 03.09.2018
Der scheidende IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Krüger im Interview. Quelle: Gerlinde Irmscher
Königs Wusterhausen

Nach zwei Amtsperioden und etwas mehr als zehn Jahren wird Wolfgang Krüger Mitte September als Hauptgeschäftsführer der IHK Cottbus ausscheiden. Sein Nachfolger wurde bereits im April benannt, es wird der Potsdamer Unternehmensberater Marcus Tolle. Zum Abschiedsinterview erscheint Wolfgang Krüger in bester Gesprächslaune. Es ist sein zweiter Termin an diesem Tag, auf Kaffee verzichtet er lieber. Als früherer Bildzeitungs- und Fernsehjournalist antwortet er druckreif.

Herr Krüger, mit welchen Gefühlen gehen Sie in den Ruhestand?

Wolfgang Krüger: Ehrlich gesagt, weiß ich das noch nicht. Die Vernunft sagt, es wird Zeit. Andererseits habe ich in all meinen Berufen die Arbeit nie als Belastung empfunden. Deshalb ist Ruhestand für mich eher Bedrohung als Verheißung. Mich tröstet aber, dass Generationen vor mir diesen Weg auch bewerkstelligt haben. Deshalb rate ich mir selbst zur Gelassenheit.

Wie erinnern Sie sich an Ihre Anfangszeit. Die Rahmenbedingungen waren damals anders als heute, oder?

Die erste Zeit war in der Tat schwierig. Wir hatten deutlich mehr Arbeitslose als heute und zu wenig Lehrstellen. Es kam dann auch noch die Finanzkrise dazu, unter der die Region wirtschaftlich litt. Aber dann setzte ein Aufschwung ein, der bis heute anhält. Das hat vieles erleichtert.

2012 platzte die Eröffnung des BER. Welchen Stellenwert hatte der Flughafen für Sie?

Natürlich einen riesigen. Seit 2012 sitze ich dort im Aufsichtsrat. Von Rainer Schwarz über Hartmut Mehdorn, Karsten Mühlenfeld bis zu Engelbert Lütke Daldrup habe ich sie alle erlebt. Das waren spannende Jahre.

Im Jahr 2012 wurden Sie zitiert mit dem Satz: „Ich habe Vertrauen in diesen Eröffnungstermin.“ Gemeint war eine BER-Eröffnung im Oktober 2013. Das Vertrauen war in der Rückschau wohl nicht gerechtfertigt.

Ich bekenne mich schuldig. Mit dem BER haben wir das Problem, dass wir dort ein wunderschönes Gebäude sehen, eine fertige Anlage, Fluggastbrücken, ein Parkhaus, in dem derzeit VW-Autos stehen, die zwar nicht verkäuflich sind, aber dem Flughafen im Monat 300 000 Euro bringen. Und man fragt sich, warum fliegt hier kein Flugzeug? Das Übel liegt in den Wänden und Decken verborgen. Da sind Dinge verbaut, die nicht genehmigt worden waren. Wir sanieren im Bestand, und das ist einfach schwierig und mühselig.

Wie steht es heute mit ihrem Vertrauen in den Termin im Oktober 2020?

Ich war zunächst gegen die Ernennung von Engelbert Lütke Daldrup zum Flughafenchef. Aber er hat mit einem unglaublichen Engagement die Probleme analysiert und systematisiert, und er hat mit allen wesentlichen Firmen Vereinbarungen getroffen, die darauf zielen, dass die Mängel jetzt konsequent abgearbeitet werden. Ich glaube deshalb an den von ihm genannten Termin. Ich möchte während meiner aktiven Zeit als Aufsichtsratsmitglied der FBB noch die Eröffnung des BER erleben.

Nicht nur der Flughafen selbst ist eine Großbaustelle, auch das Umfeld entwickelt sich rasant. Man geht heute von 60 000 Arbeitsplätzen aus. Die scheinen aber recht unstrukturiert zu entstehen.

Die große Herausforderung ist tatsächlich eine gesteuerte Entwicklung. Dafür müssen wir erst einmal definieren, was das Flughafenumfeld überhaupt ist.

Hätte man das nicht schon vor fünf oder zehn Jahren machen müssen?

Es gab ja Ideen, aber die sind zum Teil an kommunalen Widerständen gescheitert, weil die Diskussion nicht klug geführt wurde. Als Folge haben wir heute eine starke Konzentration von Logistikunternehmen im Umfeld des Flughafens. Und wir haben gravierende Schwächen bei der Infrastruktur. Mittlerweile erkennen zwar alle die Probleme an, aber bei den zeitlichen Vorläufen, die man hat, kommt das natürlich zu spät. Wir müssen in den Entscheidungsprozessen deutlich schneller werden.

Weshalb siedeln sich im Umfeld des BER keine internationalen Großunternehmen an, wie es sie im Umfeld anderer großer Flughäfen gibt?

Dass ein großer DAX-Konzern nach Berlin-Brandenburg kommt, halte ich für illusorisch. Auch Siemens wird nicht an den Gründungsstandort Berlin zurückkommen. Der Rohstoff des 21. Jahrhunderts wird Wissen sein, und da spielt die Berlin-Brandenburger Hochschullandschaft einschließlich der TH Wildau eine große Rolle. Ich sehe am Flughafen eher ein anderes Problem.

Welches?

Fehlende Langstreckenverbindungen. Deutschland ist die wichtigste Wirtschaftsmacht Europas, und man muss immer in München oder Frankfurt umsteigen, um nach Berlin zu kommen. Das ist ein Armutszeugnis für unser Land. Die Lufthansa mag ihre Standorte in Frankfurt und München schützen, aber bitte nicht noch andere Airlines behindern, die direkt nach Berlin fliegen wollen. Die Bundesverkehrsminister haben sich da leider immer als Interessenwalter Münchens gesehen, das ist ein großes Ärgernis.

Andere bestimmende Themen ihrer Amtszeit waren Digitalisierung und Breitbandausbau. Als Staatssekretär im Wirtschaftsministerium haben Sie 2006 noch gesagt, breitbandige Kommunikation sei nicht zwangsläufig erforderlich. Wer wirklich Breitband benötige, habe in der Regel auch Breitband. Wie sehen Sie das heute?

Die Breitbandstrategie des Landes bezog sich damals auf zwei Megabit. Darüber lacht heute jeder. Die Entwicklung ist in einer Geschwindigkeit über uns gekommen, die von niemandem vorhergesehen wurde. Zum Teil werden die Realitäten heute noch nicht erkannt. Wie lange hat die Landesregierung das Thema Funklöcher ignoriert? In fast jedem Drittweltstaat hat man eine digitale Infrastruktur. Aber wenn auf der Straße zwischen Herzberg und Langengrassau ein Unfall passiert, dann können sie keinen Notruf absetzen, weil sie keinen Empfang haben. Die Politik redet darüber, wie schwierig es ist, Unternehmen im ländlichen Raum zu halten. Aber wie will ein Unternehmen sich mit digitalen Angeboten um öffentliche Ausschreibungen bemühen, wenn es nur über einen ISDN-Anschluss verfügt?

Sie haben mal gesagt, wir haben im Land eine verwaltende Wirtschaftspolitik, keine aktive. Ist das noch immer Ihre Meinung?

Ich kenne zumindest keine wirtschaftspolitische Strategie und ich sehe auch keine aktive Industriepolitik. Wie lange haben wir als Kammern darauf gedrängt, dass wir eine Außenwirtschaftsstrategie bekommen? Wenn wir die wirtschaftliche Zukunft des Landes sichern wollen, brauchen wir in Brandenburg mehr Innovationen und mehr exportorientierte Unternehmen. Sich auf fremden Märkten zu engagieren kann riskant sein, aber andererseits war es für Unternehmen noch nie so leicht wie heute, neue Märkte zu erschließen. Nur muss das Land da seinen Teil leisten.

Wie bewerten Sie die Arbeit der Wirtschaftsfördergesellschaft Dahme-Spreewald?

Im Umfeld des BER auf das Thema Luft- und Raumfahrt zu setzen, war klug. Dahme-Spreewald ist natürlich für die gesamte Region ein Glücksfall. Es ist der wirtschaftlich stärkste Landkreis, den wir haben. Das hat etwas mit den sehr guten Standortfaktoren zu tun, aber auch mit einer ausgesprochen wirtschaftsfreundlichen Politik. Sorgen um die Zukunft muss man sich in dem Landkreis nicht machen. Ich fürchte eher, dass es Probleme geben wird mit fehlenden Wohn-, Gewerbe- und Industrieflächen. Da werden schwierige Debatten auf die Gemeinden zukommen.

Im Jahr 2010 platzte eine Fusion der IHK Cottbus mit der IHK Frankfurt (Oder) nach drei Jahren Vorbereitungszeit. Warum?

Wir waren uns damals zu 95 Prozent in den Sachfragen einig, aber es scheiterte an Personalfragen. Strukturell halte ich 79 Kammern in Deutschland nicht mehr für zeitgemäß. Das Thema Kammerfusionen wird irgendwann wieder auf die Tagesordnung kommen. Ich halte das für wichtig, denn auch der längste wirtschaftliche Aufschwung geht einmal zu Ende. Dann müssen wir ohnehin von liebgewonnenen Dingen Abschied nehmen.

Gab es in den zehn Jahren Dinge, die Sie rückblickend gerne anders gemacht hätten?

Die Fusion der beiden Kammern wäre sicherlich spannend gewesen. Wir haben auch die Digitalisierung und den damit einhergehenden Veränderungsdruck auf Unternehmen und auf uns selbst unterschätzt. Aber wir haben auch vieles richtig gemacht.

Hinterlassen Sie ihrem Nachfolger also ein geordnetes Haus?

Nein! (lacht) Das Haus ist voll im Umbruch, und an Herausforderungen mangelt es nicht. Aber unaufgeforderte Ratschläge werde ich ihm keine geben, das habe ich mir geschworen.

Von Oliver Fischer

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