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Crowdfunding-Aktion für Alarmanlage

Dornswalde (Teltow-Fläming) Crowdfunding-Aktion für Alarmanlage

Geschäftsführer Daniel Schacht hat eine außergewöhnliche Aktion gestartet, um Mitarbeiter und Milchvieh der in Dornswalde ansässigen DAREZ Agrargesellschaft künftig wirkungsvoll vor Einbrechern zu schützen. Per Crowdfunding wirbt der 32-jährige Landwirt im Internet um Spenden, um eine gute Alarmanlage anschaffen zu können.

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Daniel Schacht mit einem der beiden Kälber, die von den Viehdieben zurückgelassen wurden.

Quelle: Frank Pechhold

Dornswalde. Landwirt Daniel Schacht sammelt im Internet Geld für eine Alarmanlage. Mit dem Erlös dieser Crowdfunding-Aktion will der Geschäftsführer der in Dornswalde ansässigen DAREZ Agrar GmbH Sicherheitstechnik anschaffen, um Mitarbeiter, Milchvieh und Geräte wirkungsvoll zu schützen.

„Eine andere Möglichkeit sehe ich nicht“, sagt der 32-jährige Agronom. Dass, was sich in der Nacht zum Samstag in der Milchviehanlage ereignete, hat ihm schwer zugesetzt. Viehdiebe stahlen wie berichtet zwischen Mitternacht und 2.45 Uhr 56 Kälber, eine Mini-Melkanlage und 250 Kilo Milchpulver. „Um Mitternacht war ich selbst noch mal im Betrieb“, sagt Schacht. Ein Meldesystem habe eine technische Störung angezeigt. „Irgendwie hatte ich da schon ein mulmiges Gefühl.“

Aus der bösen Vorahnung wurde Gewissheit

Lagen die Diebe bereits zur Geisterstunde ganz in der Nähe auf der Lauer? Dieser Gedanke beschlich Schacht, nachdem ihn ein Anruf um drei Uhr aus dem Schlaf gerissen hatte. Am anderen Ende der Leitung war Tierpflegerin Petra Schönherr, die gerade ihre Schicht begonnen hatte. „Daniel, die haben schon wieder geklaut. Alle Kälber sind weg“, sagte sie.

Diebstahl von Vieh ist kein ganz neues Phänomen in Brandenburg. Im Jahr 2015 gab es nach Angaben der Polizei 19 Fälle, 2016 wurden 24 Fälle angezeigt. Allerdings wurden bis dahin in der Regel pro Diebstahl nur wenige Tiere gestohlen. Im gesamten Jahr 2015 etwa verschwanden 59 Tiere.

Zu Jahresbeginn setzte in Südbrandenburg eine Welle von Diebstählen in noch nicht gekanntem Ausmaß ein. Unter anderem wurden von einem Hof in Jänschwalde 40 Rinder gestohlen, in Lieskau (Spremberg) verschwanden 37 Tiere und in Luckau 32.

Im März dieses Jahres richtete die Polizei beim Landeskriminalamt eine Sonderkommission „Koppel“ ein, die aus sechs Mann besteht und die Fälle verfolgt.

Bei der Polizei geht man davon aus, dass die Viehdiebstähle bandenmäßig organisiert werden und die Tiere in Osteuropa landen – mutmaßlich außerhalb der Europäischen Union.

Nach Angaben des Landesbauernverbandes ist es in Deutschland und innerhalb der restlichen EU kaum möglich, die Tiere zu verwerten ohne Aufsehen zu erregen. Jedes Rind hat eine Ohrmarken, die beim Schlachter vorhanden sein muss. Anhand der Marke lässt sich die Herkunft des Tiers lückenlos nachweisen, weil jedes Rind auch in Büchern und Onlinedatenbanken gelistet ist. Die Marke muss beim Schlachter vorhanden, die Herkunft unzweifelhaft sein. Das gilt für die gesamte EU.

Seit Gründung der Soko haben Viehdiebstähle in Brandenburg abgenommen. Der Fall in Baruth ist der zweite nach einer mehrmonatigen Pause. Insgesamt sind in diesem Jahr bisher elf Fälle gemeldet.

Aus der bösen Vorahnung war Gewissheit geworden. Rasch alarmierte Schacht die Polizei und fuhr zur Anlage. „Hauptsache meine Kollegin ist in Sicherheit“, machte er sich große Sorgen auf der Fahrt zum Hof. Hier liefen rund 40 Muttertiere wild umher. Vermutlich waren die Kühe von den Verbrechern aus dem Stall gelassen worden, um Spuren zu zertrampeln. „Also mussten wir erst einmal die Milchkühe einfangen“, erzählt Schacht.

Diebe fuhren zielgerichtet mit zwei Transportern zum Kälberstall

Als er endlich vor dem Kälber-stall stand, stockte ihm der Atem. Bis auf zwei kranke Tiere war der gesamte Milchvieh-Nachwuchs im Alter von vier Tagen bis zu drei Monaten weg. „Das müssen Leute gewesen sein, die täglich mit Tieren zu tun haben. Wahrscheinlich sogar Berufskollegen. Sonst hätten sie nicht die kranken Kälber stehen gelassen und die gesunden in so kurzer Zeit verladen“, so Schacht. An den Reifenspuren habe man erkannt, dass die Diebe keinen Lkw, sondern zwei Lieferfahrzeuge benutzten. Zielgerichtet seien sie zum Kälberstall gefahren, hätten eine Fensterscheibe eingeschlagen, ein Tor geöffnet und die Tiere rausgetrieben.

„Die müssen die Kälber übereinander in die Transporter geworfen haben, so etwas hält kein Kalb lange durch“, sagt Schacht. Denkbar ist, dass die Einbrecher die nahe gelegene Autobahn 13 nutzten, um mit ihrer Beute zu verschwinden.

Schacht: „Hier sind offensichtlich Profis am Werk“

Schacht vermutet, dass es die selben Viehdiebe waren, die in der Nacht zum 27. Juni 2016 in Dornswalde 19 Kälber stahlen. Zudem ereigneten sich in der DAREZ Agrar GmbH in den vergangenen vier Jahren fünf schwere Technik-Diebstähle. Jedes Mal lag der finanzielle Schaden im fünfstelligen Euro-Bereich. Gestohlen wurden Radlader und Melkanlagen. Auch vier Paletten Maissaatgut im Wert von 10 000 Euro verschwanden.

Vorigen Samstag verlor Schacht die komplette Nachzucht. Für den Kauf von 56 neuen Kälbern müsste er rund 15 000 Euro ausgeben. Als Milchkühe wären sie in zwei Jahren jeweils rund 1400 Euro wert gewesen.„Hier sind offensichtlich Profis am Werk, die gezielt und im Auftrag stehlen“, vermutet Schacht.

Schutz für 20 Mitarbeiter und 315 Milchkühe gewährleisten

Damit sich solche Vorfälle nicht wiederholen, will Schacht in eine Überwachungsanlage investieren. Geld dafür sei wegen der vergangenen schwierigen Jahre kaum vorhanden. So wurden fünf Melkroboter angeschafft. „Der Kapitaldienst dafür ist immens. Da schlägt jeder finanzielle Verlust negativ zu Buche“, so der Geschäftsführer.

Ungeachtet dessen muss Schacht den Schutz seiner 20 Mitarbeiter und 315 Milchkühe gewährleisten. „Eine richtig gute Alarmanlage kostet mindestens 10 000 Euro“, sagt er. Um Überwachungstechnik anschaffen zu können, habe er die Crowdfunding-Aktion gestartet. Als Gegenleistung dürfe ihn jeder Spender gerne besuchen. „Er bekommt dann eine Betriebsführung und kann sich einen Eindruck von einem Brandenburger Milchviehbetrieb verschaffen“, so Schacht.

Mehr an Spenden kommt gleich betroffenen Bauern zu Gute

Möglicherweise wird mehr Geld gespendet, als eine professionelle Überwachungsanlage kostet. Dann wolle er mit der restlichen Summe Bauern unterstützen, die ebenfalls bestohlen wurden, sagt Schacht. „Vielleicht lassen uns die Diebe dann nach und nach in Ruhe.“

Crowdfunding-Link: https://www.leetchi.com/c/projekt-von-darez-agrar-gmbh. Spendenstand bei Redaktionsschluss: 475 Euro.

Von Frank Pechhold

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